RE: Wie ein wildes Tier - "Bestiola" wird verkauft
Die junge Keltin stach, wie gesagt, wie ein weißer Schwan unter Gänsen hervor. Iscalis war zwar Provinz, aber auch nicht mehr so Provinz, wie Mallius Mango feststellte. Die Leute kamen auf den Geschmack und hatten ein Gespür für das Besondere.
Es gab bereits drei potentielle Kunden, die sich für die Kleine in ihrer kurzen Tunika, die ihre Oberschenkel nur halb bedeckte, interessierten.
Der Erste tat am geheimnisvollsten, denn er hatte sich in einer Sänfte bringen lassen, die Vorhänge jedoch zugezogen. Mallius Mango wäre jedoch nicht er selbst gewesen, wenn er nicht vermutet hätte, dass in dem großen protzigen Gestell entweder die Matrona der Plautiergens Diademata oder sogar himself höchstpersönlich , der edle Honoratior und Rennstallbesitzer Plautius Montanus drinnen saß. Nur nicht Plautius Seneca, der Alte hielt im Gegensatz zu seiner Restfamilie nichts von großen Auftritten und war auch kein guter Kunde.
Er oder sie hatte einen riesenhaften Sklaven vorgeschickt - Germane oder Gallier tippte der Sklavenhändler - der aufmerksam alles registrierte, was um die Sklavin herum geschah.
Die zweite war eine noch junge Frau mit dem Auftreten und Zurückhaltung einer Matrona, die ein blaues Gewand trug. Sie studierte aber die Tituli aller Sklavinnen, so dass sie wohl wirklich eher an fleißigen Händen und einem fügsamen Naturell interessiert schien als an hellen Schenkeln und Kupferhaar.
Der Sklavenhändler, der wusste, dass die Bürgerin eine Angestellte des Kaufmannes und auch Honoratior Marcus Salvius Falco war, war rasch an ihrer Seite. Hier ließ er jedoch seine oft übertriebenen Schmeicheleien, sondern sprach von Geschäftsmann zu Geschäftsfrau:
"Salve werte Bürgerin Albina, kann ich dir behilflich sein? Ich nehme an, dass du etwas Solides und Bodenständiges für den Haushalt suchst"
Er zerrte eine Sklavin mittleren Alters hervor, die auf den Boden sah. Graue Strähnen lugten aus ihrem ehemals fuchsroten Haar hervor:
"Die hier heißt Massula. Fünfunddreißig Jahre alt, hat ihrem Herren treu den Haushalt geführt. Der ist verstorben, und hinterließ keinen Erben, nur deshalb steht sie zum Verkauf. Massula versteht sich auf alles, was in einem Haushalt anfallen kann und gibt nie ein Widerwort. Du kannst sie befragen, sie versteht Latein"
Mallius Mango wurde durch den hiesigen Princeps Officii unterbrochen, der ihn schnurstracks nach dem Preis für diese Niamh fragte. Der Sklavenhändler schwankte zwischen Geldgier und Geschäftssinn. Dann aber sagte er sich, dass es besser wäre, einen guten Kunden nicht zu enttäuschen:
"Edler Furius Saturninus, dir ist gleich die Schönheit dieser einheimischen Blume ins Auge gefallen. Das spricht für deinen Kennerblick, was weibliche Reize angeht. Ich gebe sie auch für hundert Sesterze her.
Aber für einen patrizischen Haushalt ist diese Sklavin ungeeignet. Sie ist aufmüpfig und begriffsstutzig und muss erst einmal zurechtgeprügelt werden, wenn du verstehst, was ich meine.
Wenn du jedoch etwas Geeignetes suchst o Furius Saturninus, so kann ich dir aus Londinium bestellen, was dein Herz begehrt: Einheimische Grazien oder schöne, fügsame Sklavinnen aus Gallien, Syrien, Aegyptus, oder Griechenland. In spätestens einer Woche treffen sie hier in Iscalis ein.
Mit dieser hier würde ich mir jedoch den guten Ruf, den ich als Sklavenlieferant der ersten Patrizierhäuser am Platz besitze, verderben. Daher möchte ich dir diese Keltin nicht empfehlen"
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