RE: [Schreibstube] (Officium) * Zivilverwaltung *
Als ich dem Römer erzählte, meine Mutter sei Atrebatin gewesen, wurde er plötzlich hellhöriger. Nun wollte er es genau wissen!
"Mein Vater und meine Mutter waren römische Bürger von Geburt an," antwortete ich. Er fragte mich weiter nach einer Bürgerrechtsurkunde, um sicher zu gehen, dass ich ihn nicht etwas anschwindelte. Aber ich hatte lange genug mit falschem Namen unter Römern gelebt, so dass mich dieses Misstrauen nicht mehr nervös machte. Cathbad hatte damals an alles gedacht, als er mich zu Lucius Tarutius Corvus gemacht hatte. Er hatte scheinbar überall seine Leute. Nur so hatte ich es mir damals erklären können, dass alles so unkompliziert vonstattengegangen war, als ich damals zum armen römischen Waisenjungen geworden war, dessen Mutter gestorben war und der von seiner Tante und ihrem Mann in Londinium aufgenommen worden war. Einen Herzschlag lang starrte ich ihn an, bis ich endlich zu sprechen begann. "Oh, das ist nicht nötig. Ich habe sie hier bei mir." Ich begann unter meiner Tunika zu suchen, fand aber nichts. "Ach ja, sie muss draußen bei meinen Sachen sein," meinte ich und sah ihn entschuldigend an.
Da die Urkunde nun scheinbar doch nicht so wichtig, erklärte er mir, dass er zwar über genügend Schreiber verfügte, aber dringend vertrauenswürdige Dolmetscher brauchte, die auch schreiben konnten. Da war sie nun gekommen meine Stunde!
"Es wäre mir eine Ehre, wenn ich dir auf diese Weise dienen könnte!" entgegnete ich erfreut, als er den jungen Sekretär anwies, die Keltin eintreten zu lassen. Dass dies keine Garantie war, das Anliegen der Frau tatsächlich zu bearbeiten, stellte der Römer vorher klar. Doch ich würde mein Bestes versuchen, ihr zu helfen und damit auch mir selbst!
Kurz darauf trat eine ältere Frau mit zaghaften Schritten ein, die locker meine eigene Mutter hätte sein können. Sie trug die übliche Kleidung der einheimischen Frauen und hatte sich darüber hinaus sogar noch Schmuck angelegt, was die meisten Frauen nur zu besonderen Anlässen taten. Es musste also um etwas Wichtiges gehen, dachte ich mir. Sie deutete eine Verneigung an, schwieg aber, da sie die Sprache des Römers nicht verstand. Ihre blauen Augen sahen sich um und ich fand, dass darin so etwas wie Ernüchterung und sogar Hoffnungslosigkeit lagen. Aber vielleicht konnte ich ihr ein wenig von dem zurückgeben, was sie verloren hatte.
"Cyfarchion! Beth yw eich pryder?*" sprach ich sie an und wartete darauf, wie sie reagieren und was sie antworten würde.
* Sei gegrüßt! Was ist dein Anliegen?
Als "Lucius Tarutius Corvus"
Falke
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