Ich hatte kein Problem damit, dass der Römer mir einen Blick zuwarf, als ich nackt an ihm vorbei geeilt war. Wusste ich doch, dass er auch Männer mochte. Aber zum Glück gehörte ich wohl eher weniger zu seinem Beuteschema. Er stand mehr auf Männer wie Narcissus oder seinen bemitleidenswerten jungen Sklaven, der die Zeichnungen für die Bronzestatue des Kriegers angefertigt hatte.
In der sauberen Kleidung trat ich ihm dann gegenüber und zeigte ihm das fertige Tonmodell. Er trat näher heran und schaute sich den tönernen Krieger von allen Seiten genau an. An seiner Miene konnte ich zunächst nicht ausmachen, ob er zufrieden damit war oder ob er gleich mit einer ganzen Liste voller Änderungswünschen kam. Aber zu meiner Überraschung schien alles seinen Vorstellungen zu entsprechen. Ich musste nichts mehr daran ändern. Als er mich dann fragte, ob dies meine erste Arbeit im römischen Stil sei, nickte ich.
"Ja, das ist meine erste," antwortete ich achselzuckend. Er meinte dann noch, mein Besuch in seinem Haus hätte sich gelohnt und ich würde schnell lernen. Ich nickte lächelnd. Mit einem Kompliment aus Furius‘ Mund hatte ich nicht gerechnet. Aber anscheinend gefiel ihm diese Tonplastik wirklich. Umso besser, dann konnte ich sie brennen, sobald sie getrocknet war. Danach konnte sich die Gießform anfertigen und konnte die erste Statue gießen. In meinen Gedanken war ich bereits wieder bei der Arbeit und so traf mich seine nächste Frage eher etwas unvorbereitet.
Er wollte etwas über 'die Zeit davor' wissen. Darüber hatte ich noch mit keinem, außer Aglaia gesprochen. Nur sie wusste etwas über mein altes Leben und davon, wie ich zum Sklaven geworden war.
"Nein, ich habe mein Handwerk von meinem Vater gelernt, so wie er es von seinem Vater gelernt hat. Außerdem verirrten sich nicht viele Fremde in unser Dorf, weil es sehr abgelegen lag. Meine Heimat lag in der Nähe des Y Mynydd Du – des schwarzen Berges," erzählte ich ruhig. Ich nahm an, dass ihn das kaum etwas sagte. Römer interessierten sich für solche Dinge nicht.