RE: Hortus
Wie ein Engel schwebte seine Domina aus dem Laubengang und Nefertem blickte Claudia Sabina für einen kurzen Augenblick regelrecht verträumt nach. Auch die Ruhe, die sich nun im Inneren der Laube ausbreitete ließ das Herz des jungen Sklaven nun nicht mehr allzu hastig in seiner Brust pochen. Denn wenn seine Domina in der Nähe war, dann hatte Nefertem das dringende Bedürfnis alles richtig zu machen. Schließlich wollte er Claudia Sabina nicht enttäuschen. Denn wenn sein Herr nicht anwesend war, dann hatte die junge Domina das Heft in der Hand und das sagen über die Sklavenschaft. Zu denen auch Nefertem zählte. Nachdem der Dunkelhaarige tatsächlich noch einige Wimpernschläge lang gewartet hatte, trat er doch an das Tischchen heran und wählte als erste Muse die der Melpomene. Die Muse der Tragik. Ein sachter Schauer rieselte nach dieser Entscheidung über Nefertems Rücken und das obwohl sich die Luft innerhalb der Laube merklich erwärmt hatte. Schließlich war es die Stimme des Künstlers die an Nefertems Ohr drang und als er die sachte Berührung des Blonden spürte, wie sich dessen Hand auf seine Schulter niederlegte, spürte Nefertem wie abermals ein Schauer über seinen Rücken rieselte.
“Es freut mich das dir meine Gedanken gefallen.“
Lächelte Nefertem in Owains Richtung und spürte noch immer dessen Hand auf seiner Schulter. Für den Sklaven könnte dieser Moment ewig andauern. Doch leider hatte Owain einen Auftrag zu erfüllen und so entwich Nefertems Lippen ein tonloses seufzen. Auch wenn er sich bereitwillig durch die kundigen Hände des Blonden in die jeweils richtige Position dirigieren ließ. So wie es für den Kunstschmied am perfektesten aussah. Dabei lauschte Nefertem mit gespitzten Ohren der angenehmen Stimme des Kelten und drehte sich in die von ihm gewünschten Richtungen. Zu guter letzt hob Nefertem seinen Kopf leicht an, nur eine Nuance und Owain schien zufrieden zu sein. Seine Lippen hatte Nefertem eine Winzigkeit geöffnet. Während sein Gesicht von den Sonnenstrahlen die in die Laube fielen erhellt wurde. Den ernsten Ausdruck auf seinem Gesicht behielt der junge Sklave dennoch bei. Auch wenn seinem Gesichtsausdruck die Melancholie regelrecht entgegen sprang und die reine Ernsthaftigkeit verdrängte. Abermals herrschte vollkommene Stille im inneren der Laube, welche lediglich durch das leise rascheln des Papyrus und des Zeichenstiftes durchbrochen wurde. Hoffentlich würde sich seine Domina an den gezeichneten Musen erfreuen.
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