RE: Hochzeit von M. Iulius Cato und Claudia Sabina
Ich konnte überall schlafen. Selbst mit Zöpfen, die so stramm mit Wollbändern umwickelt und aufgesteckt worden waren, so dass sie auf meiner Kopfhaut juckten. Ich setzte mich rittlings auf einen Stuhl und legte mein Gesicht auf meine Arme und meine Arme auf die Lehne - und ja. Ich war erst aufgewacht, als der Morgen schon graute. Dann trieb ich alle zur Eile an. Fehlte noch, meine eigene Hochzeit zu verschlafen. Mit dem Schleier so drapiert, dass er mein Gesicht verbarg , trat ich nun vor die Geladenen. Ich war nicht so groß wie Prisca, jedoch schon recht hochgewachsen, und wie alle Claudier hielt ich mich sehr aufrecht. Nun gut, man übersah mich nicht.
Ich grüßte nach allen Seiten. Durch den Schleier sah ich nicht gut. Ich folgte dem Klang der Musik, bis vor mir die Ehesessel auftauchten.
Aber meinen Cato hätte ich durch jeden Schleier erkannt. Auch er war groß, und sah in seiner strahlendweißen Toga gerade zu göttlich aus. Ich wäre am liebsten zu ihm hingelaufen, hätte ihn mit der Freude begrüßt, die ich empfand, doch mein archaischer Aufzug ließ mich stocken. Mir war, als wären wir heute gar nicht Cato und Sabina, sondern zwei Mitwirkende in einem uralten Theaterstück.
Serenas Furius und der junge Wagenlenker Frowin standen bei Iulius Cato, und Furius hatte gerade etwas gesagt. Es war wohl etwas Nettes, denn sie umfassten sich wie Freunde. Es war wie gesagt eine der vornehmsten Aufgabe einer Dame, Versöhnungen zwischen Familien zu erwirken. Ich hatte noch gar nicht damit angefangen, doch es schien schon zu funktionieren.
"Seid allesamt gegrüßt", sagte ich freundlich und ließ mir von Anaxarete erstmal auf den Sessel helfen. Dort saß ich und senkte züchtig den Blick.
Der erste Schritt war, im Garten das Schweinchen zu schlachten und aus seinen Eingeweiden zu lesen. Als ich daran dachte, war ich froh, dass ich durch den Schleier nicht gut sehen konnte. Hoffentlich las der Haruspex - das war der Seher, der aus den Eingeweiden las, er war durch seinen spitzen etruskischen Hut und sein besticktes Gewand leicht auszumachen - nur Gutes.
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