RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen
Ich konnte es nicht ertragen, wenn jemand wegen mir weinte und schon gar nicht Cassia. Auch meine Augen füllten sich mit Tränen, während sie tobte, schrie und weinte. Ja, sie gab mir sogar die Schuld, dass wir getrennt wurden, weil es meine Idee gewesen war, uns in Scheinsklaverei zu begeben. Sie hatte Recht, auch wenn ich es nur getan hatte, uns vor dem Verhungern zu retten, und ich umarmte sie, und wir beide weinten jetzt:
"Meine Herrschaften ziehen nach Londinium. Sie nehmen mich mit. Aber das Haus in Iscalis behalten sie, und vermutlich werden wir auch ab und an in das Städtchen zurückkehren.
Bitte, liebe Cassia, trockne deine Tränen. Schau, Londinium ist eine große, nicht ungefährliche Stadt. Räuber gibt es hier, und Sicarii, Dolchmänner, gedungene Mörder, und Hexen - oh , in jeder großen Stadt gibt es schlimme Hexen. ....
So sah ich die Hexe Canidia,
barfuß, den Mantel hoch geschürzt mit losem Haar,
sie sang mit ihrer Schwester Sagana ihr Zauberlied.
Ihr Anblick schon ließ schaudern, beide waren totenblass.
Sie kratzten erst die Erde auf,
ein armes schwarzes Lamm
zerrissen sie mit Zähnen und vergossen sein Blut in ein
tiefes Loch *
Kannst du dir die liebste Domina Norbana Orestilla dort vorstellen? Vielleicht wird sie ja entführt, und ihr armer Nicander kauft sie mit seinem eigenen Blut von den Zauberinnen frei? Oder er allein spürt sie auf, wenn die Dolchmänner sie verschleppen? Keine Waffe führt er, nur Worte und Liebeskünste, um seiner Herrin beizustehen! Oder Norbana Orestilla verliert den goldenen Ring, den ausgerechnet ihr Gemahl ihr gab, und Nicander findet das Kleinod, gerade als es im Abguss verschwinden möchte!
Der Herr wird mir sagen: Braver, guter Nicander, wir sind zu Dank dir verpflichtet. Du hast einen Wunsch frei, und selbst wenn es die Freiheit ist, will ich sie Dir nicht verwehren!
Aber weißt du, was ich ihm sagen werde, Cassia! Ich sage ihm nämlich: "Herr, ich habe nur meine Pflicht getan, denn ich diene euch mit Treue. Aber wenn du mir einen Wunsch erfüllen möchrest, so kaufe mir die Cassia für deinen Haushalt. Denn lieb ist sie mir wie eine Schwester...."
Meine Tränen versiegten. Ich sah in die Ferne. Meine eigenen Worte rissen mich mit, und es war mir gerade so, als würde das nicht in meiner Vorstellung, sondern hier und jetzt geschehen. Schon verjagte ich die Hexen, schon hob ich den goldenen Ring auf....
die Bühne, und das Leben, sie waren eins, und für mich waren sie immer eins gewesen.
* nach Horaz
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