Saturninus schenkte Frowin einen scharfen Blick. Auch wenn er ihn als Freund betrachtete, war er doch immer noch sein Freigelassener, und es ging nicht an, dass er sich allzu freimütig über seine
Patrona äußerte.
Die Frage Frowins hing jedoch noch wie ein ungeladener Gast in der Luft: Ob es Ärger geben würde mit Serena?
Saturninus spürte ein mattes, fast mitleidiges Lächeln auf seinen Lippen, das er jedoch nicht nach außen dringen ließ.
Er schüttelte kaum merklich den Kopf. Nein, es würde weder Geschrei, noch zerbrochenes Glas oder Verwünschungen geben. Furia Serena würde sich niemals dazu herablassen, die Beherrschung zu verlieren. Das wäre viel zu plump und zu gewöhnlich für seine Ehefrau gewesen.
Es war etwas anders. Es gab eine
Kälte, die einem den Atem raubte, noch ehe sie überhaupt eingesetzt hatte. Saturninus kannte diese Kälte besser als jeder andere. Er war in ihr aufgewachsen, hatte sie eingeatmet wie den klammen Frühnnebel, der im Herbst vom Tiber aufstieg. Sie war ein System aus eisigem Ignorieren, aus einer Höflichkeit, die schärfer schnitt als jedes Gladius.
Man konnte Victors Anwesenheit im Peristyl mit einer vollendeten, fast zärtlichen Gleichgültigkeit dulden. Wenn der Junge sprach, konnte eine winzige, kaum wahrnehmbare Pause entstehen, bevor das Gespräch der Erwachsenen einfach fortgeführt wurde, als hätte sich nur der Wind in den Säulen verfangen. Es war ein Verrat ohne Worte, ein langsames, subtiles Ersticken der Seele, gegen das man sich nicht wehren konnte. Man konnte niemanden für ein Ausbleiben eines Lächelns anklagen. Man konnte niemanden dafür hassen, dass er die Hand wegzog, noch ehe sie den Stoff der Toga berührte.
Saturninus dachte an seine eigene Kindheit. Diese Kälte hinterließ keine blauen Flecken, aber sie fror das Herz ein, bis es hart und gefühllos wurde. Und er war immerhin der
Erbsohn der Furier gewesen.
"Furia Serena ist eine edle Dame, und sie wird den Jungen so behandeln, wie es ihm zusteht", antwortete Saturninus eine Spur kühler als vorhin, eine Spur nur:
"Es wird keinen ...Ärger geben, wie du es ausdrückst. Ich hoffe, dass Du Recht behälst damit, dass Victor schlau genug ist. Und damit meine ich nicht nur das Bücherwissen, obwohl er die beste Erziehung erhalten soll, die Iscalis zu bieten hat"
Sie entspannten dann mit Gerede über die Pferde, und Frowin zeigte an Perikles, welch ausgezeichneter Lehrer er war.
Dann kehrte Victor mit Conor Huckepack zurück. Conor war klitschnass und lachte sich kaputt, und beide Jungen behaupteten, dass Frowins Sohn in den Bach gefallen wäre. Sein Vater schien das schon zu kennen, er nahm Victor den Kleinen nämlich ab, um ihn ins Bad bringen und dann Senia Bescheid zu sagen, damit sie das Abendessen richtete.
"Victor ist so freundlich mit fast allen, obwohl er im Fall von Carus seine Gutmütigkeit eher verschwendet", bemerkte Saturninus:
"Mit seiner Schwester streitet er dagegen wie ein Brunnenputzer. Ich bekomme den Anlass nicht mit, und so weiß ich nicht, wer Recht hat, aber Saturnina ist das Mädchen, und sie muss lernen, sich zu fügen"
(10-17-2026, 11:35 PM)Furianus Frowin schrieb: Schon waren sie wieder zu zweit. Vater und Sohn. Victor richtete sich rasch wieder auf und wirkte ebenso würdevoll wie zuvor, wenn auch etwas nasser.
„Hat Frowin dir von seinem letzten Rennen erzählt?“, fragte er neugierig und betrachtete die Himmelsdrachen interessiert. „Die sind aber toll! Oh, ist der Wagen etwa auch hier? Darf ich mal drauf stehen, Papa?“
Saturninus Augen funkelten vor Vergnügen. Er hatte einen unstandesgemäßen Hang zum Wagenrennen, und sein Sohn hatte ihn auch. Er sagte:
"Probiere es aus, mein Junge. Weißt du, dass dein alter Herr vor einigen Jahren selbst noch bei den Equirria, dem Pferderennen zu Ehren des Mars, mitgemacht hat?"
Jetzt fragt mich Victor bestimmt gleich, ob ich denn gewonnen habe, dachte Saturninus.