RE: Hochzeit von M. Iulius Cato und Claudia Sabina
Ich hatte Ceridwen zwar begleitet, aber ich verstand immer noch nicht, warum ich niemanden umbringen sollte. Es wäre so einfach! Alle hier waren so… so…. Römisch. Ein langsam wirkendes Gift in den Wein oder ins Essen, oder ein Kontaktgift beim herumstreifen aufgetragen auf die viele, freiliegende Haut, und in einer Woche wäre jeder hier tot. Klang für mich nach wie vor nach einer vernünftigen Lösung. Aber nein.
Ich hielt mich im Hintergrund, als Ceridwen sich durch die Meute nach vorne drückte. Nein, ich hatte da keinen Elan, mich in den Mittelpunkt zu stellen und dafür zu sorgen, dass sich irgendwer an mich länger als einen oder zwei Tage erinnern würde. Ich suchte mir eine ruhige Ecke am Rand, von der aus ich alles gut sehen konnte, aber selber nicht unbedingt gesehen wurde.
Und ich stellte gleich mehrere Dinge fest. Bei dem Altersunterschied zwischen Bräutigam und Braut könnte man annehmen, dass der Kerl ein Fürst war, der seine dritte Nebenfrau heiratete, um vielleicht doch noch einen Erben zu fabrizieren. Aber das schien niemandem hier aufzufallen. Oh, Cathbad hatte uns erzählt, dass bei den Römern die alten Säcke die jungen Mädchen heirateten, und ich hatte es schon oft genug gesehen. Als hätten sie Angst vor einer Beziehung zu einer Gleichaltrigen, da diese sich ihnen wohl nicht so einfach unterwarf. Römer wollten einfach alles unterwerfen, auch die eigenen Frauen.
Das zweite waren die vielen Legionäre waren mit ihren albernen, klappernden Gürteln. Alle hatten sich rausgeputzt, gaben sich aber zivil. Es wäre so einfach, dafür zu sorgen, dass es bald weniger davon gäbe. Meine Aufmerksamkeit galt aber einem herausgeputzten Schnösel unter den Legionären. Der Kerl hatte nicht nur einen überheblichen Blick – also überheblicher als die anderen Römer – sondern vor allen Dingen eine auffällige Narbe im Gesicht. Bislang hatte ich ihn nicht gesehen, aber trotzdem wusste ich gleich, dass das der Kerl war, der den Medicus hatte umbringen wollen. Der Tribun, der keinen mehr hoch bekam.
Ich lehnte mich leicht an die Wand hinter mir und blieb im Schatten. Vielleicht war er ja der Grund, warum ich jetzt hier sein und Ceridwen und die anderen hier nicht umbringen sollte.
Falke
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