RE: [In der Nähe der Villa Furia] Abschied von Zimt umd Rosen
Normalerweise war Cassia eine von der Sorte, die lieber schwieg und sich erst einmal die Szenerie anschaute, bevor sie ihre Stimme erklingen ließ. Doch bei Nicander war dies immer etwas vollkommen anderes. Den Älteren kannte sie. Und sie vertraute ihm. Auch Bran vertraute sie. Hach Bran. Den claudischen Sklaven hatte sie nun seit den Saturnalien auch nicht mehr gesehen und so war sich Cassia gar nicht mehr sicher, ob Bran seine Worte überhaupt ernst gemeint hatte. Zwar schmiegte sich das Armband um ihr Handgelenk und erinnerte sie daran, dass es Brans Geschenk an sie war. Kurzzeitig betastete Cassia das Armband an ihrem Handgelenk. Bevor sie ihre Aufmerksamkeit auch schon auf Nicander konzentrierte und mit einem strahlen in den Augen zu dem Älteren emporblickte. “Wenn ich könnte würde ich meinen Dominus fragen, ob er dich in die Villa Furia holt. Ich mag nicht von dir getrennt sein. Irgendwann zerspringt mein Herz und ich falle tot um.“ Erklärte Cassia nun mit einem wahrlich ernsten Klang in ihrer Stimme. Auch ihre Augen blickten mit einem mal nicht mehr kindlich verspielt, sondern Ernst wie die eines Erwachsenen. “Gefällt es dir denn bei Domina Norbana Orestilla?“ Jene Worte sprach Cassia mit einem vorsichtigen Klang in ihrer Stimme und schielte dabei zu dem Älteren empor. Denn irgendwas hatte sich verändert. Und dies machte der jungen Sklavin Angst.
Als Nicander nach ihren Händen griff, sie spürte wie sich die festen Hände ihres einstigen Dominus um ihre kleinen Händchen schlossen, schluckte Cassia hart. Ihr Herz trommelte dabei bis zu ihrem Hals empor und ein eisiger Schauer rieselte über ihren Rücken. “Nicander, du machst mir Angst.“ Murmelte der Lockenkopf mit leiser Stimme. Bevor sie verstummte und unruhig dreinblickte. Ja, Nicander machte ihr tatsächlich Angst. “Nein. Nein. Nein. Nein. Das akzeptiere ich nicht. Nein.“ Empörte sich Cassia mit einem mal, als Nicander jene unverschämte Frage an ihr Gehör dringen ließ. Augenblicklich wollte sie vor ihm zurückweichen, versuchte ihre Hände aus den seinigen zu ziehen. Mal sehen ob der Dunkelhaarige fester zupacken würde oder ob er ihre Hände freigeben würde. “Du darfst nicht weggehen. Nein. Bitte nicht.“ Nun bettelte Cassia mit schluchzender Stimme und es kullerten auch schon die ersten Tränen. Jene Tränen, die sie seitdem er vor der Porta der furischen Villa gestanden hatte, verzweifelt zurückgehalten hatte. “Bitte Nicander tu mir das nicht an. Bitte nicht.“ Noch immer haftete Cassias Stimme ein flehender Klang an. Auch wenn sie wusste, dass der Dunkelhaarige wohl keinerlei Entscheidungsgewalt hatte, seitdem er diesen dämlichen Vorschlag mit der Scheinsklaverei gemacht hatte. “Das ist alles deine Schuld. Du wolltest dass wir uns in ‚Scheinsklaverei‘ begeben. Und jetzt werden wir getrennt. Warum Nicander? Warum?“ Stieß es sich im nächsten Moment über Cassias bebende Lippen hervor, deren Augen noch immer in Tränen schwammen.
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