RE: Cubiculum | Aglaias Privatzimmer
Er sagte nichts. Gar nichts. Nicht ein Wort, seit wir gegangen waren. Er fragte nicht nach der Schmiede, und auch nicht, wie es mir ging. Natürlich nicht. Vielleicht war ich zu gut darin geworden, unbekümmert und fröhlich zu wirken, gleichgültig, wie es mir ging, auch wenn ich mir ziemlich sicher war, dass gerade mein schauspielerisches Talent an einem eindeutigen Tiefpunkt angekommen war. Aber trotzdem sagte er nicht einmal Ja oder bis später oder IRGENDWAS, sondern strafte mich weiter mit Schweigen und ging. Und ich wusste immer noch nicht, was ich ihm denn getan hatte, um diese Behandlung zu verdienen. Ich ermöglichte ihm doch alles, was er wollte! Ich hatte ihm nicht einen Befehl gegeben, seit er hier war, höchstens mal eine Bitte geäußert, immer mit dem Hinweis, dass er ablehnen konnte. Gleich am ersten Tag hatte ich ihm das gesagt, dass er mit mir reden sollte, wenn irgend etwas war. Und er bekam die Schmiede, die er wollte. Ich hätte sogar seine Frau gesucht, wenn er es gewollt hätte! Und trotzdem… trotzdem…
Ich hörte, wie sich die Türe zuzog, und wartete noch ein paar Momente, bis ich annahm, dass er nun wohl weit genug weg und in der Küche wäre. Die anderen wären sicherlich noch unterwegs oder am Essen, so dass ich wohl allein wäre. Falsch, ich war allein. Und schlimmer. Ich war einsam.
Einen Moment zögerte ich noch, dann warf ich mich aufs Bett. Es sah und hörte ja sowieso keiner, also konnte ich es ein mal herauslassen. Ein Mal nicht perfekt sein, sondern das fühlen, was ich fühlte. Und was ich fühlte war groß und schrecklich und schmerzhaft und es wollte raus.
Also warf ich mich auf mein Bett, schnappte mir eines der Kissen und ließ erstmal mit wildem Schluchzen all den Verlust hinaus, den ich gerade fühlte.
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