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[In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Nicander - 03-19-2025 >>> Wir gingen an den Hausfassaden vorbei, die fensterlos und streng aufragten. Nur vor der Eingangstür stand zuweilen ein Sklave, mancher auch angekettet wie ein Wachhund. "Was macht das werte Befinden, Cassia?", fragte ich und schaute den kleinen Zimtkopf, der munter neben mir hersprang, freundlich an: "Sind deine Herrschaften gut zu dir? Bestrafen sie dich selten, und wenn ja, nicht allzu hart? Hast du das Hündchen, das du an Saturnalia gewonnen hast, behalten dürfen? Bist du noch in diesen Jungen verliebt - Bran von der claudischen Familia?" Ich hatte beide während der letzten Saturnalia getroffen: "Hast du genug zu essen? Pflegt man dich, wenn du krank bist? Hast du eine gute Arbeit, die nicht so anstrengend ist und lassen sie dich auch jonglieren?" Ich wollte einfach wissen, ob es Cassia gut ging. RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Cassia - 03-19-2025 >>> Hatte sie sich zu sehr gefreut? Hatte man ihre Freude allzu deutlich auf ihrem Gesicht strahlen sehen? Für Nicander war ihre Freude wohl allzu überdeutlich und so schob er Cassias übersprudelnder Freude sogleich einen Riegel vor, in dem er erklärte, dass sie lediglich die Straße auf und ab gehen würden. Oder waren diese Worte in erster Linie gar nicht für sie bestimmt, sondern für den furischen Ianitor? Außer Sichtweite des Ianitors spürte Cassia, wie Nicander nach ihrer Hand griff und schon schmiegte sie ihre kleinen Finger in die Hand ihres einstigen Herrn. Die ersten Schritte schwieg Cassia, sowie auch Nicander schwieg und blickte an den hohen Gebäuden empor, die streng und still rechts und links von ihnen aufragten. “Gehen wir wirklich nur die Straße auf und ab?“ Wollte Cassia von dem Älteren wissen. Hielt sie es doch nicht länger aus, einfach nur schweigend neben ihm einherzugehen. Und Nicander konnte bestimmt auch ihren Blick auf sich spüren, denn Cassia drehte ihren Kopf immer wieder in seine Richtung und blickte zu dem Dunkelhaarigen empor. “Ich vermisse dich Nicander.“ Platzte es dann auf einmal über Cassias Lippen und man konnte Tränen in ihren Augen erkennen. Schniefend wischte sie sich auch schon über ihre Augen und blinzelte zu dem Dunkelhaarigen empor. “Es ist so schrecklich, dass ich dich nicht mehr jeden Tag sehen kann.“ Wisperte die gelockte Sklavin mit leiser Stimme und biss sich im nächsten Moment auf ihre Unterlippe, die bedrohlich zu beben begann. Jetzt nur nicht losheulen. “Ich versuche meinem Dominus keinen Schaden zu bereiten. Aber manchmal gelingt mir das nicht immer.“ Noch immer war Cassias Stimme leise, gar bedrückt. Wobei Nicander spüren konnte, wie die kleine Hand der jungen Sklavin in seiner Hand zu zittern begann. “Das Hündchen habe ich wirklich behalten dürfen. Meine kleine Domina liebt das Hündchen. Und ich habe meine kleine Domina sehr gerne. Nur einen Namen hat das Hündchen noch nicht. Das wollte ich eigentlich Bran überlassen. Aber seit den Saturnalien habe ich Bran nicht mehr gesehen. Mein Dominus mag Bran nicht. Glaube ich.“ Noch einmal wischte sich Cassia über die Augen und versuchte ein Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern. “Ich habe Bran sehr, sehr gerne.“ Ganz leise sprach Cassia diese Worte und blickte dabei zu Nicander empor. Wie der Ältere wohl auf diese Wahrheit der Sklavin reagierte? “Ich war noch nie krank Nicander. Mein Körper mag nicht krank sein.“ Wie sich krank-sein anfühlte, wusste Cassia tatsächlich nicht. “Ich bin Spaßmacherin der kleinen Domina. Furia Saturnina habe ich sehr lieb. Nur wenn meine keine Domina spinnen und weben muss, finde ich das nicht so toll. Dann bin ich immer alleine. Und Furia Saturnina muss eine Dame werden, sagt die Domina.“ Erklärte Cassia mit leiser Stimme. “Ich würde so gerne mit meinen Feuerbändern jonglieren. Aber das hat mir der Dominus verboten. Feuer ist gefährlich hat er gesagt und Catia hat das auch gesagt. Wir haben nämlich Besuch von Dominus Tiberius Furius Victor bekommen. Das ist der Sohn von meinem Dominus. Und mit Domina Furia Saturnina und Dominus Tiberius Furius Victor habe ich dann mit meinem Hundchen gespielt.“ Erklärte Cassia, wobei ihre Augen hell aufleuchteten. “Ich wäre aber so gerne bei dir Nicander. Auch wenn ich meine kleine Domina sehr gerne habe.“ Gestand Cassia schließlich leise, wurde immer langsamer und blieb schließlich vor Nicander stehen. RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Nicander - 03-23-2025 Je mehr Cassia mir Eindrücke in ihr Leben gewährte, desto niedergeschlagener wurde ich. Denn auch wenn sie schon zu einer jungen Frau herangewachsen war - sie dürfte jetzt etwa sechzehn Jahre alt sein, doch ihr genaues Alter wusste ich nicht - redete sie dennoch auf ihre kindliche, liebe Art, und ich hoffte sehr, dass ihre Domini sie gerade deshalb gerne hatten. Es schien auch so zu sein, denn sie sprach eben davon, dass sie spielte und lachte und das Kind des Hausherren lieb gewonnen hatte. Aber auch wenn es ihr gut ging - dennoch sagte sie, dass sie mich gerne täglich sehen würde und - dass sagte sie zwar nicht, doch ich hörte es heraus - die alten, wilden Tage vermisste, an denen wir Straßentheater gespielt hatten und von Viertel zu Viertel gezogen waren. Wie konnte ich es nur erklären, dass ich so vieles daran nicht vermisste. Die Poesie, die wohl, doch nicht den Hunger, das Schlafen draußen und Freiwild für jeden zu sein, der einem nachstellte. Wir waren ja keine respektablen Schauspieler an einem großen Theater gewesen, sondern wanderndes Volk. jetzt hatte ich eine Herrin und einen Herren, die mich beschützten. Tatsächlich musste ich als Sklave wesentlicher weniger gegen meinen Willen tun als in Freiheit. Ich nahm Cassias beide Hände in die meinen und suchte ihren Blick. Ich wartete darauf, dass sie aufhörte, zu erzählen. Dann sagte ich leise: "Wie wäre es für dich, Cassia, wenn wir uns lange Zeit überhaupt nicht mehr sehen könnten?" RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Cassia - 03-23-2025 Normalerweise war Cassia eine von der Sorte, die lieber schwieg und sich erst einmal die Szenerie anschaute, bevor sie ihre Stimme erklingen ließ. Doch bei Nicander war dies immer etwas vollkommen anderes. Den Älteren kannte sie. Und sie vertraute ihm. Auch Bran vertraute sie. Hach Bran. Den claudischen Sklaven hatte sie nun seit den Saturnalien auch nicht mehr gesehen und so war sich Cassia gar nicht mehr sicher, ob Bran seine Worte überhaupt ernst gemeint hatte. Zwar schmiegte sich das Armband um ihr Handgelenk und erinnerte sie daran, dass es Brans Geschenk an sie war. Kurzzeitig betastete Cassia das Armband an ihrem Handgelenk. Bevor sie ihre Aufmerksamkeit auch schon auf Nicander konzentrierte und mit einem strahlen in den Augen zu dem Älteren emporblickte. “Wenn ich könnte würde ich meinen Dominus fragen, ob er dich in die Villa Furia holt. Ich mag nicht von dir getrennt sein. Irgendwann zerspringt mein Herz und ich falle tot um.“ Erklärte Cassia nun mit einem wahrlich ernsten Klang in ihrer Stimme. Auch ihre Augen blickten mit einem mal nicht mehr kindlich verspielt, sondern Ernst wie die eines Erwachsenen. “Gefällt es dir denn bei Domina Norbana Orestilla?“ Jene Worte sprach Cassia mit einem vorsichtigen Klang in ihrer Stimme und schielte dabei zu dem Älteren empor. Denn irgendwas hatte sich verändert. Und dies machte der jungen Sklavin Angst. Als Nicander nach ihren Händen griff, sie spürte wie sich die festen Hände ihres einstigen Dominus um ihre kleinen Händchen schlossen, schluckte Cassia hart. Ihr Herz trommelte dabei bis zu ihrem Hals empor und ein eisiger Schauer rieselte über ihren Rücken. “Nicander, du machst mir Angst.“ Murmelte der Lockenkopf mit leiser Stimme. Bevor sie verstummte und unruhig dreinblickte. Ja, Nicander machte ihr tatsächlich Angst. “Nein. Nein. Nein. Nein. Das akzeptiere ich nicht. Nein.“ Empörte sich Cassia mit einem mal, als Nicander jene unverschämte Frage an ihr Gehör dringen ließ. Augenblicklich wollte sie vor ihm zurückweichen, versuchte ihre Hände aus den seinigen zu ziehen. Mal sehen ob der Dunkelhaarige fester zupacken würde oder ob er ihre Hände freigeben würde. “Du darfst nicht weggehen. Nein. Bitte nicht.“ Nun bettelte Cassia mit schluchzender Stimme und es kullerten auch schon die ersten Tränen. Jene Tränen, die sie seitdem er vor der Porta der furischen Villa gestanden hatte, verzweifelt zurückgehalten hatte. “Bitte Nicander tu mir das nicht an. Bitte nicht.“ Noch immer haftete Cassias Stimme ein flehender Klang an. Auch wenn sie wusste, dass der Dunkelhaarige wohl keinerlei Entscheidungsgewalt hatte, seitdem er diesen dämlichen Vorschlag mit der Scheinsklaverei gemacht hatte. “Das ist alles deine Schuld. Du wolltest dass wir uns in ‚Scheinsklaverei‘ begeben. Und jetzt werden wir getrennt. Warum Nicander? Warum?“ Stieß es sich im nächsten Moment über Cassias bebende Lippen hervor, deren Augen noch immer in Tränen schwammen. RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Nicander - 03-24-2025 Ich konnte es nicht ertragen, wenn jemand wegen mir weinte und schon gar nicht Cassia. Auch meine Augen füllten sich mit Tränen, während sie tobte, schrie und weinte. Ja, sie gab mir sogar die Schuld, dass wir getrennt wurden, weil es meine Idee gewesen war, uns in Scheinsklaverei zu begeben. Sie hatte Recht, auch wenn ich es nur getan hatte, uns vor dem Verhungern zu retten, und ich umarmte sie, und wir beide weinten jetzt: "Meine Herrschaften ziehen nach Londinium. Sie nehmen mich mit. Aber das Haus in Iscalis behalten sie, und vermutlich werden wir auch ab und an in das Städtchen zurückkehren. Bitte, liebe Cassia, trockne deine Tränen. Schau, Londinium ist eine große, nicht ungefährliche Stadt. Räuber gibt es hier, und Sicarii, Dolchmänner, gedungene Mörder, und Hexen - oh , in jeder großen Stadt gibt es schlimme Hexen. .... So sah ich die Hexe Canidia, barfuß, den Mantel hoch geschürzt mit losem Haar, sie sang mit ihrer Schwester Sagana ihr Zauberlied. Ihr Anblick schon ließ schaudern, beide waren totenblass. Sie kratzten erst die Erde auf, ein armes schwarzes Lamm zerrissen sie mit Zähnen und vergossen sein Blut in ein tiefes Loch * Kannst du dir die liebste Domina Norbana Orestilla dort vorstellen? Vielleicht wird sie ja entführt, und ihr armer Nicander kauft sie mit seinem eigenen Blut von den Zauberinnen frei? Oder er allein spürt sie auf, wenn die Dolchmänner sie verschleppen? Keine Waffe führt er, nur Worte und Liebeskünste, um seiner Herrin beizustehen! Oder Norbana Orestilla verliert den goldenen Ring, den ausgerechnet ihr Gemahl ihr gab, und Nicander findet das Kleinod, gerade als es im Abguss verschwinden möchte! Der Herr wird mir sagen: Braver, guter Nicander, wir sind zu Dank dir verpflichtet. Du hast einen Wunsch frei, und selbst wenn es die Freiheit ist, will ich sie Dir nicht verwehren! Aber weißt du, was ich ihm sagen werde, Cassia! Ich sage ihm nämlich: "Herr, ich habe nur meine Pflicht getan, denn ich diene euch mit Treue. Aber wenn du mir einen Wunsch erfüllen möchrest, so kaufe mir die Cassia für deinen Haushalt. Denn lieb ist sie mir wie eine Schwester...." Meine Tränen versiegten. Ich sah in die Ferne. Meine eigenen Worte rissen mich mit, und es war mir gerade so, als würde das nicht in meiner Vorstellung, sondern hier und jetzt geschehen. Schon verjagte ich die Hexen, schon hob ich den goldenen Ring auf.... die Bühne, und das Leben, sie waren eins, und für mich waren sie immer eins gewesen. * nach Horaz RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Cassia - 03-24-2025 Cassias Augen schwammen in Tränen, als sie zu Nicander empor blickte, nachdem sie ihm ihr Leid geklagt hatte. Und dem Dunkelhaarigen sogar noch die Schuld an ihrer verflixten Situation gab. Ja! Denn es war einzig und alleine Nicanders Idee gewesen, dass sich er der Scheinsklaverei hingab, um sie beide sicher über die Runden zu bringen. Bei diesem Gedanken meldete sich ein leises Stimmchen in Cassias Hinterkopf und gemahnte sie, dass er dies eigentlich nur oder hauptsätzlich wegen ihr gemacht hatte. Damit sie ein schützendes Dach über dem Kopf hatten und eine wärmende Mahlzeit in den Bauch bekamen. Doch an all‘ dies dachte Cassia in ihrer Wut, in ihrer Verzweiflung und in ihrer Trauer nicht. Für sie war Nicander der Bösewicht, der sie auseinander gerissen hatte. Denn für Cassia war es faktisch unmöglich jemals nach Londinium zu gelangen. War sie doch hier an die furische Villa gekettet. Außer natürlich die kleine Domina würde den Wunsch hegen, einmal etwas anderes sehen zu dürfen, als nur die furischen Villenmauern. Ein wahrlich wahnwitziger Gedanke, der wohl niemals Realität werden würde. Denn wieso sollte sich Furia Saturnina wünschen, Londinium zu besuchen? Aberwitzig. Wirklich aberwitzig. Und während die Tränen nur so über Cassias Wangen strömten, klammerte sie sich an Nicander und vergrub ihr Gesicht an dem Älteren. Schluchzend und mit bebenden Schultern verharrte die Sklavin, bis ihre Tränen versiegt waren oder sie einfach keine Kraft mehr hatte. Dennoch würde ihr verschleierter Blick davon künden, dass sie bis vor kurzem noch hemmungslos geschluchzt und geweint hatte. Nachdem Cassia einige male tief durchgeatmet hatte, konzentrierte sie sich einzig und alleine auf Nicanders Worte. Wie sie es früher schon immer getan hatte. Nicander mit seiner weithallenden Stimme, die Cassia immer wieder verzauberte. “Londinium ist so weit weg Nicander.“ Murmelte die junge Sklavin. Denn selbst die Tatsache, dass seine Herrschaft das Haus in Iscalis behielten, bewies noch überhaupt nichts. Dies war wohl ein Abschied für immer. Und Cassia tat das Herz weh bei diesem Gedanken. “Du sagst es! Londinium ist eine gefährliche Stadt. Was ist, wenn dir etwas passiert? Das würde ich mir nie verzeihen können.“ Platzte es dann auch schon über Cassias Lippen, die erneut gefährlich zu beben begannen. Doch Nicander sprach nur von Norbana Orestilla. Es hatte ihn wohl besonders heftig erwischt. Und er dichtete sogar einen Vers auf seine junge, liebliche Domina. So dass Cassia erbleichte und ihre Lippen zu einem blutleeren Strich zusammen presste. “Du wirst dich aber nicht in Gefahr begeben, versprich mir das Nicander. Und die Domina wird doch von ihrem Ehemann beschützt. Das musst du doch nicht machen.“ Sprudelte es weiterhin über Cassias Lippen. Wie ein Wasserfall entglitten diese Worte ihren Lippen. War da etwa doch eine leise Eifersucht mit im Spiel? Nein, oder etwa doch? Cassia verstand einfach nicht, wieso sich Nicander so für seine Domina einsetzte. Musste das nicht eigentlich deren Ehemann tun? Als die grüngesichtige Eifersucht mit krallenartigen Fingern nach Cassia zu greifen versuchte, schüttelte diese ihren Kopf, so dass ihre Locken nur so um ihren Kopf umher flogen. Bevor sie vor Nicander zu Boden sank, ihren Kopf gegen seine Schienbeine presste und diese mit ihren schmalen Ärmchen umklammerte. “Was aber wenn dein Dominus dir deinen Wunsch nicht erfüllt? Dann werden wir uns nicht mehr wiedersehen.“ Wisperte Cassia mit leiser Stimme und schluckte vernehmlich. Ihren Kopf hielt sie abgewandt, drückte ihr Gesicht gegen Nicanders Wadenbeine. RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Nicander - 03-28-2025 Cassia beruhigte sich ein wenig. Sie schluchzte nicht mehr so arg, doch ihre Lippen zitterten und ihre Augen blieben tränenverhangen. Sie sagte mir, dass Londinium so weit weg und gefährlich sei, und dass wir uns gewiss nie wiedersahen. Auch ich weinte immer noch: "Liebe kleine Cassia, warum sollen wir uns nicht wieder sehen?", fragte ich : " Wir sind doch beide jung und bei bester Gesundheit. Und Londinium ist viel kleiner als Antiochia. Da passiert nicht viel Gefährliches. Obwohl ich mir wirklich eine große Gefahr wünsche, aus der ich die Herrschaften retten kann. Denn dann gibt es doch immer einen Wunsch frei", ich wischte mir eine Träne von der Wange: "Hoffentlich werde ich stattdessen nicht freigelassen. Denn ich habe kein Geld, und du hast kein Geld, was soll da nur werden? Aber liebe Cassia, ich sehe es schon vor mir: Die Domina, aus Todesgefahr befreit, noch zitternd schmiegt sie sich in die Arme des Herren und spricht: Leander, mein Gemahl, Nicander hat uns vor dem Tod gerettet. So bitte ihn, seinen Herzenswunsch zu äußern!" Und der Herr spricht: "Wie du es wünschst, meine Gattin, so ist es gerecht. Nun sprich, Nicander, Treuster der Treusten, was wünschst du dir? Und sollte es die Freiheit sein, so hast du mein Ehrenwort" Und der treue Nicander, noch verletzt und verbunden, hinkt in den Raum und trotz seiner Schmerzen beugt er das Knie: "Oh, Dominus, oh Domina, die Freiheit begehre ich nicht. Doch in der Villa Furia zu Iscalis, da lebt eine Sklavin, die Cassia heißt. ich bitte dich, kaufe sie!" Und die Herrschaften sprechen: "Dein Wunsch ist unbillig nicht, Nicander. Er soll dir erfüllt werden." Da geht Nicander wieder auf die Knie, ergreift die Hände der Domini, küsst sie vor überaus großer Freude... Oh, Cassia, hast du gehört? Bald sehen wir uns wieder! Aber da der mutige Sklave von seinem Einsatz noch verletzt ist, strauchelt er nun und wird gar ohnmächtig.... was für ein treuer, guter Diener...", ich verstummte, hingerissen und überwältigt von dem, was ich gerade im Geiste erlebt hatte. Für mich war es, als wäre es wirklich geschehen, und ich war mir so sicher, dass es geschehen konnte. Für mich war das, was geschah und das was ich mir ausdachte, nicht solch ein großer Unterschied: "Bitte trockne dir die Tränen, mein lieber Zimtkopf. Und bete und hoffe mit mir, denn mit Beten und Hoffen wird es gelingen" RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Cassia - 03-29-2025 Ihren Kopf hatte Cassia noch immer am Wadenbein des Dunkelhaarigen vergraben. Auch wenn ihre anfängliche Tränenflut versiegt war und sie nur noch leise schluchzte. Doch war jenes schluchzen wohl besonders schlimm, denn es zeigte doch, wie sehr sie diese Trennung schmerzte. Diesen Verlust ihres Herrn. Denn auch wenn der Furier ihr Herr war, zumindest hatte er sie vom Sklavenhändler erstanden. So sah sie in Nicander noch immer ihren wahren Herrn. Jenen Menschen dem sie ihre schlimmsten Ängste und Sorgen, sowie Nöte anvertraute. Schon atmete der Lockenkopf tief durch und konzentrierte sich auf Nicander. Schniefend das Geräusch, als sie sich über ihr gerötetes Näschen mit dem Ärmel ihrer Tunika wischte. Um dann aus großen Augen zu dem Älteren empor zu blicken. Als Nicander erklärte, dass Londinium viel kleiner als Antiochia war, neigte sich Cassias Kopf kaum merklich auf die Seite. Hatte der Ältere ihr nicht zugehört? Es war völlig egal wo sich Nicander befand. Er war nicht mehr an ihrer Seite, um sie eventuell beschützen zu können, wie er es früher immer getan hatte. Da war es vollkommen egal ob er sich nun in Londinium, in Antiochia oder sonst wo befand. Der Schauspieler würde sie verlassen. ‚Er musste seiner Herrschaft gehorchen!‘ Bäh! “Du wirst mich nicht einfach so besuchen können. Und ich werde dich nicht einfach so besuchen können. So einfach ist das Nicander.“ Stellte Cassia mit einem altklugen Glanz in ihren Augen fest und blickte dabei zu dem Älteren empor. Nicander durfte doch gewiss sein, dass sie sich, wenn er erst einmal in Londinium verweilte, schwerlich sehen würden. Sie hatten sich ja selbst hier in der Provinz nicht mehr gesehen und da wohnten sie quasi Tür an Tür. War es da etwa so verwunderlich, dass es Cassia schmerzte, wenn sich Nicander nicht mehr in der Provinz befand? Außerdem war Cassia sogar ein bisschen neidisch auf den Älteren. Schließlich würde sie selbst niemals nach Londinium gelangen. Furia Saturnina würde nie den Wunsch hegen nach Londinium reisen zu wollen und ihren Dominus würde sie auch niemals dorthin begleiten können. Als Nicander dann wieder anfing von einer großen Gefahr zu sprechen, in der sich seine Domini begeben sollten, dass er als Held auftreten konnte. Verdrehte Cassia ihre Augen. “Nicander. So etwas wird niemals geschehen. Wieso auch? Deine Domina ist eine zu liebe Person, als dass sie sich in Gefahr begibt. Und über deinen Dominus kann ich nichts sagen.“ Erklärte Cassia und blickte Nicander zweifelnd an. Hatte der Ältere bei seiner Vorstellung etwa den Verstand verloren? Oder wieso steigerte er sich auf einmal derart in diese Szenerie hinein? “Ich möchte nicht, dass du dich in Gefahr begibst.“ Stellte Cassia noch einmal mit einem entschiedenen Klang in ihrer Stimme klar und krallte ihre Finger auch schon in die Tunika ihres einstigen Herrn, wie um Nicander daran schütteln zu können. “Oh Nicander. Du stehst aber nicht auf einer Bühne. Du stehst hier vor mir. Und später wieder vor der lieblichen Domina Norbana Orestilla.“ Erinnerte Cassia den Älteren und schüttelte dabei leicht ihren Kopf. Offensichtlich hatte sich der Schauspieler in seine Idee regelrecht hinein gesteigert, dass er diese womögliche, zukünftige Szenerie deutlich vor Augen stehen hatte. “Ich bin böse auf dich Nicander. Du hast diesen dämlichen Vorschlag gemacht. Und nun werden wir wegen dir getrennt. Hättest du diesen dämlichen Vorschlag nicht gemacht, wären wir noch immer Seite an Seite.“ Erinnerte Cassia den Älteren wieder einmal daran und senkte anschließend ihren Blick gen Boden. “Beten tun nur diese Christianer. Das ist verboten Nicander, das weißt du doch.“ Oh man. Wieso musste sie dem Älteren denn alles erklären, hm? “Aber ich werde zuversichtlich darauf hoffen, dass wir uns eines Tages wieder sehen. Auch wenn du dich dabei in Gefahr begeben musst. So werde ich zwar mit dir schimpfen wenn wir uns wieder sehen. Mich aber dennoch glücklich strahlend in deine Arme werfen.“ Erklärte der Zimtkopf und blickte dabei mit einem sanften strahlen in den Augen zu Nicander empor. RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Nicander - 03-30-2025 Cassia war wirklich kein Kind mehr. Denn sie ließ sich nicht mit Märchen mehr umgarnen oder mit schönen Geschichten, und während sie früher an meinen Lippen gehangen hatte, traf mich nun der verletzte Blick einer jungen Frau. “Oh Nicander. Du stehst aber nicht auf einer Bühne. Du stehst hier vor mir. Und später wieder vor der lieblichen Domina Norbana Orestilla.“ sagte sie mir kopfschüttelnd und: “Ich bin böse auf dich Nicander. Du hast diesen dämlichen Vorschlag gemacht. Und nun werden wir wegen dir getrennt. Hättest du diesen dämlichen Vorschlag nicht gemacht, wären wir noch immer Seite an Seite.“ Sie senkte den Kopf, und ich hob ihr Kinn. Ich hätte früher ihre Nase angepustet, wenn ich das machte, um sie zum Lachen zu bringen, aber nun schien es mir nicht angemessen, so etwas Kindliches zu tun. Ich hob nur ihr Kinn und versenkte meinen Blick in ihre Augen: "Meine liebe Cassia, du warst damals so dünn, dass deine Ellenbogen so spitz waren, dass ich fürchtete, du könntest dich selbst damit verletzen", sagte ich: "Ich hatte Angst, dass du mir vor Hunger stirbst oder krank wirst. Das musst du mir glauben, Cassia, mein lieber Zimtkopf. Denn ich weiß, dass du, wenn wir das Essen teilten, mir doch immer die fettesten Bissen zugeschoben oder gesagt hast, dass du nicht hungrig wärst" Sie schaute mit strahlenden Augen zu mir empor und sagte: Aber ich werde zuversichtlich darauf hoffen, dass wir uns eines Tages wieder sehen. Auch wenn du dich dabei in Gefahr begeben musst. So werde ich zwar mit dir schimpfen wenn wir uns wieder sehen. Mich aber dennoch glücklich strahlend in deine Arme werfen.“ Mein Blick fiel auf ihre Lippen, und dann zog ich sie zu mir her und küsste sie ganz sanft auf den Mund. Es war mehr Trost, den ich ihr spenden wollte, als Lust. Ich ließ sie aber gleich wieder los, denn ich hatte sie nicht erschrecken wollen. Und mich nicht an ihr vergreifen; als ihr kyrios hatte ich das nie getan, und jetzt würde ich nicht damit anfangen. RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen - Cassia - 03-30-2025 Vor einigen Jahren, als Cassia ihren Eltern abgekauft wurde. War sie tatsächlich ein naives Mädchen gewesen. Ein junges Ding, dass man mit Märchen und schönen Geschichten umgarnen konnte. Und dass sich immer als Prinzessin diesen Geschichten sah, um von dem herrschaftlichen Prinzen gerettet zu werden. Dies jedoch gehörte bereits einer Zeit an, die Cassia als ihre Vergangenheit bezeichnete. Und ihre Zukunft? Ihre Zukunft würde sie nun ohne Nicander gestalten müssen. Denn ihrer beider Lebensfaden begann sich zu entwirren. Sich zu zerfasern, um schließlich so dünn zu werden, so dass man überhaupt nicht wissen konnte, dass diese beiden Seelen eines Tages miteinander verbunden waren. Schon senkte sich Cassias Blick. Wandte sich von den Augen ihres einstigen kýrios ab und fokussierte stattdessen den staubigen Boden zu ihren Füßen. Nicander hatte seine Entscheidung getroffen und Cassia hatte keinerlei Worte um ihn davon abzubringen. Sie würden getrennt werden. Und niemand würde wissen ob sie sich jemals wieder sehen würden. Denn wie bereits gesagt, war es für Cassia faktisch unmöglich nach Londinium zu gelangen. Somit war sie an die furische Villa gekettet. Umgeben von ihrem Hundchen und der kleinen Domina. Nicanders Finger unter ihrem Kinn war es dann jedoch, der sie ihren Kopf langsam anheben ließ. So dass sie mit einem leuchtenden Glanz in ihren Augen zu ihrem einstigen kýrios empor blickte. “Aber jetzt bin ich gar nicht mehr dünn Nicander. Ich bekomme genügend zu Essen.“ Plapperte die Sklavin und musterte den Dunkelhaarigen. “Du hattest ganz schlimmen Husten Nicander, als wir hier ankamen. Ich habe dich gesund gepflegt. Und immer über dich gewacht. Wer wird das jetzt machen?“ Seine Domini würden von nun an über ihren kýrios wachen und ihn gesund pflegen, wenn Nicander wieder einmal Husten bekommen sollte. Matt der Glanz in Cassias Augen, als sie auch schon näher gezogen wurde. Nicanders Lippen spürte, wie sich diese auf ihre bebenden und nach Salz schmeckenden Lippen betteten. Ein zarter Schmetterlingskuss. Ein Kuss, der Cassias Herz rascher in ihrer Brust pochen ließ. “Nicander. Wieso?“ Murmelte Cassia mit hauchzarter Stimme und bettete ihre Finger auf ihre Lippen, beinahe so als wollte sie dem soeben empfangenen Kuss nachspüren. “Das ist ein schöner Abschiedsgruß gewesen. Danke dafür kýrios.“ |