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Peristyl - der Säulenhof
03-28-2025, 04:17 PM,
Beitrag #31
RE: Peristyl - der Säulenhof
Catia dachte bei sich, dass es bestimmt nicht schön für Cassia gewesen war, von den eigenen Eltern als Sklavin verkauft zu werden. Und vielleicht malte sich deshalb die kleine Akrobatin eine sonnige und fröhliche Kindheit aus. Wie schlecht die Eltern auch gewesen waren, es blieben doch immer die Eltern. Catia beschloss für sich, nicht nachzufragen. Sollte Cassia mit ihren Träumen leben. Manchmal waren schöne Träume das einzige, was das Leben lebenswert machte.
Jetzt wurde es Zeit, vor das Haus zu treten und auf die Kutsche zu warten. Sie hatte Aidan gerufen, und dieser kam nicht. Eigentlich hatte sie gedacht, dass sie mit Cassia nun die Kinder suchte, doch da rief die Sklavin schon nach ihnen.
Erschreckt legte Catia einen Finger auf den Mund: "Darfst du so laut sein?", fragte sie: "Deine Herrin wollte sich doch hinlegen"

[Bild: Tiberius-und-Saturnina.jpg]

Aber Cassias Rufen war von Erfolg gekrönt. Ein schwarzer und ein schwärzlicher mit rotem Schimmer durchzogenen Haarschopf tauchten auf.
Beide Kinder sahen sich an und hielten sich fest an den Händen. Und dann sagte Saturnina laut und vernehmlich:
"Ich will lieber zu Tiberius ziehen. Ich will auch eine Keltin sein und immer Spaß haben! Pack meine und deine Sachen, Cassi, und wir verlassen auf der Stelle dieses Haus"
[Bild: 3_15_08_22_9_39_13.png]
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03-29-2025, 03:49 PM,
Beitrag #32
RE: Peristyl - der Säulenhof
Freimütig und doch mit einem wehmütigen Klang in ihrer Stimme, erinnerte sich Cassia daran, wie sie von ihren Eltern für Nutztiere an Nicander verkauft wurde. Zwei Ziegen für ihre Tochter. Und der Handel ward besiegelt. Zum Glück war Nicander kein strenger Herr. Er hatte sie nie geschlagen oder anderweitig bedroht. Und wenn man Cassia danach befragte, dann hatte sie ihren Herrn in der Zeit, in der sie an seiner Seite verweilt war, tatsächlich lieb gewonnen. Bei dem Gedanken an Nicander musste Cassia unwillkürlich hart schlucken und blinzelte hastig. Wie um den Tränenschleier vor ihren Augen zu verdrängen. Nein. Catia sollte nicht merken, dass sie die Nähe zu Nicander vermisste. Seine Stimme. Wie er sie sanft in den Armen gehalten hatte, wenn sie aus einem Albtraum empor schreckte. Wie er sie mit seinen Versen beruhigte und wie sie gemeinsam vor Tavernen und vor Publikum ihre Künste präsentiert hatten. Oh ja. All dies vermisste Cassia. Das genaue Gegenteil von Nicander.

“Hm. Vielleicht kannst du mich bald wieder besuchen kommen Catia? Oder ich frage meinen Dominus, ob ich Furia Saturnina begleiten kann, wenn die kleine Domina den jungen Herrn besuchen möchte.“ Ein Vorschlag, der Cassias Augen hell erstrahlen ließ. Ja. Denn Cassia mochte es eigentlich gar nicht ständig eingesperrt zu sein. Zwar durfte sie sich frei bewegen, was für eine Sklavin schon ein sehr großes Zugeständnis war. Und dennoch waren da immer hohe Mauern um sie herum, die sie an Ort und Stelle festhielten. Aber vielleicht gestattete es ihr Dominus, dass sie die kleine Domina begleiten durfte. “Wie soll ich denn sonst nach der kleinen Domina rufen? Ich kann doch nicht flüstern.“ Erklärte Cassia und blickte die Ältere etwas verständnislos an. Und so laut hatte sie nun auch nicht gerufen, oder? Nein. Selbst ihr Hündchen hatte nicht gejault, wie er es immer tat, wenn Cassia mal zu wild wurde.

Zum Glück kamen die beiden Kinder sogleich angelaufen. Und Cassia blickte besonders Furia Saturnina entgegen. Ja sie hatte ihre kleine Domina einfach lieb gewonnen. Und Furia Saturnina hatte offensichtlich ihren Halbbruder lieb gewonnen, so wie sich die beiden Kinder an den Händen hielten und immer näher kamen. “Kleine Domina. Das geht doch nicht. Du musst eine römische Dame werden. So wie deine Mama eine römische Dame ist.“ Erklärte Cassia und konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass sie sich Furia Saturnina tatsächlich in einem keltischen Rundhaus besser vorstellen konnte. Wie sie an einem hölzernen Tisch saß und neben ihr ihr Gemahl. “Hm. Wo möchtest du denn wohnen kleine Domina? Im Wald bei den Tieren, die dich auffressen? Und wovon sollen wir uns ernähren? Von wilden Beeren und Wurzeln? Oder kannst du etwa jagen?“ Grinste Cassia und stubbste ihrer kleinen Domina frech gegen das Stubsnäschen. Nein, nein. So etwas wäre niemals möglich. Eine Tatsache, die auch Cassia traurig stimmte.
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03-31-2025, 03:03 PM,
Beitrag #33
RE: Peristyl - der Säulenhof
"Ich würde mich freuen, wenn du mich einmal besuchen kommst, Cassia", sagte Catia freundlich, wurde aber verlegen, als Cassia ihre kleine Herrin fragte, ob sie im Wald schlafen und Tiere jagen wollte. Sie waren doch keine Barbaren, so wild ging es bei ihnen nicht zu. Sie schliefen in Betten, in einem hübschen Haus, das gerade umgebaut wurde, und sie hatten eine Menge nützlicher Tiere wie Hühner, die Eier legten und eine Milchkuh.
Sie sagte jedoch nichts, aber Aidan hielt natürlich den Mund nicht: "Nina kann mein Bett haben! Und von meinem Essen!", krähte er: "Die Mama und Rhea kochen sehr gut"
Saturnina schenkte ihrem Halbbruder natürlich daraufhin ein hinreißendes Lächeln. Dann biss sie ganz sachte in Cassias Finger, der auf ihrer Nase lag, aber das war nur Spaß, und sie lachte auch ihre Cassia an:
"Es wäre schön, wenn wir Tibi wenigstens besuchen könnten, dann könnte ich all das Wunderbare mit eigenen Augen sehen", sagte sie sehnsüchtig: " Cassi, frage Mutter doch, ob sie mich nach Cheddar fahren lässt"

Ach, sich zu sehnen, das kannte Catia nur zu gut. Sie konnte es der kleinen Patrizierin nachfühlen und hoffte auch, dass Cassia die Kleine einmal bringen würde. Dann würde sie Cassia schon zeigen, dass sie nicht im Wald hausten und sich von wildem Wurzelwerk ernährten.  Sie verabschiedete sich endgültig, nahm Aidan an der Hand und dann ging es hoch auf dem Pferdewagen mit Gadrianus zurück nach Cheddar.
[Bild: 3_15_08_22_9_39_13.png]
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