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Cubiculum | Aglaias Privatzimmer
06-04-2023, 07:12 PM,
Beitrag #36
RE: Cubiculum | Aglaias Privatzimmer
Er stand wieder auf und ich hörte Stoff rascheln. Er hatte sich ausgezogen und setzte sich zu mir auf das Bett. Es konnte nicht mehr als früher Nachmittag sein, ganz sicher keine Zeit, um schon zu schlafen, auch wenn ich den ganzen Tag quasi nichts anderes getan hatte. Und deshalb verwirrte mich diese Tat noch so viel mehr. Er fragte, ob er bleiben sollte. Ganz vorsichtig bewegte seine Hand sich in meine Richtung.
Ich merkte, dass ich zitterte. Nicht, weil ich Angst vor ihm oder seiner Berührung hatte, sondern weil ich mich vor dieser Situation hier gefürchtet hatte. Ich hatte es mir vielleicht selbst nicht eingestanden und es war so viel anderes, objektiv viel schrecklicheres passiert als das hier jetzt. Aber ich merkte, wie jetzt gerade mich meine Angst überrollte. Nicht die Angst vor seiner Berührung. Nicht die Angst vor diesem Tribun. Nicht die Angst vor dem, was geschehen war. Sondern die Angst vor dem Fehlen seiner Berührung. Die Angst, dass er den Tribun sah, wenn er mich berührte. Die Angst vor dem, was vielleicht nie mehr geschehen würde.

Ich nickte, unfähig zu sprechen, und sah zu, wie seine Hand ganz sanft nach mir griff und mich in seine Arme zog. Ich ließ mich von ihm mitziehen, bis ich in seinen Armen lag, den Kopf an seiner Schulter, mein Körper an seinem, und als wäre doch noch einmal ein Damm gebrochen, fing ich auf einmal einfach an zu schluchzen und zu weinen und mich dabei an ihm festzuhalten, wie ich es den ganzen Tag seit diesen schrecklichen Stunden hatte tun wollen und wovor ich solche Angst hatte, dass es nicht mehr geschehen würde, und wovor ich Angst hatte, dass er mich danach nie mehr so sehen würde wie früher. Aber ich war stark genug für einen Tag gewesen. Ich hatte ihn beschützt. Ich hatte meine Familie beschützt. Ich hatte den mächtigsten Mann, den ich kannte, um Schutz ersucht und war nicht zusammengebrochen. Ich war für Owain stark gewesen und hatte ihm verziehen. Jetzt durfte ich loslassen. Und ich ließ los. Ich ließ wirklich los, klammerte mich an ihn und weinte einfach und ließ es hinaus. Alles, was heute passiert war. Und auch alles, was davor passiert war. Jedes einzelne Mal, wenn ein Mann mir weh getan hatte. Jeden Stoß, den ich nicht gewollt hatte, jeden Kuss, zu dem ich mich hatte zwingen müssen, jeden Biss, jeden Hieb, jedes falsche Lächeln, alles. So lange, bis nichts von der Hetäre Aglaia übrig blieb und nur noch ich in seinen Armen lag und mich an ihn drückte, als wolle ich ihn nie mehr loslassen. Ich wollte ihn nie mehr loslassen.
“Bleib bei mir. Ich liebe dich“, flüsterte ich, als alles andere abgefallen war und nur ich übrig geblieben war und ich nicht einmal mehr die Kraft hatte, Angst vor seiner Antwort darauf zu haben.
[Bild: 15_14_01_23_5_20_11.png]
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