03-18-2025, 09:14 PM,
|
|
Louarn
Schlechter Druide, guter Krieger
   
|
Beiträge: 566
Themen: 12
Registriert seit: Dec 2022
|
|
RE: Niamhs Hütte
“Meine Mutter hieß Gwyneth. Meinen Vater kenne ich nicht“, meinte ich, als sie sagte, sie wisse nicht, wie ich weiter hieß. Aber ich hieß einfach nicht irgendwie weiter. Ich war einfach nur Louarn, ein vaterloses Kind, wie recht viele von uns. Die Legionäre hatten ja nicht nur die Priesterinnen auf Mona vergewaltigt, sondern in jedem Dort und bei jedem Stamm gab es Kinder wie mich. Catia war ja auch so ein Kind, auch wenn ihre Mutter vielleicht sogar freiwillig mitgemacht hatte. Die meisten Frauen hatten das aber nicht.
Aber ich verbannte die Gedanken ganz weit weg. Darüber sollten wir wirklich nicht jetzt sprechen. Und es war sowieso vergessen, als sie sagte, sie habe mich sehr lieb. Diese kleinen Worte ließen mich gleichzeitig verdammt gut fühlen, und auch verdammt schlecht. Ich wollte nicht, dass sie sich in mich verliebte, weil es sie unglücklich machen würde. Und gleichzeitig wollte ich es irgendwie doch, weil dann das hier nicht einfach nur bedeutungsloser Sex war, sondern…. Keine Ahnung. Etwas, das ich nicht haben durfte, aber manchmal doch vermisste. Etwas Wahres in diesem ganzen Meer an Unwahrheiten, in dem ich ständig zu ertrinken drohte. Und jetzt, da Cathbad tot war… Ich traute mich noch immer nicht, daran zu denken. Es gab immer noch sehr viel gefährliches daran. Aber zumindest die eine Gefahr, dass er derjenige sein könnte, der eine Frau tötete, nur weil ich sie liebte und sie mich, zumindest diese eine Gefahr gab es nicht mehr.
Ich schüttelte auch diesen Gedanken ein wenig ab und widmete mich den naheliegenderen Dingen. “Ich hab mit… mit Pally ausgemacht, dass ich die Hütte alle vier Tage haben kann. Und er macht bald eine größere Reise und hat mich gebeten, dass ich dann nach seinen Kindern sehe. Also wäre ich dann hier vielleicht jede Nacht, erst einmal. Also… falls du das möchtest, heißt das. Es wäre nicht fest oder so“, denn ich wollte sie auch nicht binden. Nicht, wo sie zu ihrem Vater gehen wollte. “Aber wenn du möchtest, könnten wir schauen, also, ob es uns gefällt.“
Man sollte nicht meinen, dass ich ernsthaft darüber nachgedacht hatte, Filid zu werden, so furchtbar, wie ich stammelte, wenn ich mich mit ihr unterhielt. Absolut furchtbar und hoffnungslos. Vielleicht war ich zu keiner einzigen Art des Druidentums geeignet.
Dann aber war sowieso erstmal wichtigeres als Reden an der Reihe, und nur zu gern ließ ich mich von ihr zu weiterer Zweisamkeit überreden. Und Grunde verbrachten wir so auch den Rest der Nacht, denn immer, wenn ich aufwachte, war ich entweder hungrig auf sie, oder sie hatte mich geweckt, weil sie hungrig auf mich war. Und wir hatten Zeit, eine warme, herunterbrennende Glut, ein warmes, weiches Fell, ein gut mit Heu und Stroh gestopftes Bett und einen gefüllten Schlauch mit Quellwasser. Mehr brauchte ich gar nicht, um mal sanft, mal wilder über sie herzufallen. Und bis auf ein klitzekleines Versehen, als sie mit dem Rücken zu mir seitlich vor mir lag und ich in der Dunkelheit einmal etwas schlecht zielte und so herausfand, wie sie zu einer sehr sicher verhütenden Praktik stand – wofür ich mich auch gleich entschuldigte und natürlich nur auf eine Art weitermachte, die ihr ebenso Freude bereitete wie mir – war es einfach eine wunderschöne, innige Nacht.
Und ich ertappte mich immer wieder dabei, aufzuwachen und sie einfach nur fest an mich zu ziehen, um ihren Geruch noch näher bei mir zu haben und ihre Wärme. Ich wollte sie nicht wieder loslassen.
Falke
|
|
03-20-2025, 12:37 PM,
|
|
Catia
Forenmitglied
  
|
Beiträge: 84
Themen: 3
Registriert seit: Nov 2024
|
|
RE: Niamhs Hütte
"Alle vier Tage! Und wenn Pally verreist, noch längere Zeit? Pally ist nett, oder?", Catia freute sich offensichtlich und gab Louarn gleich noch einen Kuss. Es war mit ihm so viel Freude bei allem, fand sie, und sogar als er sich beim Liebemachen ein wenig irrte und sie fürchterlich erschrak, musste sie hinterher doch über sich selbst lachen. Mit Louarn war Lachen immer da; Freude, die aus dem Vertrauen gespeist wurde, was sie ihm gegenüber empfand:
"Ich freue mich darauf, Louarn, Sohn der Gwyneth!", sagte sie einfach, ohne sich rar zu machen oder ihn hinzuhalten.
Später einmal würde allerdings ihr Vater entscheiden, mit wem er sie vermählte. Die Römer entschieden über ihre Töchter, wie sie wollten. Ach, sagte sich Catia, wenn es so weit ist, werde ich weitersehen.... sie lehnte sich zurück:
"Louarn, hast du dir schon einmal gewünscht, dass alles genauso bliebe wie es gerade ist?", fragte sie leise.
Danach schliefen sie ein - mit sehr vielen Pausen, in denen sie ihn oder er sie zärtlich weckte. Dennoch graute irgendwann der Morgen, und es war genauso schön wie Catia es sich vorgestellt hatte, in Louarns Armen aufzuwachen.
Sie machte sich ganz vorsichtig los, um ihn nicht aufzuwecken, huschte vor die Hütte, um ihr Wasser abzuschlagen, wusch sich dabei schnell beim Wasserzuber, kehrte zurück und packte ihren Korb aus.
Louarn schlief fest, oder zumindest tat er so, als ob er schliefe. Catia richtete die Pastetchen und Kuchen, die ihr Rhea mitgegeben hatte, auf einem Brett an.
Dann holte sie Louarns Wasserschlauch und baute alles auf der Bettkante auf.
Als sie mit ihren Frühstücksvorbereitungen fertig war, setzte sie sich so auf den Boden, dass sich ihr Gesicht nur etwas höher als Louarns Gesicht befand und sah ihn lange an, als wolle sie sich jede Einzelheit von ihm einprägen. Sein rotes Haar fiel ein wenig über sein Gesicht, sein muskulöser Arm lag über seinem Kopf, sein Atem ging gleichmäßig. Catia spürte, wie ihr Herz aufging. Ach, sie hatte ihn so lieb.
|
|
03-21-2025, 06:23 PM,
|
|
Louarn
Schlechter Druide, guter Krieger
   
|
Beiträge: 566
Themen: 12
Registriert seit: Dec 2022
|
|
RE: Niamhs Hütte
Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so tief geschlafen hatte, oder ob ich überhaupt jemals so tief geschlafen habe. Auf jeden Fall wachte ich von einzelnen Sonnenstrahlen auf, die durch die Ritzen und Öffnungen im Haus ein wenig von draußen hereindrangen. Im Halbschlaf stellte ich noch fest, dass mein Arm leer war und schreckte auf. Ich hatte nicht mitgekriegt, dass Catia gegangen war, und ein Gefühl der Leere breitete sich auf einmal da aus, wo eben noch ihre Wärme gewesen war.
Ich richtete mich mit klopfendem Herzen auf und wollte mich schon umsehen, als ich sie auch schon entdeckte. Sie hockte auf dem Boden und schaute gerade zu mir hoch, und ich schaute zu ihr runter und verdammt, ich war froh, dass sie noch da war.
“Hey“, sagte ich einfach nur mit etwas heißer klingenden Stimme. “Warum sitzt du auf dem Boden?“ Und warum hatte ich nicht bemerkt, dass sie aufgestanden war? Oder war sie aus dem Bett gefallen? Ich wollte schon nach ihr greifen und sie wieder zu mir ins Bett ziehen, nicht bereit, sie jetzt schon gehen zu lassen. Aber dann sah ich kleine Gebäckstücke zwischen uns, die ich beinahe runtergeschubbst oder mit meinem Gewicht zerquetscht hätte und verharrte mitten in der Bewegung, noch verwunderter als sowieso schon.
Falke
|
|
03-23-2025, 06:45 PM,
|
|
Catia
Forenmitglied
  
|
Beiträge: 84
Themen: 3
Registriert seit: Nov 2024
|
|
RE: Niamhs Hütte
Louarn wirkte so leicht verwirrt und verwundert. Er war gerade aufgewacht, und Catia spürte seine Wärme vom Schlaf und vom Bärenfell - ihres gemeinsamen Bärenfells. Sie konnte gar nicht anders, als sich vorzubeugen und Louarn einen Kuss zu geben:
" Ich wollte dich nur ein wenig ansehen, Louarn. Und dir Rheas Kuchen und Pastetchen geben. Ich muss nämlich jetzt wieder zurück", flüsterte Catia.
Aber sie war nicht halb so traurig darüber wie sie es normalerweise gewesen wäre. Denn vor ihr lag eine schöne Zeit voller Verheißungen: Jeden vierten Tag würde sie Louarn sehen und bei sich haben können und dann später sogar für einen ganzen Monat:
"Ich möchte besser nach Hause, bevor die Zwillinge munter werden. Du weißt schon, Ciarans Kinder, deine Neffen. Furiana Deirdre sagte mir, dass er jetzt Ciaran heißt und nicht Pally. Ruarí und Ronán sind sehr schlau für ihr Alter und wer weiß, was ihnen einfällt, wenn sie nicht pünktlich ihren Morgenbrei bekommen", in Catias Stimme lag Zuneigung, sie hatte die Kinder von Deirdre wirklich gerne.
|
|
03-24-2025, 05:14 PM,
|
|
Louarn
Schlechter Druide, guter Krieger
   
|
Beiträge: 566
Themen: 12
Registriert seit: Dec 2022
|
|
RE: Niamhs Hütte
Warum sie mir beim schlafen zuschauen wollte, musste ich nicht verstehen. Sie war wenigstens süß beim schlafen, aber ich sabberte sicherlich. Aber war auch egal, sie wollte gehen. Ich wollte aber, das sie blieb, also griff ich jetzt doch über die Pasteten und zog sie zu mir. Mir egal, ob das Gebäck deshalb runterfiel oder zerbröselt würde. Ich hatte da ganz klar meine Prioritäten. Und warme Frau war besser als Pasteten.
“Geh noch nicht“, brummelte ich, als ich sie an mich zog, auch wenn ich wusste, dass sie wohl musste. Aber ein paar Augenblicke zu stehlen konnte nicht falsch sein. Es fühlte sich zumindest nicht falsch an.
Aber sie wollte wohl wirklich gehen und redete von Ciarans Zwillingen. Und davon, dass Deirdre ihr gesagt hatte, dass Ciaran nicht Pally hieß. Ich lockerte meinen griff und sah sie zweifelnd an. “Ach hat sie das?“ murmelte ich mehr zu mir selber. Ich hoffte, dass Ciaran das an einem guten tag hörte. An einem schlechten… Louarn wollte nicht wissen, was Ciaran tun würde. Die Zwillinge waren beide sehr kurz angebunden, wenn es mögliche Gefahren in ihrem Umfeld gab, und bevorzugten dafür eher endgültige Lösungen. Aber ich wusste nicht, wie sehr Ciaran diese Deirdre eigentlich mochte – sofern er überhaupt jemanden mochte und man das irgendwie feststellen konnte. Allerdings hätte Catia keinen Schutz. “Vielleicht hat er das auch nur Deirdre so gesagt. Du solltest ihn besser Pally nennen. Alle im Dorf tun das, bis auf, naja, offenbar Deirdre.“ Ich konnte ihr nicht mehr sagen, ohne irgendwas zu verraten oder sie anzulügen, was ich beides nicht wollte. Also hoffte ich einfach, dass sie sich nicht bei Ciaran verplapperte. Ganz fest.
Widerwillig ließ ich sie also los, denn die Nacht war wohl vorbei und damit die Zeit, so zu tun als ob. Auch wenn mir dabei das Herz schwerer wurde, aber ich wusste, dass das hier alles nur gestohlene Zeit war.
Falke
|
|
03-25-2025, 03:36 PM,
|
|
Catia
Forenmitglied
  
|
Beiträge: 84
Themen: 3
Registriert seit: Nov 2024
|
|
RE: Niamhs Hütte
Louarn hatte es stets gut mit ihr, Catia, gemeint, und als er ihr nun sagte, dass Ciaran jetzt Pally genannt werden wollte, zog sie seine Worte nicht in Zweifel. Sie war nicht so, dass sie mutwillig ihren Kopf durchsetzen musste, nur um zu sehen, ob das gut ging. Es ging nämlich oft nicht gut, fand sie.
"Wenn dein Bruder Pally heißen will, so will ich ihn nur immer so nennen", sagte Catia:
"Ich soll ihm nämlich einmal die Woche seine Kinder vorbei bringen"
Sie flocht sich wieder ihre Zöpfe stramm und band sich ihre Schleifen fest. Dann beugte sie sich vor, küsste Louarn noch einmal und dann musste sie wirklich los.
Doch diesmal sagte sie nicht: Bis die Tage. Diesmal sagte sie: "Bis in vier Tagen, Louarn" und so weich, dass Louarn verstand, dass sie alle Tage zählen würde bis zu diesem Moment. Sie würde sich sehnen, doch nur ein bisschen, so das es schön war; nicht so wie Regat sich hatte sehnen müssen.
Für sie war nichts als-ob oder gar falsch. Louarn war das, was sie hatte. Sie hatte ihn lieb, und er machte sie glücklich, aber jeder von ihnen hatte sein eigenes Leben. Man machte sich selber viel zu unglücklich, wenn man jemanden oder etwas auf die Probe stellte oder es anders haben wollte, als es nun einmal war...
Draußen vor der Hütte sang Catia....
|
|
03-26-2025, 03:54 PM,
|
|
Louarn
Schlechter Druide, guter Krieger
   
|
Beiträge: 566
Themen: 12
Registriert seit: Dec 2022
|
|
RE: Niamhs Hütte
Dass sie mir versprach, Ciaran Pally zu nennen, beruhigte mich zumindest etwas. Ich nickte also und machte mich daran, aufzustehen. Aber trotzdem war sie noch schneller und ging dann auch schon, noch ehe ich auch nur meine Hose anhatte. “Bis in vier Tagen“, sagte auch ich mit einem flauen Gefühl im Magen. Vielleicht sollte ich doch was essen.
Sie ging, und kaum war sie draußen, hörte ich sie singen. Ich lauschte einen Moment und grinste leicht. Sie war nicht schlecht. Vielleicht nicht so, dass Leute anhalten und ihr zuhören würden, aber besser als eine Nebelkrähe in jedem Fall. Ich lächelte kurz, dann überlegte ich, wann ich zuletzt gesungen hatte? Das musste lange her sein. Bei Dunduvans Tod? Oder hatte ich danach noch einmal gesungen? Ich war mir nicht sicher. Auf der Reise nach Norden, vielleicht einmal, um die Frauen aufzumuntern. Aber so wirklich, einfach nur aus Freude am Singen… das war lange her. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich noch wusste, wie das geht.
Ein bisschen ernüchtert zog ich mich also an, aß etwas von den Sachen, die Catia mitgebracht hatte (nach der Betätigung heute Nacht hatte ich ein wenig Essen redlich verdient und nötig), räumte noch ein wenig auf und ging dann auch wieder zurück zu meinem Pferd und nach Iscalis, um Alan wieder zu helfen.
Falke
|
|
03-31-2025, 02:38 PM,
|
|
Catia
Forenmitglied
  
|
Beiträge: 84
Themen: 3
Registriert seit: Nov 2024
|
|
RE: Niamhs Hütte - Ruarí und Ronán
Ruarí und Ronán
Als die Zwillinge noch jünger gewesen waren, erschienen sie allen so gleich, dass Aidan ihnen den Namen " Ruanonan" verpasst hatte, als seien sie nur eine einzige Person. Aber mittlerweile waren sie doch zwei selbstständige Jungen geworden, und Catia konnte sie an Kleinigkeiten wie ihren Blicken, der Art, wie sich ihre Wirbel in ihren Haarschöpfen sträubten und ihre Vorlieben beim Essen, gut auseinander halten.
Furiana Deirdre hatte angeordnet, dass ihr Vater Pally sie einmal die Woche sehen wollte, und es oblag Catia, die beiden Kinder zu ihm in die Hütte zu bringen,in der sie mit Louarn auch mittlerweile so manche schöne Nacht verbracht hatte.
Catia trug einen Zwilling auf der Hüfte, hatte den anderen an der Hand und einen Beutel mit Windeltüchern und so mancherlei auf dem Rücken. So schob sie sich vorwärts bis zu ihrem Ziel. Mit einem Fuß, da sie die Hände voll hatte, klopfte sie an die Tür, und sie hatte nicht vergessen, dass Louarn ihr gesagt hatte, dass sie seinen Bruder nicht Ciaran, sondern Pally nennen sollte.
"Pally? Guten Morgen! Ich bin es nur, Catia. Ich bringe Dir Ruarí und Ronán", sagte sie ein wenig atemlos, denn die Jungen wurden auch immer schwerer.
|
|
04-01-2025, 01:21 PM,
|
|
Ciaran
Zwillingsfalke
  
|
Beiträge: 182
Themen: 4
Registriert seit: Apr 2023
|
|
RE: Niamhs Hütte
Ich hatte die Hütte lüften müssen. Es war nicht so, als ob der Geruch von Sex unangenehm war oder mich die Vorstellung störte, dass Menschen Sex hatten – denn sie alle hatten ihn entweder oder wollten ihn – aber es regte Teile von mir an, die ich lieber noch eine Weile schlafend wissen wollte. Ich hatte die Götter erst vor kurzem befriedigt, sie sollten sich eine Weile gedulden. Vielleicht bis Beltane, wenn die Funken des Feuers mir zeigen würden, wen die Götter gerne bei sich wüssten. Ich opferte üblicherweise zu den vier Mondfesten des Jahres, manchmal auch an denen der Sonne. Und manchmal verlangten die Götter es auch so. Aber man musste es ja nicht herausfordern, oder?
Heute würden meine Söhne kommen, weshalb einige meiner Sachen außerhalb der Reichweite dieser Hände waren, die meisten aber nicht. Sie waren schon so oft bei mir gewesen, dass sie inzwischen wussten, wie damit umzugehen war. Und sie brachten mir die Dinge, die sie besonders faszinierend fanden, was ich wiederum sehr faszinierend fand. Es war einfach frei von all diesen komplizierten, menschlichen Einschränkungen und moralischen Grenzen. Das war menschliches Verhalten, wie die Götter es erschaffen hatten: Ohne Einschränkungen und Hintergedanken. Und das war sehr erfrischend.
Als es an der Tür also klopfte, öffnete ich diese auch gleich und ging in die Hocke vor Ruari, der sich gleich in meine Umarmung stürzte. “PAPA!“Auch Ronan lehnte sich furchtlos nach vorne, so dass das kleine, zerbrechliche Vögelchen ihn nicht würde halten können. “PAPA!“ Ich fing ihn auf und umarmte ihn ebenso, während die kleinen Hände schon anfingen, alles an mir zu untersuchen. Ich ließ sie beide, auch wenn Ruari gerade eine besondere Faszination für meine Zähne hatte.
“Habt ihr etwas neues geträumt?“ fragte ich sie wie eigentlich immer, und sie fingen auch munter an, durcheinander zu sprechen in diesem ungeordneten Singsang, den sie neuerdings beherrschten. Ich trug sie rein und beachtete das Vögelchen gar nicht besonders, ehe ich mich im Schneidersitz hinsetzte und die beiden durch die Hütte toben ließ.
Als die beiden damit beschäftigt waren, aus Stroh vom Bett und Steinen etwas zu bauen, sah ich zu Louarns Vögelchen hinüber und musterte sie. Sie trug immer noch den verfluchten Zauber. Er strahlte um ihre Aura herum wie ein Schutzschild aus Elfenstaub. “Und, Vögelchen, träumst du?“ fragte ich sie, während ich das Gebilde bestaunte, das Ronan mir in die Hand drückte und ich versuchte, zu sehen, was dieses Kind darin sah.
Falke
|
|
|