RE: Cubiculum | Aglaias Privatzimmer
"Sonnenschein?“ fragte ich nach und lächelte dann. Das klang süß. Ich versuchte, es nachzusprechen, was aber selbst für mich nach einer mittleren Katastrophe klang. “Ich fürchte, du musst das noch oft sagen, bis ich es nachsprechen kann“, lockte ich ihn ein wenig, weil ich es wirklich gern noch einmal hören wollte.
Ich schwang also auch meine Füße aus dem Bett und suchte etwas anziehbares, das auch dazu geeignet war, eine Stunde zu Fuß zu laufen. Und das war bei meinen Kleidern schwieriger, als man annehmen sollte, denn die meisten bestanden aus Seide, hauchfeiner Wolle, dünnem Leinen oder allgemein viel Nichts. Aber ich fand schließlich doch eines, das mir gefiel – dunkelrotes Leinen, weiß am Kragen bestickt und ist angedeuteten Ärmeln versehen. Es war jetzt nicht unbedingt modern, aber hier in der Provinz wahrscheinlich trotzdem noch der heißeste Scheiß. In Rom würde ich es wohl nur tragen, wenn ich aus welchem Grund auch immer unauffällig sein wollte, aber hier stach ich damit wahrscheinlich immer noch heraus.
Ich ließ es mir also gerade über die Schultern gleiten und suchte nach einer passenden Fibel, damit es nicht über eben jene rutschte, als Owain mich fragte, ob ich ein Pferd hätte. Ich lachte leicht und schüttelte den Kopf. "Ich hab schon gehört, dass Keltinnen reiten. Aber nein, ich kann nicht reiten. In Rom wird das als männlich angesehen. Krieger reiten. Militär, Legionäre, reiche Männer. Wenn eine Frau beim Reiten erwischt wird, ist das ein ziemlicher Skandal und gilt allgemein als ziemlich entwürdigend für die Frau“, erklärte ich ihm, auch wenn er vielleicht nicht alle Worte verstand.
“Eine Dame fährt in einem Wagen oder lässt sich mit der Sänfte tragen. Man könnte wohl sagen, dass römische Frauen sehr auf gutmütige Männer angewiesen sind.“
Inzwischen war ich angezogen und malträtierte mein langes Haar mit Bürste und Kamm, bis es wieder herzeigbar war. Der Einfachheit halber schlang ich es mir im Nacken zusammen und drehte es einmal lose auf, ehe ich es mit einem Haarband am Hinterkopf zusammenhielt. Ich wollte ja nur eine schmiede Besuchen und musste niemanden beeindrucken. Aber ganz wild konnte ich auch nicht vor die Tür.
“Ich nehme an, du kannst reiten?“ fragte ich ihn dann. In der Stadt würden mich keine zehn Pferde auf ein eben solches bringen. Aber das Stückchen zwischen Iscalis und Cheddar, wenn keiner guckte? Und ich nur draufsitzen musste, ohne runterzufallen? Das war verhandelbar.
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