RE: Cubiculum | Aglaias Privatzimmer
Ich hatte es noch nicht einmal geschafft, mich anzuziehen.
Bis Owain zurück kam, hatte ich auf dem Bett gelegen, geweint und war immer wieder eingenickt, nur um am Ende wieder hochzuschrecken, mich zusammen zu kauern und wieder etwas zu weinen. Zwischendurch war Kiki einmal hereingekommen mit einem Teller mit etwas zu essen, aber ich wollte nichts. Ich konnte nicht einmal den Gedanken an Essen gerade ertragen. Also stand der Teller noch auf dem Tischchen, wo sie ihn abgestellt hatte. Aber sie hatte mich dazu überredet, noch einen Becher Wein zu trinken, der dann auch dazu geführt hatte, dass ich etwas länger am Stück geschlafen hatte.
Ich wachte erst auf, als ich ein Klopfen hörte, und schrak davon mit klopfendem Herzen zusammen. Es brauchte einen Moment, bis ich wieder wusste, wo ich war, und ich hatte mir meine Decke bis zum Kinn wie ein Kind hochgezogen, während das große Handtuch, das ich getragen hatte, sich irgendwo um meine Beine geknotet hatte. Ich brauchte einen Moment, um Owain wirklich zu erkennen, und dann nickte ich erst nur, weil ich nicht sprechen konnte. Meine Kehle war vom Weinen heiser, und ich wusste auch gar nicht, was ich sagen sollte.
Wahrscheinlich sah ich gerade furchtbar aus. Nein, ganz sicher sah ich gerade furchtbar aus. Meine Augen waren vom vielen Weinen geschwollen, meine Haut vom Schreck bleich und mein Haar war wirr und unfrisiert. Ganz sicher sah ich erschreckend aus und nicht einmal ansatzweise so verführerisch wie sonst. Das schmerzliche Gefühl kam zurück bei der Erkenntnis, dass Owain mich nie wieder so ansehen würde wie zuvor. Er sah mich auch jetzt kaum an, und bei Furius Saturninus hatte er sich nicht einmal zu mir umgedreht beim Abschied. Bei diesem Wissen wollte ich am liebsten gleich wieder heulen, aber ich riss mich zusammen und schaute ihn eine ziemliche Weile einfach nur an, in der niemand ein Wort sagte.
“Geht es dir gut?“ fragte ich schließlich, als ich meine stimme wiedergefunden hatte, auch wenn sie rau und kratzig in meinen Ohren klang. Wir hatten nicht wirklich darüber gesprochen, was die Soldaten mit ihm gemacht hatten. Überhaupt hatten wir fast gar nichts miteinander gesprochen. Und natürlich wusste ich, dass es ihm nicht gut ging. Aber ich wollte dennoch hören, dass er soweit in Ordnung war, wenn auch sonst nichts mehr in Ordnung war. Und mir fiel sonst nichts besseres ein, was ich sagen könnte.
Oh, ich wollte ganz viel sagen. Dass er zu mir kommen sollte. Dass er mich in den Arm nehmen sollte. Dass ich immer noch angst hatte. Angst davor, dass er mich nicht mehr wollte, mindestens ebenso wie Angst davor, dass der Tribun zurückkommen würde. Dass ich nicht allein sein wollte. Dass ich überlegte, nach Londinium zu gehen, weil ich mich nicht mehr sicher fühlte. Ob er mitkommen würde. All sowas. Aber ich traute mich nichts davon. Ich wollte nicht, dass er sich gezwungen fühlte. Ich hatte ihn nie wie einen Sklaven behandelt. Ich wollte nicht, dass er sich wegen mir wie einer fühlte. Und vor allen Dingen wollte ich, dass er das wollte, dass er bei mir sein wollte und es nicht nur tat, weil ich es von ihm verlangte. Aber ich fürchtete, dass er es nur täte, wenn ich es verlangte. Also sagte ich nichts und saß nur da mit meiner Decke und meinen Kissen.
|