01-05-2025, 07:29 PM,
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Nefertem
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Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
Die unzähligen, teils noch unbeglichenen Rechnungen, ließen Nefertem keine Ruhe. Ließen ihn aus seinem leichten Schlaf empor schrecken, wenn er in einem Albtraum gefangen zu sein schien. In seinem Albtraum konnte er eine finstere, gesichtslose Gestalt erkennen, die seine Klauenfinger nach der claudischen Villa ausstreckte. Seine junge Domina saß gefesselt an Händen und Füßen auf einem Stuhl, während man die claudische Villa verramschte. Sämtliches Mobiliar aus der Villa entfernte. Und zum Schluß die Sklaven veräußerte. So sah sich Nefertem auf einem Sklavenmarkt stehend, die Sonne brannte erbarmungslos auf ihn nieder. Doch wann immer der Sklavenhändler, der merkwürdigerweise die Augen des Furiers hatte und auch dessen Gebaren, auf der Plattform erschien, erwachte Nefertem mit hastig pochendem Herzen und schweißbedeckter Brust. Vor den übrigen Sklaven zeigte der Maiordomus ein gänzlich anderes Bild. Die Schulden seiner Domina gingen nur ihn etwas an, während die Münzen in der Truhe immer weniger wurden und Nefertem den Stapel an Rechnungen am liebsten ins Feuer geworfen hätte. Wie konnte seine junge Domina nur so leichtsinnig sein? So hatte er Claudia Sabina überhaupt nicht eingeschätzt. Mit einem dumpfen stöhnen rieb sich Nefertem seine Nasenwurzel, als sich stechende Kopfschmerzen anzukündigen begannen. Nein, nicht jetzt. Am heutigen Tag waren weitere Rechnungen auf seinem Schreibtisch gelandet. Rechnungen die Nefertem noch gar nicht geöffnet hatte, da er ohnehin nicht wusste, woher er die Münzen nehmen sollte, um die Schulden zu begleichen. Und dann waren auch noch Saturnalien. Jenes Fest, auf das sich die claudischen Sklaven bereits sehr freuten. Und da Claudia Sabina nicht zugegen war, übernahm Nefertem ihre Aufgabe und beschenkte die Sklavenschaft. Es waren kleine Geschenke, wahrlich sehr kleine Geschenke. Und doch freuten sich die Sklaven, was Nefertem an ihren glücklichen Gesichtern erkennen konnte. So war es nach kurzer Zeit wieder äußerst still in der claudischen Villa. Während Nefertem gedankenverloren durch die Gänge schritt, seine leicht bebenden Finger miteinander verschränkt hatte und seine Gedanken einfach nicht zur Ruhe kommen konnten.
Den übrigen Sklaven hatte er für den heutigen Tag freigegeben und auch Nefertem würde die Villa Claudia verlassen. Vielleicht würde es ihm gelingen sich einfach treiben zu lassen. An diesem Abend hatte Nefertem sogar jene Tunika angezogen, die er einst von Marcus Iulius Cato geschenkt bekam. Auch wenn er bereits mit dem Gedanken spielte, dieses Geschenk zu veräußern, um wenigstens etwas Münzen in die Haushaltskasse zu spülen. Düster die Gedanken des Lockenkopfs, der seine Schritte gedankenverloren durch die Gassen lenkte. Bis er schließlich im Handelsviertel angelangt war und zum ersten mal seine Umgebung wahrzunehmen begann. Von überall her konnte er fröhliches Jauchzen und zotige Sprüche hören und Nefertem wurde bewusst, dass ihm eigentlich nicht nach Feiern zu Mute war. Zu sehr belasteten ihn die Schulden seiner Domina. Wieso hatte ihn Domina Claudia Sabina nicht mitgenommen, dann hätte er ihrer Einkaufsflut einen Riegel vorschieben können. Auch wenn er wusste, dass sich seine Domina an die Anweisungen ihres Hausverwalters garantiert nicht halten würde. Wollte sie ihrem ungeborenen Kind etwa einen Schuldenberg überantworten? Bei dem Gedanken an das Ungeborene knirschte Nefertem mit den Zähnen und wandte sich im nächsten Moment zur Seite, als ein sichtlich betrunkener Zecher aus einer der Tabernae torkelte. Jene Taberna würde nun Nefertem betreten.
Schweiß, der Gestank nach Erbrochenem und anderen Körperflüssigkeiten drang an Nefertems Nase, so dass dieser nur noch flach zu atmen begann. Wie widerwärtig. Und doch würde er nun keinen Rückzieher machen, im Gegenteil. Der claudische Sklave suchte sich einen freien Tisch und ließ sich auf der Holzbank nieder. Als auch schon eine dralle Bedienung an seinen Tisch trat und einen Krug mit schäumendem Muslum vor ihn abstellte. Die Bedienung zwinkerte Nefertem zu, nahm die Münzen entgegen und verschwand mit einem gekonnten Hüftschwung. Während sich der claudische Sklave an den Krug klammerte und den Inhalt betrachtete. Melancholie im Blick. Und Wut im Herzen auf seine junge, unreife Domina.
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01-06-2025, 05:19 PM,
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RE: Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
Saturninus hatte sich von der feiernden Menge treiben lassen. Er hatte einige seiner Leute aus der Verwaltung getroffen, mit ihnen gewürfelt, ihnen Becher Wein ausgegeben und sich eine Weile amüsiert. Eigentlich wollte er aber Nivis besuchen. Heute war ein Tag, an dem man sich mit Freigelassenen und Sklaven recht ungezwungen treffen konnte und das wollte er nutzen, sie auszuführen.
Mit einem Becher Wein in der Hand lehnte er sich an die Wand. Das Zeug hier war wie Essig! Auch die Taberna kannte er, sie war ein verufener Ort, und hier ganz in der Nähe hatte er im letzten Sommer gemeinsam mit Kiki den gemeuchelten Centurio entdeckt - Accia Priscas Bruder. Soweit er wusste, hatte die Legio II Augusta den Mord an einem der ihren nicht aufklären können. Der Mörder war also immer noch in Freiheit. Irgendwie war Saturninus die Erinnerung unangenehm, und er wollte austrinken und verschwinden, als seine Aufmerksamkeit von einem Jungen angezogen wurde, der alleine da saß, als ginge ihn der Trubel nichts an. Er hatte Haut wie Bronze und dunkle weiche Locken und war schön, aber nicht wie ein strahlender Apoll, sondern von einer dunklen, erdigen Schönheit, als glühe er innerlich. Das war doch Catos oder viel mehr jetzt Claudia Sabinas junger Nubier (oder Aegypter?)
Einmal war die Claudia bei ihm gewesen, um seine Zeugenschaft für ihre Scheidung zu erbitten. Sie hatte damals den Jungen als Begleitung mitgenommen.
Jetzt war sie geschieden. Dieser Nefertem verstand sich vermutlich darauf, sowohl seinen Herren als auch seine Herrin zu befriedigen, so dass es Sabina im Bett bestimmt nicht langweilig wurde. Aber die vorlaute Domina des Schönen war nirgends zu erblicken, weshalb nun Saturninus auf Nefertem zuschlenderte:
"Ist hier noch ein Platz frei?", fragte er halblaut: "Ich kenne dich vom Sehen, habe jedoch deinen Namen nie erfahren. Du weißt vermutlich jedoch, wer ich bin. An einem Tag wie diesem sollte man nicht ganz alleine trinken"
Kurz ruhte sein Blick auf dem ebenmäßigen Gesicht des jungen Mannes, und er lächelte.
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01-06-2025, 05:40 PM,
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Nefertem
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RE: Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
Für einen kurzen Augenblick war Nefertem versucht, die Bedienung zurück zu rufen und ihr zu erklären, dass es ein Fehler war hierher zu kommen. Das es ein Fehler war die Münzen für diesen schaumigen Mulsum auszugeben. Und das er sich lieber wieder in die Villa Claudia zurück ziehen würde. Doch nichts dergleichen entwich den Lippen des jungen Aegypters. Dessen Blick auf dem schaumigen Inhalt des Bechers ruhte, welchen er nun vorsichtig zu sich heranzog und einen nicht minder vorsichtigen Schluck von dem Getränk nahm. Nach diesem Schluck folgte sogleich ein weiterer, eh‘ Nefertem den Becher mit Schwung auf den Tisch zurückstellte und bemerkte, dass sich seine Fingerknöchel weißlich durch seine hellbraune Haut abzeichneten. Sein Ärger ob dem kindischen Verhalten seiner Domina kehrte sogleich wieder und der Dunkelhaarige knurrte leise vor sich hin. Wieso nur? Wieso warf seine junge Domina die Münzen mit beiden Händen regelrecht aus dem Fenster, als hätte sie unzählige Kisten mit diesen wertvollen Münzen herumstehen. Nur das dem nicht so war. Definitiv nicht. Und wenn Claudia Sabina nicht bald damit aufhörte, dann schlitterte sie in eine Sackgasse, aus der sie sich selbst nicht würde befreien können. Und dann würde Nefertems schlimmster Albtraum doch noch Wirklichkeit. Bei diesem Gedanken spürte der Sklave wie sich eine Gänsehaut auf seinen Armen auszubreiten begann, so dass er seine Hände kurz über seine Oberarme gleiten ließ, um die Gänsehaut zu vertreiben. Wäre Claudia Sabina noch mit seinem einstigen Dominus verheiratet, würde Marcus Iulius Cato über das Vermögen seiner Domina verfügen und es wäre erst gar nicht zu diesem Desaster gekommen. Bei dem Gedanken an die unzähligen Rechnungen auf seinem Schreibtisch wurde Nefertem regelrecht schlecht, so dass er seine Lippen rasch zusammenpresste und flach durchatmete. Nein, er würde es hier garantiert nicht zu einem Eklat kommen lassen. Da würde er dann schon eher die Taberna verlassen und um eine der Häuserecken verschwinden. Aus dem Augenwinkel bemerkte Nefertem schließlich, wie sich die dralle Bedienung auffallend häufig in seine Richtung umdrehte und ihm kokett zuzwinkerte. Flirtete sie da etwa mit ihm? Nein, dies konnte Nefertem nun so gar nicht gebrauchen. Und so fokussierte er den Schaum im Inneren des Bechers, als könnte er durch diesen klarer sehen und wissen, wie er seiner jungen Domina helfen konnte.
Doch noch bevor Nefertem ein weiteres mal den Becher an seine Lippen führen konnte, war es eine ihm bekannte Stimme die ihn aus seinen trübsinnigen Grübeleien holte. Automatisch stellte er den Becher zurück auf den Tisch und richtete sich im selben Moment auf, um dem Furier direkt entgegen blicken zu können. “Dominus Furius Saturninus.“ Begrüßte Nefertem den Princeps Officii und bedeutete ihm unauffällig, dass an seinem Tisch noch Platz für ihn wäre. “Mein Name ist Nefertem Dominus. Ich bin Maiordomus der Villa Claudia und im Besitz der jungen Claudia Sabina.“ Stellte sich der junge Maiordomus mit seiner angenehm weichen Stimme vor, wagte es jedoch nicht dem Römer direkt entgegen zu blicken. Auch wenn er um dessen intensiven Blick wusste. “Dieser Tag soll ein Tag der Freude für einen jeden sein. Egal ob Unfreier oder Patrizier. Doch nicht jeder ist an diesem Tag glücklich.“ Sprach Nefertem mit melancholischer Stimme und lächelte dabei düster.
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01-07-2025, 02:51 PM,
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RE: Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
Heute war ein Tag, der unter allen Leuten ungezwungen war. Nefertem hatte zwar die Frage nicht beantwortet, ob der Platz noch frei wäre. Saturninus nahm jedoch einfach Platz und lächelte geschmeichelt, dass sich der Maiordomus natürlich seiner entsann:
"Was trinkst du? Bier? Möchtest du gerne noch eines oder lieber etwas anderes trinken?", er schüttelte sich leicht: "Ich bleibe beim Wein. Ich hoffe, die junge Claudia Sabina...", er betonte "junge", weil er das witzig fand: Nefertem hatte Recht, seine Herrin war ein Gör und noch nicht trocken hinter den Ohren:
"...befindet sich wohlauf. Ist sie denn auch heute hier?" Saturninus hatte keine Lust, ihr über den Weg zu laufen. Es reichte schon, wenn sie ihre Cousine Serena besuchen kam, aber tatsächlich war sie seit längerer Zeit nicht mehr in der Villa Furia gewesen.
Nefertem schaute wiederum düster drein. Saturninus winkte dem Schankmädchen ( es war nicht das, das durch den Tod des Centurios eine gewisse Berühmtheit- Berüchtigkeit erlangt hatte, sondern eine Neue) und ließ sich von ihr ein Stück runden Kuchen bringen. Den schob er zu Nefertem zum Trösten hin und lächelte:
"Was ist dir geschehen, damit du an einem Tag wie heute unglücklich bist?"
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01-07-2025, 08:51 PM,
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Nefertem
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RE: Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
Hatte der Furier die kaum wahrnehmbare Handbewegung des Sklaven etwa nicht wahrgenommen, der ihm dadurch zu verstehen gegeben hatte, dass an seinem Tisch noch ein Platz frei wäre? Offensichtlich nicht. Und dennoch ließ sich der Dunkelhaarige an seinem Tisch nieder, also hatte er seinen Wink doch bemerkt. Vielleicht. Wer wusste dies schon so genau. Und Nefertem würde garantiert nicht darauf herumreiten. Stattdessen bemerkte er das Lächeln des Furiers und warf diesem einen kurzen, interessierten Blick entgegen. “Ich habe mir Mulsum bestellt Dominus.“ Für etwas kostspieligeres reichten die wenigen Münzen einfach nicht aus. Und so schüttelte Nefertem seinen Kopf, als der Furier ihn fragte, ob er etwas anderes zu trinken wünschte. Bier etwa oder sogar Wein. Das der Dunkelhaarige beim Wein blieb, hätte sich Nefertem eigentlich denken können. Die Römer schütteten dieses Getränk wie Wasser in sich hinein, und manchmal verdünnten sie dieses Gesöff erst gar nicht. Etwas was für Unverständnis bei Nefertem sorgte, er sich dies jedoch nicht anmerken ließ. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Worte des Furiers und blickte für einen kurzen Augenblick sorgenvoll drein, als sich das Gespräch um seine Domina zu drehen begann. “Domina Claudia Sabina befindet sich gegenwärtig in Londinium.“ Und gibt dort ihr Geld mit beiden Händen aus. Doch jene Gedanken behielt Nefertem für sich, stattdessen versuchte er sich an einem Lächeln, welches jedoch äußerst verwackelt auf seinen Lippen erschien.
Nachdenklich der Glanz in den Augen des Aegypters, dessen Blick auf dem Schaum im Becher ruhte. So bemerkte er nicht, wie der Furier eines der Schankmädchen an den Tisch beorderte und jenem die Order auftrug, einen runden Kuchen an ihren Tisch zu bringen. Das Schankmädchen zwinkerte kokett und setzte die ihr aufgetragene Bestellung sogleich in die Tat um. Schon stand nach wenigen Augenblicken ein süß duftender Kuchen auf dem Tisch. Bei dessen Duft selbst Nefertem nicht länger abwesend sein konnte. “Ich mache mir Sorgen um meine Domina. Domina Claudia Sabina gibt dort zu viel Geld aus.“ Jene letzten Worte sprach Nefertem jedoch mit äußerst leiser Stimme und begann gedankenverloren ein Stück des Kuchens zu zerbröseln. “Es flattern immer wieder Rechnungen auf meinen Schreibtisch. Und die Vorräte an Münzen sind bald erschöpft. Am liebsten würde ich selbst nach Londinium reisen, um meiner Domina zu verstehen geben, was ihr Verhalten für Auswirkungen hat. Aber ich kann die Villa und die übrigen Sklaven auch nicht alleine lassen. Es ist nicht gerade einfach ..für mich.“ Endete Nefertem mit betrübter Miene, während er seine Finger an dem Tuch abwischte, dass sich auf dem Tisch befand.
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01-10-2025, 03:34 PM,
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RE: Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
Saturninus schaute überrascht auf. Claudia Sabina war also in Londinium. Diese Tatsache war ihm entgangen, und er fragte sich sogleich, ob sie die hochgestellte Dame war, mit der Kiki - seine Kiki - verreist war. Kiki, diskret wie sie war, hatte ihm den Namen nicht nennen wollen. Saturninus jedoch, der gedacht hatte, bei Kiki eine besondere Stellung zu haben und nicht irgendein x- beliebiger Gönner zu sein, hatte diese Verschwiegenheit gekränkt. Nur weil ihm andere Angelegenheiten dazwischen gekommen waren, hatte er nicht weiter an Kiki gedacht. Nun stand sie ihm leibhaft vor Augen, und ja, er wollte sie gerne wieder haben. Zumindest ab und an.
"Noch ein Becher Mulsum also für dich, junger Freund", bemerkte Saturninus, aber es war gar nicht nötig, denn Nefertem schüttete ihm weiter sein Herz aus.
“Ich mache mir Sorgen um meine Domina. Domina Claudia Sabina gibt dort zu viel Geld aus.“ Jene letzten Worte sprach der junge Claudiersklave jedoch mit äußerst leiser Stimme und begann gedankenverloren ein Stück des Kuchens zu zerbröseln. “Es flattern immer wieder Rechnungen auf meinen Schreibtisch. Und die Vorräte an Münzen sind bald erschöpft. Am liebsten würde ich selbst nach Londinium reisen, um meiner Domina zu verstehen geben, was ihr Verhalten für Auswirkungen hat. Aber ich kann die Villa und die übrigen Sklaven auch nicht alleine lassen. Es ist nicht gerade einfach ..für mich.“
" Ich verstehe!", sprach Saturninus und wies das Schankmädchen an, einen Becher Mulsum vor Nefertem hinzustellen. Dann fasste er über den Tisch und legte eine Hand auf die Schulter des Jünglings. Unter der Tunika meinte er sie seidigweiche Haut zu spüren, und sein Mund wurde trocken:
" Vermutlich hat sich deine Herrin bei ihren Ausgaben von jemandem beeinflussen lassen. Ich nehme an, es war die Hetäre Kiki, die eine Meisterin daran ist, ganze Vermögen zu verschleudern! Was soll eine brave Matrone ihr da schon entgegensetzen!"
Saturninus lächelte liebenswürdig:
"Wundere dich nicht, dass ich das weiß, Nefertem" Es war ein Schuss ins Blaue, denn der Furius wusste gar nichts. Er zählte nur Zwei und Zwei zusammen. Soviele hochgestellte Damen aus Iscalis, die nach Londinium gereist waren, gab es ja auch nicht, die hiesigen Adligen, die sich eine teure Begleitung wie Kiki leisten konnten, konnte man an einer Hand abzählen:
"Zwischen mich und Kiki passt kein Blatt Papyrus. Sie vertraut mir alles an, da ich ihr Sponsor bin und sie an mich vertraglich gebunden ist. Aber die kleine Auszeit gönnte ich ihr natürlich!"
Kiki, du Aas, dachte er.
Er behielt seine Hand, wo sie war:
"Claudia Sabina ist eine Verwandte meiner Gattin. Natürlich würde ich ihr mit einem Kredit helfen, wo ich nur kann. Brauchst du denn Geld,um deinen Haushalt zu unterhalten, Nefertem, so sage mir bitte Bescheid", sprach er, beugte sich vor und maß den unvorsichtigen, jungen Sklaven mit einem langen Blick.
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01-10-2025, 06:57 PM,
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Nefertem
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RE: Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
Für einen kurzen Augenblick hatte Nefertem das Gefühl als hätte er etwas gesagt, was er lieber für sich behalten hätte. Doch das schaumige Getränk lockerte offensichtlich seine Zunge und so fokussierte Nefertem den Krug mit einem kurzzeitig gar vorwurfsvollen Blick. Bevor er sich schließlich von der Betrachtung des Bechers losreißen konnte, und im selben Moment die Worte des Furiers vernahm. Dieser offerierte ihm nämlich einen weiteren Becher des Getränks, so dass Nefertem gar nicht schnell genug -nein- sagen konnte, denn da stand ein weiterer Krug vor ihm. Obwohl er den ersten Krug noch nicht einmal zur Gänze geleert hatte. Und dann sprudelte es auch schon über Nefertems Lippen. Die Tatsache, dass seine Domina in Londinium verweilte und weiter die Tatsache, dass sie die Münzen mit beiden Händen aus dem Fenster warf. Und dies nicht nur im sprichwörtlichen Sinn. Denn die Rechnungen auf dem Schreibtisch des Maiordomus waren ein deutliches Signal dessen, was Claudia Sabina in Londinium trieb. Unwillkürlich ballte Nefertem seine schmalen Finger zur Faust und presste seine Lippen zu einem blutleeren Strich zusammen. Fehlte nur noch das die Ader an seiner Schläfe bedrohlich anzuschwellen begann. Doch dies blieb zum Glück aus. Jedoch war es an seiner angespannten Körperhaltung deutlich abzulesen wie es um ihn stand. Tatsächlich hatte Nefertem begonnen das Stück Kuchen gedankenverloren zu zerbröseln, als ihn die Stimme des Furiers aus seinen düsteren Grübeleien hervorholte und der junge Aegypter dabei zusammenzuckte. Entschuldigend sein Blick, welcher in Richtung des Römers wanderte. Denn genau in diesem Moment war es seine Hand die sich in Richtung des claudischen Sklaven ausstreckte und schließlich auf Nefertems Schulter zum liegen kam. Ganz ruhig hielt der claudische Sklave und schielte dennoch aus dem Augenwinkel gen den Römer. Was hatte dieser nur vor? Hastig sein pochendes Herz, welches Nefertem gar bis zum Hals schlug.
“Ich erlaube mir kein Urteil über meine Domina zu fällen, da ich es nicht weiß. Ich möchte niemanden fälschlich verurteilen. Ich bekomme es jedoch mit der Angst zu tun, wenn ich wieder eine Papyrusrolle auf meinem Schreibtisch erblicke, die eine Mahnung enthält. Was ist, wenn die Gläubiger meiner Domina unruhig werden und es irgendwann nicht mehr nur Briefe sind, die an meine Domina gerichtet sind? Ich habe Angst.“ Tatsächlich konnte man wahrlich Angst auf den beunruhigten Gesichtszügen des Sklaven erkennen, dem doch ansonsten kaum etwas Angst machen konnte. Es sei denn es ging um seine junge Domina, denn tatsächlich war es Claudia Sabina die von Nefertem wie eine Heilige, gar Göttin verehrt wurde. Das der Furier gar so abfällig über seine Domina sprach, ließ Nefertem eine Augenbraue abrupt in die Höhe ziehen und seinen Blick dann doch anheben, der kurzzeitig mit dem des Römers kollidierte. “Wenn Kiki meine Domina begleitet, dann stiftet Kiki meine Domina eventuell dazu an, so viel Geld auszugeben? Meine Domina würde niemals ihre wertvollen Münzen mit beiden Händen ausgeben. So kenne ich meine Domina einfach nicht.“ Murmelte Nefertem mit einem mal mit erschöpfter Stimme und strich sich über das Gesicht mit beiden Händen. Offensichtlich nagte es sehr an dem jungen Sklaven, dass er seiner Domina nicht helfen konnte, weil er nicht an ihrer Seite war. Sondern diese K i k i. Erst jetzt schien Nefertem die Hand des Furiers zu bemerken, die noch immer auf seiner Schulter ruhte und dort sachten Druck auszuüben begann. Zumindest kam es dem aegyptischen Sklaven so vor. Denn als sich der Furier näher beugte und ihn regelrecht in Grund und Boden starrte, wich Nefertem leicht zurück und biss sich auf seine Unterlippe. “Ich habe Angst das mir die Rechnungen über den Kopf wachsen Dominus. Ich möchte nicht dass jemand schlecht über meine Domina oder die Villa Claudia spricht.“ Tatsächlich schwang nun so etwas wie Verzweiflung in Nefertems Stimme mit, auch wenn er dies nicht zugeben würde.
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01-12-2025, 03:55 PM,
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RE: Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
Mit innerer Belustigung hörte sich Saturninus an, wie sich der Claudia noch jugendlicher Maiordomus um Kopf und Kragen redete. Er beteuerte zwar, seine Herrin nie kritisieren zu wollen, aber das tat er gerade. Hach, was war das schön!
Der Furius verstellte sich und behielt seine mitfühlende Miene bei. Seine Hand wanderte von Nefertems Schulter zu dessen Wange, und er tätschelte sie:
" Mit den Kikis dieser Welt braucht es schon männlichen Verstand, um ihrer Herr zu werden", sprach er:
"Eine zwar kluge, aber dennoch sehr behütet aufgewachsene Dame wie Claudia Sabina ist dem entschieden nicht gewachsen. Es ehrt dich sehr, dass du nicht möchtest, dass dein Haus ins Gerede kommst.
Weißt du was, mein lieber Nefertem. Ich werde dir aushelfen. Wie viel brauchst du?"
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01-12-2025, 11:36 PM,
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Nefertem
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RE: Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
Wie angewurzelt und zugleich wie auf Kohlen verharrte Nefertem auf dem Stuhl in der Taberna und bemerkte wie seine Gedanken in einem wilden Karussell durch seinen Kopf geisterten. Was hatte er da gerade gesagt? Verlegen der Glanz in den Augen des Sklaven, dessen Herz ihm auf einmal bis zum Hals pochte und er sich an einen völlig anderen Ort wünschte. Um der Götter Willen. Niemals würde er schlecht über seine Domina reden. Und genau dies hatte er doch getan. Er hatte seine Domina in Misskredit gebracht. Und dies ausgerechnet vor der Person, mit der sich seine Domina nicht verstand oder war es umgekehrt? Als er die tätschelnde Berührung des Furiers an seiner Wange spürte, errötete Nefertem sichtlich und senkte unwillkürlich seinen Kopf. Diese Berührung hatte sich irgendwie angefühlt, als hätte der Römer soeben einem Hund den Kopf getätschelt. Definitiv nichts Liebenswürdiges. Aber wieso sollte ihm der Furier auch dieses Gefühl vermitteln wollen? Urplötzlich ließ der Furier dann die Bombe platzen und überraschte den claudischen Sklaven mit seinem Angebot. So dass Nefertem die Ohren klingelten und er mit großen Augen gen den Römer starrte. Unfähig einen geraden, vollständigen Satz über seine Lippen dringen zu lassen. “N..Nein Dominus. Das kann ich nicht annehmen. Ich... möchte das alleine schaffen. Auch wenn ich hierfür mein letztes Hemd geben müsste.“ Antwortete Nefertem mit hastig pochendem Herzschlag auf das Angebot des Römers und schluckte dennoch vernehmlich. Nein. Er konnte sich kein Geld von dem Furier ausleihen. Wenn dies seine Domina mitbekommen würde… Bekam Claudia Sabina aber nicht, da diese mit Kiki in Londinium verweilte. Und es Domina Sabinas alleinige schuld war, dass sich die Rechnungen auf Nefertems Schreibtisch stapelten. Unwillkürlich ballte der Sklave seine schmalen Finger zu Fäusten, die er auf der Tischplatte abgelegt hatte und warf dem Furier einen vorsichtigen Blick entgegen. Konnte er ihm und seinen Worten glauben schenken? “Ich fühle mich schlecht, wenn ich dein Angebot annehme Dominus.“ Gab Nefertem mit seiner samtigen Stimme, die von einem erschöpften Klang gekennzeichnet war, zu. “Ich kann dir die Rechnungen nicht zeigen. Aber wenn du möchtest, dann kann ich dir die Summe genau aufschreiben und werde am morgigen Tag zur Villa Furia kommen?“ Fragend der Ausdruck auf dem Gesicht Nefertems, als er kurzzeitig seinen Kopf mit den geröteten Wangen doch anhob und gen des Furiers blickte. Diesem direkt entgegen sah, auch wenn sich dies für einen Sklaven eigentlich nicht ziemte.
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01-15-2025, 04:37 PM,
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RE: Taberna "Vinum et Panis" | „non semper, Saturnalia erunt. “
"Du wirst die Kosten eines patrizischen Haushaltes nicht alleine stemmen können, junger Mann", erwiderte Saturninus bestimmt:
"Und mache dir keine Sorgen, dass du mir etwas verraten hast. Die Claudier und wir Furier sind Verwandte, wir werden das unter uns regeln. Deine Herrin wird deine Weitsicht eher loben!",
Saturninus strich dem Sklaven noch einmal über den Kopf, dann ließ er die Hände bei sich und stützte seinen eigenen Kopf auf:
"Ich vertraue dir, dass du mir eine angemessene Summe nennst", sprach er, als der junge Maiordomus sagte, das würde er tun und morgen wolle er zur Villa Furia kommen. Dieses Vorgehen hätte Saturninus jedoch nicht in den Kram gepasst. Die Gefahr, dass er Serena, die ihn als Leibsklaven ihrer Cousine natürlich kannte, in die Arme lief und auch ihr erzählte, was mit Sabina war, war zu hoch. Bestimmt hätte Serena darauf bestanden, persönlich das Geld vorzustrecken.
"Komm nicht zur Villa Furia! Das wäre zu auffällig. Die Transaktion soll ja so diskret wie möglich verlaufen"
Saturninus überlegte. Sein neuer Freund Taurus fiel ihm ein, aber da dieser attraktiven Jünglingen mehr als nur zugeneigt war, bestand die Gefahr, dass dieser schneller am Mann war als womöglich er selbst. Nivis kam gar nicht in Frage, und Deirdre wohnte zu weit draußen. In die Villa Claudia selbst wollte Saturninus nicht kommen. Die war Domäne eines anderen Pater Familias, eines zumal, dem der Furius großen Respekt entgegen brachte, so viel, dass er sich dort nicht ungezwungen gefühlt hätte. Saturninus hatte eine andere Idee:
" Kennst du das Haus des Roten Mondes? Der Eigentümer, Narcissus ist vertrauenswürdig und verschwiegen. Wir können uns dort treffen. Der Ianitor heißt Egon, er wird dich zu mir führen, wenn ich dich Narcissus angekündigt habe. Passt Dir die zehnte Stunde?"
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