RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen
Cassias Augen schwammen in Tränen, als sie zu Nicander empor blickte, nachdem sie ihm ihr Leid geklagt hatte. Und dem Dunkelhaarigen sogar noch die Schuld an ihrer verflixten Situation gab. Ja! Denn es war einzig und alleine Nicanders Idee gewesen, dass sich er der Scheinsklaverei hingab, um sie beide sicher über die Runden zu bringen. Bei diesem Gedanken meldete sich ein leises Stimmchen in Cassias Hinterkopf und gemahnte sie, dass er dies eigentlich nur oder hauptsätzlich wegen ihr gemacht hatte. Damit sie ein schützendes Dach über dem Kopf hatten und eine wärmende Mahlzeit in den Bauch bekamen. Doch an all‘ dies dachte Cassia in ihrer Wut, in ihrer Verzweiflung und in ihrer Trauer nicht. Für sie war Nicander der Bösewicht, der sie auseinander gerissen hatte. Denn für Cassia war es faktisch unmöglich jemals nach Londinium zu gelangen. War sie doch hier an die furische Villa gekettet. Außer natürlich die kleine Domina würde den Wunsch hegen, einmal etwas anderes sehen zu dürfen, als nur die furischen Villenmauern. Ein wahrlich wahnwitziger Gedanke, der wohl niemals Realität werden würde. Denn wieso sollte sich Furia Saturnina wünschen, Londinium zu besuchen? Aberwitzig. Wirklich aberwitzig. Und während die Tränen nur so über Cassias Wangen strömten, klammerte sie sich an Nicander und vergrub ihr Gesicht an dem Älteren. Schluchzend und mit bebenden Schultern verharrte die Sklavin, bis ihre Tränen versiegt waren oder sie einfach keine Kraft mehr hatte. Dennoch würde ihr verschleierter Blick davon künden, dass sie bis vor kurzem noch hemmungslos geschluchzt und geweint hatte.
Nachdem Cassia einige male tief durchgeatmet hatte, konzentrierte sie sich einzig und alleine auf Nicanders Worte. Wie sie es früher schon immer getan hatte. Nicander mit seiner weithallenden Stimme, die Cassia immer wieder verzauberte. “Londinium ist so weit weg Nicander.“ Murmelte die junge Sklavin. Denn selbst die Tatsache, dass seine Herrschaft das Haus in Iscalis behielten, bewies noch überhaupt nichts. Dies war wohl ein Abschied für immer. Und Cassia tat das Herz weh bei diesem Gedanken. “Du sagst es! Londinium ist eine gefährliche Stadt. Was ist, wenn dir etwas passiert? Das würde ich mir nie verzeihen können.“ Platzte es dann auch schon über Cassias Lippen, die erneut gefährlich zu beben begannen. Doch Nicander sprach nur von Norbana Orestilla. Es hatte ihn wohl besonders heftig erwischt. Und er dichtete sogar einen Vers auf seine junge, liebliche Domina. So dass Cassia erbleichte und ihre Lippen zu einem blutleeren Strich zusammen presste. “Du wirst dich aber nicht in Gefahr begeben, versprich mir das Nicander. Und die Domina wird doch von ihrem Ehemann beschützt. Das musst du doch nicht machen.“ Sprudelte es weiterhin über Cassias Lippen. Wie ein Wasserfall entglitten diese Worte ihren Lippen. War da etwa doch eine leise Eifersucht mit im Spiel? Nein, oder etwa doch? Cassia verstand einfach nicht, wieso sich Nicander so für seine Domina einsetzte. Musste das nicht eigentlich deren Ehemann tun?
Als die grüngesichtige Eifersucht mit krallenartigen Fingern nach Cassia zu greifen versuchte, schüttelte diese ihren Kopf, so dass ihre Locken nur so um ihren Kopf umher flogen. Bevor sie vor Nicander zu Boden sank, ihren Kopf gegen seine Schienbeine presste und diese mit ihren schmalen Ärmchen umklammerte. “Was aber wenn dein Dominus dir deinen Wunsch nicht erfüllt? Dann werden wir uns nicht mehr wiedersehen.“ Wisperte Cassia mit leiser Stimme und schluckte vernehmlich. Ihren Kopf hielt sie abgewandt, drückte ihr Gesicht gegen Nicanders Wadenbeine.
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