Saturninus hatte gedacht gehabt, dass sich das Gerichtsverfahren für
Corvus länger hinziehen würde. Aber es hatte kein Verfahren gegeben. Der Kelte hatte seine Schuld gestanden und war hohnlachend
in den Tod gegangen.
Danach hatte sich der Furius, getrieben von dunklen Vorahnungen und dem Drang, seine eigenartigen Schuldgefühle in Laster zu ertränken, in eine Kneipenschlägerei verwickeln lassen...
Saturninus Blessuren waren am heutigen Tag jedoch bereits auf ein vertretbares Maß zurück gegangen, die
Salbe des Menandros hatte hier Wunder gewirkt.
Gestern Abend hatte er mit seinem Mündel Bassa und deren Mann Pertax gespeist, und dieser hatte ihm ausgerichtet, dass der LAPP ihn noch einmal sehen wollte. Ein Einladungsschreiben, damit er vorgelassen wurde, hatte er auch schon hergerichtet. Um was es konkret ging, konnte oder wollte er nicht sagen.
Bassa dagegen hatte sich rührend gekümmert. Irgend jemand hatte ihr beigebracht, dass sie ihrem Verwandten Respekt zollte, und sie hatte das auf ihre kindliche Weise getan. Sie himmelte auch ihren Ehemann an, in dem sie trotz ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft ständig auf dem Sprung saß, falls er etwas wollte und das, obwohl genügend Sklaven herumstanden.
Sie war nicht das hellste Öllämpchen, aber Saturninus hatte wenig Mitleid mit Pertax. Bassa würde ihm zweifellos Kinder schenken, und die waren mütterlicherseits dann edler Abstammung. Das Pertax in allem überlegen war, zählte in den gehobenen Kreisen Roms nicht unbedingt; ein adliger Name zählte jedoch sehr wohl, obwohl die Furier mehr vom Ruhm der Vergangenheit als von der Gegenwart zehrten.
Es war nicht allzu spät geworden, und Saturninus hatte sich mit Kopfschmerzen entschuldigt, was nicht einmal gelogen gewesen war. Heute war er innerlich angespannter als es ihm gut tat: Hatte der Petililius noch einmal nachgedacht und würde die Gelegenheit ergreifen, ihn, Saturninus mit in diesen Spionagefall zu verwickeln? Der Furius hatte jenen hingerichteten Corvus protegiert. Wenn man wollte, konnte man daraus eine Anklage konstruieren.
Saturninus wusste eben nicht, ob Petilius Rufus das
wollte.
Er beschloss, alles Gute oder Böse auf sich zukommen zu lassen, und nach dem er sich gesagt hatte, dass sein Schicksal ohnehin bereits geschrieben und mit Würde zu tragen war, fühlte er sich gelassener.
"Salve Soldat", grüßte er den Wachposten:
"Furius Saturninus mein Name, ich habe heute Morgen einen Termin beim edlen Legaten Augusti", er hatte seinen Sklaven Sidonius dabei, der ihm die Einladung gab, die er dem Legionär zur Prüfung weiterreichte.