RE: Die alte Schmiede am Dorfrand
Der Römer sah mich ungläubig an, als ich ihm meine Forderung mitteilte. Er konnte wohl nicht verstehen, wie ich es wagte, ihm etwas zu verbieten. Bei uns war es eine Schande, wenn ein fremder Mann mit der eigenen Frau schlief. Es sei denn, man bot es ihm an. Aber das hatte ich nicht getan und würde es auch niemals tun! Er ließ sich jedoch nicht so leicht abwimmeln. Er wollte wissen, ob ich nicht wusste, dass Aglaia eine Hetäre war und dass sie alles, was wir besaßen, mit ihrer Liebeskunst bezahlt hatte. Er fragte mich auch, ob ich mit meiner Frau darüber gesprochen hatte. "Ich weiß, womit sie ihr Geld verdient und ja, sie hat auch diese Schmiede damit gekauft und alles andere…" Ich senkte den Blick und spürte einen Kloß im Hals, denn Aglaia ahnte noch nichts von meinem Wunsch, dass sie aufhörte, mit fremden Männern zu schlafen. "Nein, ich habe nicht mit ihr gesprochen und sie soll…"
Ich kam nicht weiter, denn er unterbrach mich und seine Stimme wurde schneidend. Er wollte wissen, ob das nur für ihn galt oder für alle anderen auch. Seine dunklen Augen funkelten mich feindselig an, als wäre er bereit, mich anzugreifen.
"Ich will, dass sie mit keinem anderen Mann mehr schläft, verdammt!" rief ich. "Siehst du diese Hände?" Ich streckte sie ihm entgegen. "Damit will ich meine Familie ernähren! Ich hoffe, dass wir bald von der Schmiede leben können. Dann muss sie… sie soll das nicht mehr tun! Aglaia weiß davon nichts und sie soll auch nicht erfahren, dass ich mit dir gesprochen habe! Das ist alles, worum ich dich bitte.“ Ich hatte keinen Mut mehr, ihm zu trotzen, sondern fühlte mich machtlos. Ich dachte an das, was sie kurz nach Beltane gesagt hatte. Damals hatten wir überlegt, wo wir hingehen konnten, um dem Tribun zu entkommen. Londinium, sie wollte mit mir nach Londinium gehen. Dort kannte uns niemand. Dort würde sie nicht als Hetäre arbeiten müssen. Dort wären wir eine ganz normale Familie. Aber das war nur ein Traum gewesen! Eine leere Hoffnung, an die ich geglaubt hatte. "Was verlangst du von mir? Was soll ich tun, damit du meiner Bitte nachgibst?"
|