RE: Cubiculum | Aglaias Privatzimmer
dSie antwortete mit ja und nickte erst langsam, dann aber immer heftiger, als würde sie jetzt erst die ganze Tragweite ihrer Antwort verstehen. Sie kam mir noch näher, nahm mein Gesicht in ihre Hände und küsste mich. Dann lächelte sie. Es war ein befreiendes Lächeln. Ich tat es ihr gleich, denn dieses Ja bedeutete auch für mich eine Art der Befreiung. Es würde einen Ausweg für mich geben, der mich nicht direkt ins Verderben führen würde. Auch wenn das bedeutete, dass der Tribun nicht durch meine Hand sterben würde. Doch indem was er tat und wie er es tat, würde er sich täglich neue Feinde machen, die ihrerseits den Drang verspürten, ihn umzubringen.
Sie war ganz aufgeregt und zitterte sogar, als sie weiter sprach. Sie malte sich unsere Zukunft schon ganz genau aus und sie steckte mich an damit! Wir würden in der Masse der Menschen, die in Londinum lebten, untergehen. Niemand würde uns dort finden! Auch der Tribun nicht und all die Kerle, die ihre Kunden waren, ebenso wenig. Ich könnte dort sicher eine Arbeit finden, wenn ich nicht sofort eine Schmiede hätte. Das würde mir nichts ausmachen.
"Du willst mich freilassen?" fragte ich vorsichtig. Im Prinzip hatte ich meine Freiheit nie vermisst, seitdem ich bei ihr war. Sie hatte mir so viel Freiraum zugestanden, dass ich mich nie danach gesehnt hatte.
"Und heiraten?" Ich hatte keine Ahnung, was infam bedeutete. Aber ihren Worten zu urteilen, spielte es auch keine große Rolle.
"Und Kinder?" Bis vor wenigen Tagen hatte sie es noch für unmöglich gehalten, Kinder haben zu wollen. Sie musste es also wirklich ernst meinen! Ich konnte es kaum glauben! Vielmehr versuchte ich mich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass sie mich tatsächlich wollte und dass wir eine Familie gründen würden! Ob unsere Kinder dann römische Bürger sein würden oder nicht, war mir im Augenblick recht herzlich egal. Dass sie es überhaupt in Erwägung gezogen hatte, Kinder mit mir haben zu wollen, machte mich so unfassbar glücklich, dass ich wirklich mit den Tränen kämpfen musste. "Du machen mich so glücklich!" Ich drückte sie ganz fest an mich, damit dieses Glück nicht plötzlich wieder verloren ging.
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