RE: Cubiculum | Aglaias Privatzimmer
Es war ein Fehler, mich zu rechtfertigen und weiter auf sie einzureden. Ihre Vorwürfe prasselten auf mich ein wie Regentropfen auf einen Schirm. Ich ließ sie reden, jedes ihrer Worte ein Schlag in die Magengrube. Obwohl ich manchmal kurz davor war, mich zu verteidigen, hielt ich inne. Ich war in ihren Augen der Schuldige hier. Sicherlich trug ich auch an einigen Dingen die Schuld, doch sie war auch nicht ganz unschuldig. Ihr Verhalten und ihre Worte hatten mich in diese Situation gedrängt. Doch das wollte sie nicht einsehen. Ich hatte keine Kraft mehr zum Streiten. Es würde immer so weitergehen, ohne Ende.
Ich ertrug alles und schluckte meine Gefühle hinunter. Alles, was mich verletzte und tiefe Wunden riss, nahm ich in mich auf. Es war nicht das erste Mal, dass alles, was mir wichtig war, zerstört wurde. Ich kannte dieses Gefühl. Ein furchtbarer Schmerz, als würde alles in mir auseinanderbrechen. Ich versuchte, standzuhalten.
Als sie endlich fertig war, fühlte ich mich wie ein geprügelter Hund. Ich sah zu Aglaia auf und hoffte, sie würde meiner Bitte nachkommen. Sie vermied es, mich anzuschauen, aber sie nickte und gab mir die Erlaubnis. Ich setzte mich vorsichtig an den Rand ihres Bettes und nahm das Kind in den Arm. Es war noch so klein und zart und unschuldig und es atmete ruhig. Sein Anblick brachte mich zum Weinen. Bittere Tränen, weil ich wusste, dass ich sie wahrscheinlich nicht wiedersehen durfte. Ich hatte mich so auf unser Kind gefreut! Ich küsste die Kleine sanft auf die Stirn und sprach leise mit ihr und war irgendwann dann unbewusst in meine Muttersprache gerutscht. Als sie ihre Augen öffnete und mich ansah, musste ich trotz meiner Tränen lächeln. "Sie ist wach und sie schaut mich an!", sagte ich leise. Meine Stimme war voller Aufregung. Die Kleine schaute mich kritisch an, schloss dann aber wieder ihre Augen und schlief weiter. Ich hielt sie noch eine Weile in meinem Arm und wiegte sie sanft. Ich wollte dieses kleine Bündel nicht mehr loslassen. Ich hätte so gerne hier bleiben wollen, aber ich wusste, ich war nicht mehr willkommen. Ich küsste unser Mädchen noch einmal auf die Stirn und weinte leise. Schließlich gab ich sie ihrer Mutter zurück und wischte meine Tränen weg.
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