RE: Owains neues Zuhause
Der Boden war schnell aufgewischt und da die Herrin etwas länger fort blieb, sah ich mich im Balneum etwas weiter um. So fand ich zum Beispiel einige Behälter aus Glas, in denen sich wohlriechende Öle befanden. Ich roch daran und stellte sie vorsichtig wieder zurück. Schließlich kauerte ich mich auf den Boden, der warm war und wartete auf sie. Ich fragte mich, wie das ging. Dass der Boden so warm war! Gab es ein Feuer unter dem Boden? Ich stellte mir lodernde Flammen vor, die unterirdisch brannten. Vielleicht gab es ja da auch eine Möglichkeit für meine Schmiede dort unten.
Es war schon seltsam, nun hier zu sein. Ich hatte mir alles anders vorgestellt. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, Sklave zu sein. Doch die Herrin war so freundlich zu mir und ich war mir sicher, dass sie auch ein wenig in mich verliebt war. Als ich Schritte nahen hörte, stellte ich mich schnell wieder auf die Füße und wischte weiter, obwohl es eigentlich nichts mehr zu wischen gab. Aber egal, hauptsache es sah nicht aus, als würde ich faul herumsitzen.
Die Herrin grinste mich an. Ihr schien es zu gefallen, wie ich hier nackt die Putzfee gab. Bevor sie wieder ging, gab sie mir noch eine saubere Tunika, die ich mir überzog, als sie wieder weg war. Irgendwie vermisste ich meine Hosen. Ich fragte mich, wie die Römer nur so weit kommen konnten, ohne Hosen!
Wieder hatte ich mich auf den Boden gesetzt und gewartet. Hoffentlich hatte sie mich nicht vergessen, denn diesmal blieb sie noch etwas länger fort. Ich fragte mich schon, was ich tun oder sagen sollte, wenn jemand anderes herein kam. Aber soweit kam es dann doch nicht, denn sie war es, die herein kam. Sie entschuldigte sich sogar bei mir, weil ich warten musste. Ich hatte mich natürlich wieder aufgestellt. "Macht nix!" sagte ich und lächelte zurück.
Nun wollte sie mit mir in die Küche gehen. Küche hörte sich gut an, denn ich hatte ein wenig Hunger! Ich ergriff ihre Hand und ließ mich von ihr mitziehen. Wir kamen am Garten vorbei und dann roch es plötzlich verführerisch nach Essen. Jetzt hatte ich noch mehr Hunger. Sie aber genoss es, ganz dicht bei mir zu sein. Hin und wieder strich sie mir über meinen Arm und sie begann wieder zu erzählen, einem Wasserfall gleich. Natürlich verstand ich wieder nur die Hälfte. So wusste ich zum Beispiel nicht, was ein Triclinium war. Als sie meinte, ihre Köchin sei eine Zauberin, hatte ich schon ein wenig Angst! Aber dann begriff ich, dass sie wohl einfach nur gut kochen konnte.
Schließlich betraten wir die Küche, Dort war natürlich der Duft nach Essen noch viel intensiver. Die Köchin warf mir einen misstrauischen Blick zu. Wahrscheinlich weil ich einen Tick zu eng bei der Herrin war. Aber dann stellte sie mich ihr auch schon vor und meinte, dass ich jetzt zu ihr gehöre. Ich nickte ihr einfach freundlich zu. Vielleicht half das ja. Die Köchin blieb trotzdem mürrisch. Besser, man ging ihr aus dem Weg!
Aber die Herrin ließ mich nicht verhungern! Sie stahl für mich einen Apfel, den sie anbiß und mir den Rest davon gab. Äpfel gab es noch nicht lange hier bei uns. Aber seit die Römer hier waren, hatte er sich recht schnell verbreitet. Wenigstens etwas, was die Römer für uns getsan hatten! "Danke! Ja, ich kenne Apfel. Bei uns heißt Afal."
Hinter dem Rücken der Köchin richtete sie mir auf dem Tisch eine Mahlzeit mit Käse, Brot, einem Apfel und sogar Honig! "Danke!" sagte ich nochmals und bediente mich. Ich nahm etwas Brot und biss in den Käse und schmierte mir dann etwas Honig aufs Brot. "Sehr lecker!" versicherte ich ihr. Das war ein Leben!
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