RE: Wie ein wildes Tier - "Bestiola" wird verkauft
Wenn ich einen Moment geglaubt hatte, es könne nicht mehr schlimmer kommen, dann hatte ich mich getäuscht.
Es kam noch schlimmer! Ich war in die Hände eines Sklavenhändlers geraten. Seine Schergen hatten mich wie ein Tier nach Iscalis getrieben. Dort gab es noch mehr Unglückliche, wie mich. Junge Frauen und Männer in Ketten. Zumeist waren es Britannier. Man sperrte uns zunächst in hölzerne Verschläge, Frauen und Männer getrennt. Nach und nach holten sie eine von uns. Wohin sie gebracht wurden, wusste keiner. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis sie auch mich holten. Als sie mir die Tunika vom Leib reißen wollten, wehrte ich mich mit allem, was ging. Ich schrie, biss, schlug und trat um mich. Doch gegen gleich drei Männer hatte ich keine Chance. Schließlich weinte ich nur noch, als mich grob niederdrückten, um mir meine Hände auf den Rücken zu fesseln und zerrissen die Tunika. Zum Vorschein kam ein ausgemergelter Körper einer Frau, der mit blauen Flecken und Striemen übersät war. Dann brachten sie mich zu ihrem Herrn, dem Sklavenhändler. Doch der fand, dass ich stank. Daraufhin schütteten sie mir ein paar Eimer kaltes Wasser über und schruppten mich mit einer Bürste, bis meine Haut rot wie die eines gekochten Krebses war. Danach fasste dieser widerliche Kerl mich an und untersuchte mich von Kopf bis Fuß.
Als er endlich damit fertig war, sprach er mich an. Was er sagte, wurde von einem Übersetzer in meine Sprache übersetzt. Ich wollte schon etwas darauf entgegnen, dass ich dem Tribun nur Ärger bereitet hatte, als der Übersetzer mir noch erklärte, was es mit einem Bergwerksbordell auf sich hatte. Da ließ ich es besser.
"Nein," entgegnete ich mit verheulter Stimme. "Mein Name ist Niamh. Ich bin siebzehn Jahre alt. Ich kann mich um Pferde kümmern und weben." Einem anderen seiner Männer diktierte er etwas, was dieser dann notierte. Plötzlich kein ein weiterer seiner Männer, der Werkzeug bei sich trug und damit den verhassten eisernen Halsring von meinem Hals entfernte. Da meine Hände gefesselt waren, konnte ich nicht die wunden und blutenden Stellen an meinem Hals bestasten. Doch ich spürte den Schmerz. Dem Sklavenhändler gefielen die Wunden auch nicht. Er fluchte ganz fürchterlich. Das hatte ich verstehen können. Er schien aber eine Medizin dafür zu haben, die er sofort anrührte und sie mir auf die wunden Stellen strich. Das Zeug brannte wie Feuer. Aber ich konnte nichts tun, denn ich war ja immer noch gefesselt.
Später lösten sie endlich die Fesseln und gaben mir eine viel zu kurze Tunika, die ich anziehen sollte. Anschließend schoben sie mich zu einigen anderen eingeschüchterten Frauen, die zitternd und wimmernd da standen, den Blick zum Boden gewandt und darauf warteten, was mit ihnen nun geschehen würde.
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