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RE: Tür
Ich hob die Hand, doch bevor meine Finger das Holz berührten, hielt ich inne.
Plötzlich war sie da. Nicht die Freude. Nicht die Erleichterung. Nein, die Angst. Zwei Jahre. Zwei lange Jahre.
Ich hatte Deirdre versprochen, nur ein Jahr fortzubleiben. Jede Nachricht, die über Händler und Reisende ihren Weg nach Albion gefunden hatte, hatte dieselbe Bitte enthalten: Warte auf mich.
Aber was, wenn sie irgendwann aufgehört hatte zu warten? Mein Magen zog sich zusammen.
Ich starrte auf die Tür, hinter der mein ganzes Leben lag.
Deirdre war schön. Und es war kein Geheimnis, dass schon einige Männer sie vor mir begehrt hatten. Sie besaß etwas, was jeden Mann anzog. Während meiner Abwesenheit war sie wieder auf sich gestellt. Sie hatte die Kinder erzogen und das Haus und die Tiere versorgt. Sie hatte alles allein getragen.
Vielleicht war eines Tages jemand gekommen, der geblieben war. Jemand, der nachts an ihrer Seite gelegen hatte, während ich selbst irgendwo in einer kalten Werkstatt Roms gearbeitet hatte. Jemand, der die Kinder zum Lachen gebracht hatte. Jemand, der die gebrochenen Zäune repariert, das Feuerholz gehackt und die Aufgaben übernommen hatte, die eigentlich meine gewesen wären.
Ein bitterer Stich fuhr durch meine Brust. Die alten Ängste schnürten plötzlich wieder mein Herz ein. Schon einmal hatte mich eine Frau einfach abserviert. Doch Deirdre war nicht Aglaia!
Aber dann fragte ich mich, hätte ich selbst getan? Hätte ich zwei Jahre auf jemanden gewartet, ohne zu wissen, ob er jemals zurückkehrte? Die Wahrheit war, dass ich die Antwort nicht kannte.
Meine Hand sank wieder herab. Zum ersten Mal seit meiner Ankunft fürchtete ich mich wirklich.
Nicht vor Räubern. Nicht vor Stürmen. Nicht vor den Gefahren der Reise. Sondern vor dem, was mich hinter dieser Tür erwarten konnte. Vielleicht würde Deirdre mich mit Tränen in den Armen empfangen. Vielleicht würde sie vor Freude lachen. Vielleicht würden die Kinder aufgeregt auf mich zustürmen. Doch vielleicht würde ein fremder Mann diese Tür öffnen.
Ich schloss die Augen. Sofort erschien mir Deirdres Gesicht vor meinem inneren Auge. Ich erinnerte mich an ihren Blick am Tag meines Aufbruchs. An die Tränen, die sie vor mir hatte verbergen wollen.
Ich atmete tief durch. Dann schüttelte ich den Kopf. "Du bist ein Narr, Owain", murmelte ich mir selbst zu. Selbst wenn die Sorge berechtigt gewesen wäre, würde ich die Wahrheit nicht erfahren, indem ich wie ein Feigling vor meiner eigenen Haustür stand.
Ich straffte die Schultern. Dann hob ich die Hand erneut und klopfte.
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