03-28-2025, 09:00 PM,
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RE: Arbeitszimmer des LAPP
Lucius Petilius Rufus schnaubte.
“Wie du selbst gesagt hast, nicht die Absicht, sondern das Ergebnis zählen. Und denkst du wirklich, dass es die Sache irgendwie besser macht, wenn die Druiden in diesem Kaff so gut vernetzt sind?“ sagte Rufus fest, als Furius Saturninus sich noch einmal versuchte, zu rechtfertigen für all die dinge, die in Iscalis schief liefen. “Und wenn ich nicht gerade mit wichtigeren Dingen beschäftigt wäre, würde ich die ganze, unglückbringende Stadt einebnen und über ihre Reste Salz streuen lassen, auf dass dort alles ausgemerzt sei, was auch immer dieses Unglück anzieht.“
Am liebsten wollte er den Lederball aus der Schachtel holen, aber das wäre ein Zeichen von Schwäche. “Aber zu ihrem Glück habe ich besseres zu tun.“ Von wilden Geschichten über Druiden wollte Rufus nichts hören. Nicht, weil er glaubte, dass es keine Druiden mehr gäbe. Die waren wie ein Geschwür, das immer wieder aufbrach, aber nie ganz heilte. Aber er hielt es für maßlos übertrieben und für einen Rechtfertigungsversuch für die Unfähigkeit der ganzen Stadtverwaltung und der Provinzaußenstelle und damit wie die meisten solcher Versuche für nur zur Hälfte glaubwürdig.
Schließlich knickte der Furier ein wenig ein und bat um einen weiteren Posten. Rufus war sehr versucht, das rundheraus abzulehnen, denn seit dieser Mann versucht hatte, ihm eine Keltin ins Bett zu legen, die das nicht einmal wollte und ihre Aufgabe nicht verstand, konnte er ihn nicht besonders gut leiden. Aber immerhin schuldete Furius Saturninus ihm dann etwas, und Rufus würde den Gefallen schon einzufordern wissen.
“Du hast Glück, dass Petilinius Pertax mit dir verschwägert ist“, sagte er und ging um seinen Tisch herum, um nun doch den verflixten Ball zu holen und in der Hand zu kneten. “
Und, dass ich noch jemanden brauche, der genau diese Art von zeitraubenden Ärgernissen abfängt und den gröbsten Unfug dabei herausfiltert, damit ich mich nicht damit befassen muss. Wenn also alles relevante von Iscalis nach hierher verbracht wurde und das alles ohne weitere Zwischenfälle vonstatten geht, kannst du dich mit den Aufgaben eines Procurator Civitatum vertraut machen. Dann kannst du dich fortan mit so vielen seltsamen Vorkommnissen in der ganzen Provinz befassen, wie deine Nerven zulassen, und meine werden geschont.“
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03-29-2025, 06:50 PM,
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RE: Arbeitszimmer des LAPP
Wer weiß, wie die Druiden im restlichen Britannien vernetzt sind, dachte Saturninus.
" Das Unglück manifestierte sich, stammte jedoch nicht aus Iscalis. Nero...", dieser Kaiser war unter die damnatio memoriae gefallen, weshalb Saturninus sich nicht um einen ehrenvollen Titel bemühte:
"... hat gefrevelt, als die Priesterinnen von Mona geschändet oder getötet wurden. Die Götter des Landes sind noch immer nicht versöhnt. Anstatt die Stadt aufzugeben und damit die subversiven Kräfte siegen zu lassen, wäre es mein Vorschlag, gerade dort ein großes Heiligtum zu Ehren des Divus Claudius und der Britannia zu errichten. Keltisches Hexenwerk vermag nichts gegen unsere römischen Götter", sprach Saturninus.
Da weder Kaiser Titus noch Petilius Rufus an der ersten Eroberung Monas beteiligt gewesen waren, war das eine Kritik an den Vorgängern, doch nicht an den jetzigen Machthabern. Aber ein Heiligtum würde Iscalis eine bedeutende Stellung einräumen und den Verlust der Zivilverwaltung kompensieren. Pilger waren ein wirtschaftlicher Faktor. Saturninus wusste nicht, ob der Statthalter seine Vorschläge gut hieß, doch er kämpfte durchaus um den Wohlstand der kleinen Civitas, die ihm zur Heimat geworden war. Es war immer noch seine Stadt; er war dort Honoratior, und Saturninus hielt denen, die ihm treu gewesen waren, die Treue.
Saturninus würde sie auch Lucius Petilius Rufus halten, der zwar seine angeheiratete Verwandtschaft mit Pertax und die vielen Merkwürdigkeiten, die die Provinzstädte zu verzapfen pflegten, vorschob, aber ihn doch zum Procurator Civitatum ernennen wollte. Obwohl er es hätte tun können, hatte er den Patrizier nicht gedemütigt und einfach als Privatmann nach Hause geschickt. Saturninus würde diese Großmut des LAPP nicht vergessen.
Seine dunklen Augen folgten dem kleinen Lederball, den der Statthalter nun in der Hand hielt und ihn knetete. Ob das angenehm war? Ob es zur Konzentration diente? Vielleicht würde er es irgendwann selbst ausprobieren:
"Ich danke Dir für diese Ehre, Legat Augusti", sprach er wesentlich gelöster als die letzten Tage, die ihm wie einer dieser Träume, in denen man lief und lief und nie ans Ziel kam, erschienen waren:
"Ich werde stante pede damit anfangen, mich in die Aufgabengebiete eines Procurator Civitatum einzuarbeiten"
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03-29-2025, 08:42 PM,
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RE: Arbeitszimmer des LAPP
Lucius Petilius Rufus hob leicht warnend einen Finger.
“Vorsichtig, Furius. Die Anzahl an Gefälligkeiten, die ich zu geben bereit bin, ist sehr streng limitiert und wurde heute schon überschritten.“
Natürlich versuchten sehr viele Menschen, für ihre Klienten, Freunde, Verwandten und sonstigen Anhängsel Gefälligkeiten bei ihm auszuhandeln. Aber Rufus war kein freund dieser elenden Vetternwirtschaft und hielt diese für eines der größten Probleme ihrer Zeit. Und insbesondere sollten Personen, die ihm schon etwas schuldeten, den Bogen nicht überspannen, insbesondere nicht, wenn er gerade ohnehin schon schlechte Laune hatte. Oder anders gesagt: Iscalis konnte sich glücklich schätzen, wenn er es in nächster Zeit nicht beachten würde.
Aber immerhin wollte Furius Saturninus sich dankbar zeigen für die Gefälligkeit, die ihm erwiesen worden war. “Erst der Umzug sämtlicher Unterlagen et cetera perge perge aus der Außenstelle hierher. Danach kannst du dich einarbeiten“, bremste Rufus dennoch, denn erst einmal musste das erste abgeschlossen sein. Diese Schwachstelle zu schließen hatte Vorrang.
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03-30-2025, 03:08 PM,
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RE: Arbeitszimmer des LAPP
Iscalis würde Saturninus dennoch ab und an erwähnen, auch wenn Petilius Rufus das Thema offensichtlich nicht mochte. Saturninus fand es kein Übel, für die Seinen zu sorgen, denn wem sonst konnte man besser vertrauen als den eigenen Leuten und Klienten?, Doch erschien es ihm kontraproduktiv, einen Rat nicht zu geben oder einen Vorwand nicht vorzubringen, nur weil man seinen Vorgesetzten fürchtete:
"Die hiesigen Götter zu versöhnen, meine ich nicht ausschließlich als Gefälligkeit", erwiderte er, und es war dem Furius anzumerken, dass es ihm mit allem, was das Göttliche betraf, sehr ernst war. Die Götter hatten beschlossen, Rom groß zu machen, sie konnten diese Gunst aber auch wieder entziehen, obgleich sie großmütig waren und ihrer großartigen Hauptstadt, dem Haupt der Welt, freundlich gesinnt gegenüber standen.
Saturninus nickte auf den ersten Auftrag hin, die Vorgänge seiner Behörde von Iscalis nach Londinium zu verlagern und verabschiedete sich dann sehr respektvoll, um die kostbare Zeit des Statthalters nicht länger in Anspruch zu nehmen. Was wichtig war, war auch gesagt worden.
Es war mehr, die Audienz war gimpflicher abgelaufen, als Saturninus am Morgen noch zu hoffen gewagt hatte. Auch das vergaß er nicht. In seinen neuwerwachten Elan mischte sich durchaus Erleichterung.
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