02-24-2025, 03:04 PM,
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[Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
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![[Bild: Hinrichtung-1.jpg]](https://i.postimg.cc/NGytc73w/Hinrichtung-1.jpg) *
So war das gerechte Urteil des LAPP ergangen und wurde in allen vier Himmelsrichtungen mit einem Horn verkündet, um die Einwohner von Londinium herbeizurufen:
Der Angeklagte, der Britannier Alun, der sich als römischer Bürger Lucius Tarutius Corvus ausgegeben hatte, sollte nackt ausgezogen an eine Furca gebunden werden und so durch die Straßen getrieben werden bis zur Hinrichtungststätte vor der Stadt. Auf dem Weg mochte jeder ihn mit so viel Schimpf und Unrat bewerfen, wie er wollte. An der Hinrichtungsstätte angekommen sollte er an den Schandpfahl gebunden und ausgepeitscht werden. Schlussendlich sollte er in den Dreck gestoßen werden, wo der Henker ihm mit einem Beil den Kopf abschlagen würde. Der Kopf sollte aufgespießt vor den Toren als Warnung dienen, bis die Krähen sich an ihm gütlich getan hatten, und dann ohne Zeremonie an einem ruhmlosen Ort verscharrt werden.
Die ersten Zuschauer waren draußen vor der Basilica und verkündeten: " “Der Legat hat einen zum Tode verurteilt! Ein Betrüger wird geköpft!“
Viele Menschen kamen herbei gelaufen, säumten die Straßen, und Durchgänge, die sich bis zur Hinrichtungsstätte erstreckten, die sich außerhalb der Stadtmauern befand.
Es gab viele verschiedene Gesichter in der Menge, schadenfrohe, gehässige, aber unter einigen Frauen auch mitleidige, denn der Delinquent war jung und schön und hatte auch nicht die Haltung eines gewöhnlichen Verbrechers.
"Was hat der junge Kerl denn getan?" , fragten sie.
" Er ist ein Betrüger!" "Ein Hochstapler" "Er hat sich dreist als Römer ausgegeben!"
Doch Mitleid bewegte die wenigsten der Anwesenden. Der Gerechtigkeit wurde genüge getan, und wenn der Statthalter jemanden köpfen ließ, so hatte er es gewiss verdient. Verbrechen lohnte sich nicht, und die ganze Welt sollte das an jenem abschreckenden Beispiel erfahren, dass Rom streng war und immer gerecht.
Viele Londinier, die den Weg zur Hinrichtungsstrecke säumten, hatten Dreck und Unrat mitgebracht und begannen, den Mann, der an eine Y- förmige Furca gebunden und dieses Schandmal schleppen musste, zu beschimpfen und zu bewerfen:
"Schweinehund!" " Hadesfutter!" " Das geschieht dir recht, Verbrecher!" "Friss Abfall!"
Stolperte der Delinquent, so halfen ihn die Legionäre grob wieder auf die Beine (schon zuvor hatten sie ihren "Spaß" mit ihm gehabt)Sie hielten allerdings auch brave Bürger, die vor lauter Leidenschaft zu den Härten des Gesetzes ergriffen, handgreiflich werden wollten, davon ab, ihren Gefangenen schon vor seiner Hinrichtung allzu schwer zu verletzen.
Der Weg wurde dem jungen Alun gewiss lange, sehr lange.....
*Bildnachweis: Enrique Simonet, Public domain, undefined
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02-25-2025, 05:41 PM,
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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
Saturninus ging, zwei Sklaven machten ihm den Weg frei, zwei liefen hinter ihm, den Weg mit. Valentinus war zurückgeblieben, er ertrug Corvus Hinrichtung nicht ( wie seltsam, dass Saturninus ihn auch in Gedanken immer noch so und nicht Alun nannte)
Die Londinier benahmen sich, wie sich Leute bei solchen Gelegenheiten benahhmen. Es herrschte Volksfeststimmung....
Mein Name ist Alun. Ich bin der Sohn einer jungfräulichen Priesterin von Mona und eines römischen Vergewaltigers."
Vergewaltiger, dachte Saturninus, etwas war mit diesem Wort und mit Corvus., etwas, das sich nun mit Macht versuchte, in sein Bewusstsein zu drängen. Vergewaltiger - STUPRATOR. Tarutius Corvus. Nacht. Kiki mit ihm unterwegs; seine schöne Nubierin, Lachen und Scherzen, das tote Fischgesicht eines aufgeschlitzten Centurios. Das Schankmädchen, wie hieß es noch? Etwas mit D am Anfang. Ein Zeuge aus der Zivilverwaltung, der den Centurio als Letzter lebend gesprochen hatte.
Centurio: Accius Florus von der II Augusta. Schwager von Sabinius Merula. Der Bruder von der Giraffe Accia Prisca......
Keiner damals hatte Corvus ernsthaft in Verdacht. Der Junge sah auch aus, als könne man ihn mit einem nassen Handtuch erschlagen und Florus war ein durchtrainierter Berufssoldat gewesen. Doch nun war es so, dass Corvus ein völlig Unbekannter war, ein Druidenspion. Wer wusste schon, zu was er fähig war? Seine Ausbildung war mindestens genauso sorgfältig gewesen wie die eines Legionärs.
"Ich habe mir einen Namen genommen, der mir nicht gehört, um meine Mutter zu rächen. Ich bin kein Bürger Roms."
Hatte Corvus seine Mutter rächen wollen? Oder hatte er es bereits vollbracht? WAr das der eigentliche Grund, warum er jetzt so bereitwillig das Todesurteil angenommen hatte? War sein Werk vollendet?
Saturninus blieb einen Moment stehen, da aber auch Corvus zum wiederholten Male hingestürzt war, verlor er ihn nicht aus den Augen. Nur seine eigenen Sklaven wären dem Furius beinahe in die Hacken getreten.
Saturninus versuchte, an Corvus Seite zu kommen. Da tauchte vor ihm ein wie wild lachender Mann mit schwarzen Bartstoppeln am Kinn auf, der ihn anrempelte, aber so betrunken war, dass er es kaum bemerkte. In Ermangelung von faulem Obst und Gemüse hatte er einen recht großen Stein aufgeklaubt, den wollte er nach dem Gefangenen werfen.
Der Furius griff ohne zu zögern nach dem Handgelenk des Betrunkenen.
"Lass das sein!", sagte er missbilligend und schüttelte den Kopf, und der Angreifer lallte etwas Beleidigendes, ließ aber den Stein fallen, als Saturninus ihm seine Fingernägel ins Fleisch krallte und ihn heftig in die Menge zurück stieß.
Einer der Soldaten hatte Alun wieder grob auf die Füße gezogen. Der Körper des jungen Mannes stand vor Dreck und Unrat, er blutete aus zahlreichen Wunden. Dennoch bewies er Haltung, wirkte viel mehr wie ein gefangener Römer in Feindeshand als wie ein verbrecherischer Kelte.
Saturninus erhaschte seinen Blick. Es war wie der Blick in einen Abgrund, und ihm schwindelte es. Doch er musste Gewissheit haben. Auch wenn es niemanden etwas nützte, wenn Corvus bereits totes Fleisch war; er brauchte die Gewissheit, dass damals etwas fürchterlich schief gegangen war und dass ihn sein eigenes Bauchgefühl niemals getrogen hatte.
Saturninus hob die Hand und einen Moment lang geriet die Prozession ins Stocken.
"He, weiter, der Henker hat nicht den ganzen Tag Zeit!"
Es war wie gesagt spät, schon fast zu spät, doch der Patrizier drückte einem der Legionäre sein ganzes restliches Geldsäckchen in die Hand:
"Nur eine Frage", sprach er - "Der hat sich ausgefragt" , Saturninus fühlte sich, als drücke ihm jemand den Kopf unter Wasser. Er schüttelte das Gefühl gleich wieder ab, er hatte den Legionären genug Geld in die gierigen Rachen geworfen. Seine Sklaven sprangen ihm bei und gaben ihre restlichen Asse her.
Saturninus stand nun vor Alun. Er, in seine Toga gekleidet, mit den Insignien seines Standes vor dem nackten Mann, der an eine Furca gefesselt war. Größer hätte der Kontrast nicht sein können:
"Accius Florus?", fragte Saturninus nur.
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02-25-2025, 11:33 PM,
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Alun
Falke; aka Lucius Tarutius Corvus
   
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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
Die Furca lastete schwer auf seinen Schultern. Sie machte jeden Schritt zu einer Qual. Sein Körper war müde, wund und gezeichnet von den Schlägen der Soldaten, doch sie erwarteten von ihm, dass er weiterging. Dass er nicht fiel. Dass er sein eigenes Schandmal durch die Straßen schleppte, bis zu dem Ort, an dem alles enden würde. Doch immer wieder wollten ihm die Knie einknicken, so dass er stolperte und doch fiel. Rau Hände griffen dann nach ihm und zerrten ihn wieder auf die Beine.
Die Rufe um ihn herum waren laut und schmerzhaft in den Ohren. "Betrüger! Hochstapler!" Fäuste schüttelten sich in die Luft, Dreck und Unrat flogen auf ihn nieder. Der Gestank von fauligem Gemüse, von Schweiß, von der engen Masse an Menschen war erdrückend. Alun schloss für einen Moment die Augen. Er musste das alles ausblenden. Stattdessen erinnerte er sich:
An die letzte Reise in den Norden mit seinen Brüdern, an die letzte Zusammenkunft mit Cathbad. Als er ihn in den Tod geschickt hatte. Er dachte an Louarn, seinen Bruder, der immer alle retten wollte. Doch heute fehlte er. Niemand würde kommen, um ihn zu retten. Wie gerne hätte er noch eine Gelegenheit gehabt, sich mit ihm auszusprechen. Aber diese würde er nie mehr bekommen. Ein Kloß bildete sich in seinem Hals, aber er schluckte ihn hinunter.
Prisca. Er sah ihr Gesicht vor sich, so warm, so voller Leben. Er erinnerte sich an ihre Stimme, an die Art, wie sie lachte, wie ihre Finger sanft durch sein Haar geglitten waren. Die Erinnerung an ihre Wärme schmerzte, aber sie gab ihm auch Trost. Ein Teil von ihm würde überleben. Ihr gemeinsames Kind. Doch es würde niemals von seinem wahren Vater erfahren. Er würde als Römer aufwachsen.
Ein Tritt in den Rücken ließ ihn plötzlich stolpern. Die Furca riss an seinen Schultern, drohte ihn zu Boden zu ziehen. Seine Knie gaben schließlich nach und er stürzte ein weiteres Mal. Wieder waren es grobe Hände, die ihn packten und ihn hoch rissen. Er keuchte und biss die Zähne zusammen. Sein Herz raste, sein Körper schmerzte, aber seine Gedanken trugen ihn wieder fort.
Zurück zu dem Tag, als er zur Quelle unterwegs gewesen war. Die Sonne hatte golden auf die Wiesen geschienen, der Wind hatte nach feuchter Erde und frischem Gras gerochen. Der Tag, an dem er nach langer Zeit wieder seinen Bruder Louarn wiedergesehen hatte. Er war dort mit seinem Mädchen aus Hibernia.
Plötzlich stoppte der Zug. Alun wurde aus seinen Gedanken gerissen. Eine wohlbekannte Stimme drang an sein Ohr. Er hob den Kopf. Sein Blick traf Furius Saturninus und für einen Moment schien es, als würde die Zeit stillstehen. Das Dröhnen der Menge, das Johlen, die Rufe – alles rückte in den Hintergrund. Seine Worte hallten in seinem Kopf nach: Accius Florus.
Da war es wieder, das Gesicht des Centurios blitzte vor seinem inneren Auge auf, in dem Moment, als er realisiert hatte, dass er sterben würde.
Da war kein Erstaunen, kein Schreck in Aluns Gesicht. Nur ein leises, erschöpftes Lächeln, das über seine rissigen Lippen huschte. Ein Lächeln, das nichts Gutes verhieß. "Accius Florus", wiederholte er leise, beinahe genüsslich. "Er hat bekommen, was er verdient hat!", presste er zwischen trockenen Lippen hervor. Dann setzte er sich wieder in Bewegung.
Als "Lucius Tarutius Corvus"
Falke
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02-27-2025, 03:37 PM,
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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
"Du bist es gewesen!", entfuhr es Saturninus, und während ihm, dem siegreichen Ankläger das Lächeln vergangen war, lächelte Alun ihn höhnisch an, obwohl er zur Hinrichtung ging, obwohl er, da er nicht bestattet werden würde, auf alle Ewigkeit an den Ufern des Styx herumirren und gewiss zu einem Gespenst werden würde, obwohl er verloren war. Es war fast, als wären die Rollen vertauscht.
"Du bist es gewesen, immer nur du! Was hast du noch alles getan?!"
Die Frage wollte Saturninus stellen, aber da verloren die Soldaten die Geduld; der Delinquent sollte zum Henker und sie hatten heute noch Besseres zu tun. Sie trieben den Gefangenen weiter, und Saturninus war sich nicht sicher, ob Alun ihn gehört hatte.
Saturninus folgte in einiger Entfernung dem Trupp. Er war blass wie eine Marmorwand. Fast sehnte er das Beil des Henkers herbei; wenn er Aluns Tod wirklich und wahrhaftig mit eigenen Augen sah und bezeugen konnte, konnte er mit diesem Kapitel endlich abschließen.
Alun war in den letzten beifden Jahren der böse Geist von Iscalis gewesen, so kam es ihm vor. Nichts, aber auch gar nichts, was in der kleinen Stadt an unheimlichen und rätsellhaften Ereignissen geschehen war, war Zufall gewesen. Die alte Paranoia erwachte; krallte ihre Fänge in Saturninus Fleisch und wütete schlimmer als zuvor.
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02-27-2025, 11:10 PM,
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Gwen
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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
Es war ein Tag wie jeder andere. Die Straßen von Londinium waren geschäftig, Händler priesen ihre Waren an, Kinder rannten spielend umher, und der Geruch von gebratenem Fleisch und Pferdemist lag in der Luft. Ich war gerade dabei, mir meinen Tag zu planen, vielleicht ein paar gut gefüllte Geldbeutel leichter zu machen, als plötzlich eine laute Stimme durch die Straßen hallte:
"Der Legat hat einen zum Tode verurteilt! Ein Betrüger wird geköpft!"
Die Reaktion der Menschen war vorhersehbar. Innerhalb von Minuten eilten sie aus ihren Häusern und Werkstätten, ließen alles stehen und liegen, um sich das Spektakel anzusehen. Ein Mann sollte sterben, und das bedeutete Ablenkung – die beste Gelegenheit für jemanden wie mich!
Ich zog meine Kapuze tiefer ins Gesicht und folgte der Menge. Ich musste nicht einmal drängeln, sondern wurde einfach mitgerissen von der Flut an Schaulustigen. Das war meine Chance. In all dem Chaos würden die Reichen unvorsichtig sein und ihre Beutel locker an den Gürteln hängen haben, ihre Aufmerksamkeit vollkommen auf das Schauspiel gerichtet.
Die Rufe wurden lauter, als der Verurteilte durch die Straßen getrieben wurde. Ich zwängte mich durch die Menschenmenge. Meine Hände waren flink und sicher. Einem Händler zog ich geschickt einen Beutel vom Gürtel, einem anderen eine Brosche aus dem Umhang. Die Menge brüllte, spuckte und bewarf dem Todgeweihten mit Dreck. Aber niemand bemerkte mich.
Als ich weiter nach vorne gelangte, sah ich den Mann, der all diesen Hass auf sich zog. Er war jung und schön –eine wahre Vergeudung! Seine Haut war blutig von Misshandlungen, aber sein Blick blieb erhoben. Ich hatte Geschichten gehört. Die Leute sagten er hätte sich als Römer ausgegeben. Das war ja wirklich dämlich. Aber es spielte keine Rolle mehr. Er würde sterben, und die Stadt würde ihn morgen schon vergessen haben.
Aber ich? Ich würde diesen Tag in Erinnerung behalten. Nicht wegen seines Todes, sondern wegen der guten Beute, die ich heute machen würde.
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03-02-2025, 03:53 PM,
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Alun
Falke; aka Lucius Tarutius Corvus
   
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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
(02-27-2025, 03:37 PM)Tiberius Furius Saturninus schrieb: "Du bist es gewesen!", entfuhr es Saturninus, und während ihm, dem siegreichen Ankläger das Lächeln vergangen war, lächelte Alun ihn höhnisch an, obwohl er zur Hinrichtung ging, obwohl er, da er nicht bestattet werden würde, auf alle Ewigkeit an den Ufern des Styx herumirren und gewiss zu einem Gespenst werden würde, obwohl er verloren war. Es war fast, als wären die Rollen vertauscht.
"Du bist es gewesen, immer nur du! Was hast du noch alles getan?!"
Die Frage wollte Saturninus stellen, aber da verloren die Soldaten die Geduld; der Delinquent sollte zum Henker und sie hatten heute noch Besseres zu tun. Sie trieben den Gefangenen weiter, und Saturninus war sich nicht sicher, ob Alun ihn gehört hatte.
Saturninus folgte in einiger Entfernung dem Trupp. Er war blass wie eine Marmorwand. Fast sehnte er das Beil des Henkers herbei; wenn er Aluns Tod wirklich und wahrhaftig mit eigenen Augen sah und bezeugen konnte, konnte er mit diesem Kapitel endlich abschließen.
Alun war in den letzten beifden Jahren der böse Geist von Iscalis gewesen, so kam es ihm vor. Nichts, aber auch gar nichts, was in der kleinen Stadt an unheimlichen und rätsellhaften Ereignissen geschehen war, war Zufall gewesen. Die alte Paranoia erwachte; krallte ihre Fänge in Saturninus Fleisch und wütete schlimmer als zuvor.
Alun wurde weitergestoßen, die Furca riss an seinen Schultern, und das höhnische Lächeln, das er Furius Saturninus zugeworfen hatte, verblasste. Der Moment der trotzigen Genugtuung verflüchtigte sich, als Schläge auf seinen Rücken niederfuhren und ihn zwangen, weiterzutaumeln. Sein Körper brannte vor Schmerz, seine Knie drohten nachzugeben, doch sein Geist floh zurück in die Vergangenheit, weit fort von den Schreien der Menge und der bevorstehenden Hinrichtung.
Das Bild des Centurios verblasste, und stattdessen tauchten sechs Gesichter auf. Gesichter, die er lange nicht mehr vor seinem inneren Auge gesehen hatte. Die Gesichter seiner Brüder: Dunduvan, Louarn, Calum, Fintan, Cinead und Ciaran. Sechs Jungen, gezeugt aus Gewalt,die bereits bei ihrer Geburt dazu auserkoren waren, vor ihrer Zeit zu sterben. Sie waren Bastarde, Söhne römischer Soldaten, die keine Heimat kannten und nirgendwo willkommen waren. Die anderen Kinder mieden sie, beschimpften sie als Römerpack und bewarfen sie mit Steinen, weil sie und ihre Mütter es gewagt hatten, am Leben zu bleiben, anstatt mit der Schande zu verschwinden.
Seine Mutter.
Ihr Gesicht tauchte aus der Dunkelheit seiner Erinnerungen auf. Ihre Augen waren stets so leer, wenn sie ihn ansah. Sie konnte ihn nicht lieben. Wie hätte sie auch? In seinem Gesicht sah sie ihren Peiniger, den Mann, der ihr Leben zerstört hatte. Jede Berührung von ihr war zögerlich, jeder Blick von Schmerz erfüllt. Sie sprach mit ihm, sie fütterte ihn, aber niemals hielt sie ihn lange in ihren Armen, niemals flüsterte sie ihm tröstende Worte zu, wenn er weinte. Er war der ewige Schatten eines Verbrechens, das sie nicht vergessen konnte.
Und dann kam der Tag, an dem sie sich in die Tiefe stürzte.
Er erinnerte sich an ihre Silhouette gegen den grauen Himmel, an den Wind, der an ihrem Gewand zerrte, an den stummen Moment, in dem sie fiel. Er erinnerte sich an den dumpfen Aufprall, an die Stille danach, die viel schrecklicher war als jedes Weinen, jedes Schreien. Er erinnerte sich an das Gefühl der völligen Verlorenheit, an die Kälte, die ihn von innen heraus zu zerfressen schien. Von diesem Tag an war er allein. Ein Geist, noch bevor er gestorben war.
Aber er war nicht lange allein geblieben. Cathbad hatte sich seiner angenommen. Er hatte ihm alles beigebracht, was er benötigt hatte, um sich als Römer auszugeben und die Besatzer zu unterwandern. Der Druide mit den stechenden Augen und der Stimme, die sich wie eine Schlange in seine Gedanken schlängelte. "Willst du nicht endlich sterben?" fragte er, und in diesem Moment fühlte es sich an, als hätte er es bereits getan. Cathbad hatte ihm die Möglichkeit gegeben. Rache zu üben. Der Preis dafür war sein Leben.
Ein Ruck an seinem Körper riss ihn zurück in die Gegenwart. Der Zug hatte die Hinrichtungsstätte erreicht. Die Soldaten packten ihn, zerrten ihn an den Schandpfahl. Die Seile schnitten in seine Haut, doch er leistete keinen Widerstand. Was hätte es auch gebracht? Dann kam der erste Peitschenhieb. Der Schmerz war ein Feuer, das durch seinen Körper zuckte. Noch ein Hieb. Und noch einer. Er verlor das Gefühl für Zeit, für Raum. Sein Körper wurde zu einer einzigen Wunde, seine Gedanken zu einem formlosen Strudel aus Schmerz und Dunkelheit. Die Stimmen um ihn herum verschwammen, wurden zu einem einzigen dumpfen Dröhnen. Sein Kopf sackte nach vorne, sein Bewusstsein flackerte.
Doch in diesem letzten Moment sah er sie. Seine Mutter. Ihr Gesicht war nicht mehr von Trauer gezeichnet. Sie strahlte, schöner, lebendiger, als er sie je zu Lebzeiten gesehen hatte. Ihr Lächeln war warm, voller Liebe. Eine Liebe, die sie ihm nie hatte geben können. Tränen brannten in seinen Augen, doch es war keine Qual mehr, sondern eine Erlösung. Sie streckte ihm die Hand entgegen, ihre Stimme war sanft, tröstend, wie er sie nie zuvor gehört hatte.
"Komm, mein Sohn."
Alun war zu Hause angekommen.
Als "Lucius Tarutius Corvus"
Falke
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03-03-2025, 02:57 PM,
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Chronist
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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
Rom hatte gesprochen, und die Sache war entschieden. Das Urteil wurde von den Soldaten so durchgeführt, wie es ergangen war.
Der Verurteilte wurde zur Hinrichtungsstätte geführt, die schon außerhalb der Stadtmauern lag. Dennoch folgte ihm viel schaulustiges Volk bis dorthin.
Man band ihn an den Pfahl und nun kam das Flagrum zum Einsatz, die mehrschwänzige Geißel mit Lederriemen, in die scharfe Eisenstücke eingeflochten waren. Diese Folter konnte auch schon den Tod herbeiführen, doch achtete man darauf, dass der Delinquent - der übrigens mehr eines Römers würdige Gefasstheit bewies als die große Anzahl blutgieriger Müßiggänger, die zusahen - nicht an den Folgen der Auspeitschung starb. Schließlich wartete noch der Henker mit dem Richtbeil, der ihm den Kopf abschlagen sollte.
Der anwesende Magistratsbeamte verlas noch einmal die Todesstrafe und gebot dann dem Henker, dem Gesetz Genüge zu tun: "Lege age!", nachdem der Verurteilte auf den Boden gestoßen wurde und mit dem Gesicht nach unten gleich einem Opfertier vor dem Vollstrecker lag.
Es blitzte die Klinge des Beils, der Schlag fiel, eine Frau kreischten. Der Carnifex war in seinem blutigen Handwerk erfahren, so dass er die Enthauptung mit einem einzigen Schlag gegen den Nacken vollzogen hatte.
Dann wurde der Tod des Verurteilten festgestellt und dass das Todesurteil vollstreckt worden war.
Doch nicht genug war der Tod in der hiesigen Welt: Der enthauptete Körper blieb liegen; auf ihn aber schon hatten einige Hexen ein Auge geworfen, denn mit Blut getränkte Tücher und auch Finger wurden für verbotenen Schadenszauber verkauft.
Der Kopf jedoch wurde aufgespießt und vor dem Stadttor aufgestellt als Warnung für jeden, der sich gegen Roms Gesetz vergehen wollte.
Kein Grab gab es für Alun und keine Grabbeilagen. Unbestattet blieb er zur Strafe, damit seine Seele keine Ruhe finden und er noch als Toter zur Abschreckung dienen würde.
Und so kam Alun, der Falke, der Druidenschüler, der Sohn einer geschändeten Priesterin, der sich als Lucius Tarutius Corvus ausgegeben hatte, im fernen Londinium zu Tode....
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03-03-2025, 03:26 PM,
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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
Saturninus zwang sich weiterhin, alles mitanzusehen. Er war ja der Ankläger gewesen, er fand es also nicht gerecht, sich jetzt nun der Konsequenzen dieser Anklage zu entziehen. Und vom ersten Peitschenhieb, der durch Fleisch schnitt bis zum Hieb des Beiles, der dem Leben seines ehemaligen Freundes ein Ende setzte, war all das blutige Konsequenz seines Handels. Er hatte Alun auf eigene Kosten nach Londinium geschleppt. Dann war der fleißige, freundliche Corvus nicht mehr, oder viel mehr: Er hatte ja nie existiert. Das war es, was Saturninus sich sagte, er hatte nie existiert. Doch zu sehen, wie das blühende Leben schwand, wie der Kopf fiel, das war bitter, und Saturninus fühlte, dass das, was der Henker einmal fortgenommen, nie wieder auf diese Welt zurückkommen konnte. Da konnte er sich noch so oft sagen: Dieser hier war ein Feind Roms!
Er fühlte sich, als hätte er selbst Hand angelegt und Alun erwürgt. So oft er die Augen schloss, stand ihm jenes Gesicht vor Augen.
Saturninus winkte seine vier Sklaven heran, besonders den Sidonius, der seinen Geldbeutel aufbewahrte.
"Ich brauche etwas zu Trinken", sagte er: " Am besten Wein und den am besten unvermischt!"
"Herr, hier so weit weg vom Stadtzentrum gibt es nur übelbeleumdete Spelunken", sagte Sidonius.
Saturninus lachte freudlos: "Eine üble Spelunke? Das ist mir gerade recht! Dann werden wir eben schlechten Wein trinken. Oder hast du was dagegen, Sidonius?"
Wenn Saturninus in dieser düsteren Stimmung war, gab es wenig, was man ihm entgegnen konnte; so sagte Sidonius, dass er nichts dagegen hätte....
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03-09-2025, 11:47 AM,
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Gwen
Forenmitglied

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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
Ich schob mich geschickt durch die Menge, die sich auf dem staubigen Weg zum Hinrichtungsplatz außerhalb der Stadt drängte, alle Augen auf den armen Kerl gerichtet, der bald seinen Kopf verlieren würde. Doch das war nicht mein Interesse. Ehrlich gesagt, interessierte mich der arme Tropf kaum. Vielmehr war die Gelegenheit, die sich inmitten dieses Spektakels bot, wesentlich interessanter. Es gab immer etwas zu holen, wenn die Blicke der Menschen auf das Blut und den Tod gerichtet waren.
Und da war es auch schon, mein nächstes Opfer! Ich hatte den Mann schon eine Weile im Blick, als er durch die Menge schritt, als wäre er der Mittelpunkt von allem. Was für ein Schnösel. Die teuren Kleider, der selbstgefällige Blick – er schien der Meinung zu sein, dass die Welt ihm gehörte. Und was hatte er da? Einen ganzen Haufen Sklaven um sich herum, die wie treue Hunde hinter ihm her wackelten, als wäre er der Kaiser höchstpersönlich. Aber ich wusste, wie man solche Männer behandelte. Sie waren wie offene Geldbeutel, die darauf warteten, geplündert zu werden.
Ich ließ die Szene vor mir – die blutige Hinrichtung, das Gestöhn der Leute, der Lärm – hinter mir und begleitete die Bewegung der Menge, um meinen Standpunkt zu wechseln. Ich hatte einen Blick für Gelegenheiten, und die Gelegenheit war hier, direkt vor mir.
Der reiche Schnösel war völlig in das Schauspiel vor ihm vertieft. Der Kopf des Verurteilten, der bald fallen würde, schien ihn mehr zu interessieren als das, was unter seiner eigenen Toga verborgen war. Doch stopp, nein! Reiche Säcke, wie er trugen ihren Geldbeutel nicht selbst! Diese Aufgabe stülpten sie einem ihrer Sklaven über. Beinahe hätte ich einen großen Fehler begangen. Also schaute ich mir die Sklaven genauer an, um herauszufinden, welcher von den Vieren der Richtige war. Das war aber keine große Schwierigkeit. Alles was dazu nötig war, war ein geübter Blick fürs Detail. Man musste den Vieren nur ins Gesicht sehen, um zu erkennen, auf welchem noch mehr Verantwortung lag. In diesem Fall war es der dunkelgelockte Sklave, der seinem Herrn am nächsten stand. Die anderen drei hatten mehr ihren Blick auf das Umfeld des Römers, dessen Eigentum sie waren. Dabei übersahen sie mich glatt. Offenbar war ich ihnen nicht gefährlich genug. Ein dummer Fehler!
Während der Geldsack in die Richtung starrte, in der der Mann zum Schandpfahl geführt wurde, wo er zunächst erst auspeitscht werden sollte, sah ich meine Chance. Die drei Wachhunde im Blick näherte ich mich dem gelockten Sklaven. Ich konnte fast den Geldbeutel unter seiner Paenula riechen. Da war er – ungeschützt, frech, so leicht zu greifen. Ich schob mich noch näher an ihn heran. Hier im Gedränge war das keine große Kunst. Der reiche Schnösel war immer noch so sehr in das Blutbad vor ihm vertieft, dass er keinerlei Aufmerksamkeit auf seine Umgebung richtete. Die Sklaven an seiner Seite schienen sich auch wenig um mich zu kümmern. Ich trat noch einen Schritt näher an den Sklaven heran, der den Geldbeutel trug, und mein Herz begann schneller zu schlagen. Mein kleines Messer lag schon in meiner Hand bereit. Dies war der Moment, in dem ich zuschlagen musste.
Mit einem flinken Griff glitt meine Hand unter die Paenula des Sklaven und fand sogleich den begehrten Beutel. Nur ein kleiner Schnitt durch das Leder und der Beutel landete in meiner Hand. Der Sklave ahnte nichts. Der Mann da vorne, dieser reiche Schnösel, noch weniger. Er hatte keine Ahnung, dass er soeben um einiges leichter geworden war. Ich trat einige Schritte zurück, verschmolz wieder mit der Menge und ließ die Leichtigkeit des Diebstahls in meinen Adern pulsieren. Keine Eile, keine Unruhe, das wäre nur allzu auffällig gewesen.
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03-09-2025, 05:13 PM,
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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
Die Angelegenheit war erledigt, und Saturninus Laune war auf einem Nullpunkt. Er beachtete die junge Frau nicht, die sich näherte; und selbst wenn er sie beachtet hätte, wäre sein Blick keinen Moment länger als nötig an ihr hängen geblieben. Großstadtplebs, und in diesem Fall, so rothaarig wie sie war, auch noch eine Keltin.
Der Furius steuerte vielmehr die nächstgelegenen Tabernae an. Die ersten beiden waren ihm noch zu ordentlich, die dritte aber war genau die Art von speckiger Spelunke, die er gesucht hatte. Sie hatte nicht einmal einen Namen. Die vier Sklaven mussten ihm folgen, obwohl ihnen anzusehen war, dass sie lieber ganz woanders gewsen wären als hier. Die Gäste waren je nach dem entweder gescheiterte Existenzen, die jeden, der reinkam, um eine Schale Wein anbettelten oder Halsabschneider.
Einer der Elendsgestalten näherte sich Saturninus und streckte die Hand aus. Der Patrizier stieß ihn so gegen die Brust, dass er zurücktaumelte und hinfiel.
Saturninus erwartete einen Protest, einen Gegenangriff, alles wäre ihm recht gewesen, denn er hatte Lust darauf, sich zu prügeln und sich damit selbst zu bestrafen. Aber der kam nicht. Der Bettler war schon durch die Umstände viel zu unterwürfig, als dass er gegen schlechte Behandlung aufbegehrt hätte.
Irgendwo musste die Wut hin: Saturninus fasste eines der Schankmädchen ins Auge. Irgendwann musste sie mit einem anderen Mädchen gestritten haben, denn ein Kratzer zog sich über ihr Gesicht, sie schielte leicht, und ihr Gesicht war grob. Dennoch hatte sie gewissen Erfolg bei Männern, die rustikale Schönheiten schätzten, denn unter ihrer kurzen Tunika war sie gut gebaut und sie quiekte jedesmal hell, wenn einer sie in den prallen Hintern kniff. Sie kam an ihren Tisch und nahm die Bestellung auf und Saturninus nahm wahr, dass sie nach Zwiebeln und frischem Schweiß roch.
Als er sich umdrehte, saß sie einem der Halsabschneider auf dem Schoß. Irgendetwas an der Frau reizte ihn. Sie hatte nichts Liebenswürdiges, nichts Schönes an sich. Sie war genauso wie er sich fühlte: Verdorben und dumpf. Er bekam Lust auf sie, und als sie später kam, um den Wein zu bringen, der genauso schlecht und sauer war, wie Saturninus sich gedacht hatte, fasste er ihr Handgelenk:
"Komm gleich zu mir"
Die Frau lächelte geschmeichelt. Saturninus war anzusehen, dass er zumindest wohlhabender war als alles andere, was sich in die Kneipe verirrte. Sie nickte und zeigte ihre Schenkel, was wohl kokett sein sollte.
Saturninus schnipste mit den Fingern, um Sidonius Aufmerksamkeit auf sich zu lenken:
"Geh, kauf mir ein paar Bordellmarken" Irgendein Kaiser hatte eingeführt, dass Münzen, die ihr Portrait zeigten, nicht für Prostituierte genutzt werden, sondern man für sexuelle Dienste eben Marken kaufen musste.
Sidonius riss die schwarzen Augen auf, aber schwieg, weil er zuvor schon von Saturninus angefahren worden war.
Wie ein geprügelter Hund ging er, nur um wenig später zerknirscht und bleich zurückzukommen:
"Dominus, der Geldbeutel ist weg"
"Wie, er ist weg?"
"Futsch, weg eben. Man muss mich während der Hinrichtung bestohlen haben"
"Du blöder Kerl!", all die schlechte Laune und Unbeherrschtheit von Saturninus konzentrierten sich auf Sidonius.
Der deckte seinen Kopf mit beiden Händen: "Bitte nicht, Herr...", flüsterte er.
Saturninus funkelte ihn an: "Wegen ein paar Sesterzen werde ich dich nicht in aller Öffentlichkeit verprügeln! Aber unachtsam warst du! Warte, bis wir nach Hause kommen!"
Der Wirt hatte ihn gehört, und rascher als man ihm zugetraut hätte, kam er hinter dem Tresen vor. In der Hand hielt er einen Knüppel:
"Was heißt, kein Geld mehr? Hier steht Wein vom besten. Zechprellerei kann ich nicht leiden, da machen wir kurzen Prozess..."
Prozess, dachte Saturninus und wieder dachte er an Corvus. Halsstarriger...Kelte. Und doch hatte er an etwas geglaubt, war vermutlich ein tausendmal besserer Mann als diese Kreaturen, die von der Pax Romana beschützt hier in dieser Taberna zugange waren.
"Kein Geld, ja. Mein Sklave hat sich in dieser so wunderbaren, ach so anständigen Stadt bestehlen lassen"
"Mein. Sklave. hat. sich. bestehlen. lassen", der Wirt ahmte den akzentuierten Ton von Saturninus nach:
"Geld her, Schnösel, oder ich rufe die Vigiles"
Saturninus sah rot und stürzte sich auf den Wirt, obwohl der einen Knüppel hatte. All seinen Zorn legte er in die ersten Faustschläge, aber natürlich prasselten auch Schläge auf ihn nieder, doch dann gelang es ihm, dem Knüppel habhaft zu werden und dem Wirt eine über den Schädel zu ziehen. Er brachte ihn nicht um, aber der Mann heulte auf und ging zu Boden.
"Er ist tot!"
"Der hat ihn erschlagen!"....
"Dominus, Dominus, lass uns verschwinden...", ein anderer Sklave packte Furius, der der Bedeutung seines Namens gerade Ehre machte, am Kragen und schleppte ihn förmlich nach draußen. Sie liefen davon wie die Hasen, durch mehrere Straßen, kamen vom Weg ab, fragten, fanden eine Hauptstraße und gelangten schließlich in die Nähe des Forums. Dort hielten sie an einem öffentlichen Brunnen an.
Saturninus feine Tunika war am Kragen zerrissen, seine Toga schmutzig und grau. Sein linkes Auge schwoll zu. Eine Beule hatte er auf der Stirn, er konnte sie deutlich tasten.
Er setzte sich und schloss einen Moment die Augen, duldete aber, dass Sidonius ihm das Gesicht säuberte.
"Wir können hier nicht bleiben, Herr. Sie werden hinter uns her sein", sagte Sidonius ängstlich.
"Wohin also?"
Sidonius deutete hinter sich. Direkt dort befand sich der Eingang eines großen Horreums, in das viele Leute ein und aus ginge, vor allen Dingen Damen, aber auch Herren:
"Wenn wir auf der anderen Seite einen Ausgang finden, sind wir fast wieder beim Haus der edlen Fabia Tertia", sagte der Sklave, dessen Orientierungssinn gut war.
"Lass uns das tun", Saturninus erhob sich. Jetzt begannen die Schmerzen; aber die Prügelei und die wilde Flucht hatten ihn so weit besänftigt, dass er nicht immer, wenn er die Augen schloss, Aluns abgeschlagenen Kopf auf einer Stange erblickte, der ihn höhnisch angrinste.
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