RE: Das Eingangstor - HIER bitte eintreten!
"Ich möchte nicht das Haus betreten, ohne dass Clara weiß, dass wir überhaupt hier sind", gab ich zu: "Aber bitte, liebste Fridila, wenn Quiwon hungrig ist, so stille ihn, wie du es die ganze Reise über getan hast. Fenia, bitte spanne eine Decke auf, um meine liebe Frau vor Blicken zu schützen"
Ich hatte zu viel Respekt vor Gerwinas Leistung - sie hatte fast ein Jahr lang das Gut ohne männliche Hilfe bewirtschaftet - um einfach ins Haus zu stürmen und es in Besitz zu nehmen. Es war nicht recht, ihr von einer Minute zur anderen die Herrschaft zu entziehen. Das Zimmer, welches ich zuvor bewohnt hatte, war jedoch zu klein für uns drei. Ich würde also Gerwina fragen, wo wir bleiben könnten.
Ich hoffte natürlich, dass sie uns nicht zu lange warten ließe.
Wir mussten wirklich nicht warten. Da kam Gerwina, rank und schlank wie eh und je, mit rotgoldnem aufgesteckten Haar. Sie lief herbei, ja sie rannte. Bei diesem Anblick wurde mir warm ums Herz. Sie war meine Schwester. Sie hatte alles stehen und liegen lassen, um uns willkommen zu heißen:
"Ich war zu lange weg, Gerwina, verzeihe mir", sagte ich und umarmte sie fest. Ich suchte den Blick ihrer meergrünen Augen. Da waren nur Freude über meine Rückkehr und ein paar Tränen. Auch ich hätte beinahe geweint. Aber die Freude überwog :
"Ich bin wieder da, ja. Und ich habe dir eine Frau und einen Neffen mitgebracht, die du schnell liebgewinnen wirst. Und ich bin so stolz auf Dich. Ich glaube, dass du gerade das schmuckeste Gut vor Iscalis Toren bewirtschaftet. Wie schön und gut alles geworden ist"
Ich zog Stella und Quiwon zu mir hin, aber da begrüßte meine Schwester ihre Schwägerin schon als liebe Freundin und gab ihr einen Kuss. Und dann steckten die beiden Damen ihren rotblonden beziehungsweise rabenschwarzen Haarschopf zusammen, betüddelten Quiwon, der sich das gerne gefallen ließ - und ich stand erst einmal daneben und war nur froh, die Beiden so zu sehen.
"Ins Haus, aber gerne", sagte ich: "Und bitte sage uns, wo du uns schlafen lässt, liebe Gerwina"
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