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Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium
03-23-2025, 06:26 PM,
Beitrag #2
RE: Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium
Die Hinrichtung war bereits vor Stunden vollstreckt worden. Die Schaulustigen, die gierig einen Blick auf den armen Kerl werfen wollten, der heute seinen Kopf verloren hatte, waren längst wieder zu ihrem Tagwerk zurückgekehrt. Das Leben in Londinium nahm wieder seinen gewohnten Lauf.

Auch Gwen streifte wieder durch die Straßen. Ihre Augen waren wachsam, die Finger locker und bereit. In ihrer Aufmachung als Bettlerin erregte sie kaum Aufmerksamkeit. Der Tag neigte sich langsam dem Ende zu, und die meisten wohlhabenden Römer hatten sich hinter die sicheren Mauern ihrer Villen zurückgezogen. Doch Londinium schlief nie. Es gab immer jemanden, der unachtsam war.

Mit geschultem Blick ließ Gwen ihre Umgebung nicht aus den Augen. Die meisten Menschen, die an ihr vorübergingen, waren entweder zu arm oder zu vorsichtig, um sich als lohnende Beute anzubieten. Doch das störte sie nicht weiter – der Tag war bereits erfolgreich gewesen. Während der Hinrichtung am Vormittag hatte sie den Beutel eines reichen römischen Geldsacks erbeutet. Das würde für ein paar Tage reichen.

Gerade wollte sie ihre Suche für heute beenden, als ihr Blick an einem Mann hängen blieb. Ein Kelte. Feine Kleidung. Bronzene Fibeln. Kein Bettler, sondern jemand mit Silber in der Tasche – und, noch besser, er wirkte vollkommen abgelenkt. Ziellos trieb er durch die Straßen, als wäre er von inneren Dämonen gejagt. Perfekt.
Gwen spürte das vertraute Kribbeln der Vorfreude. Lautlos setzte sie sich in Bewegung, hielt aber stets einen gewissen Abstand. Mit der Geschmeidigkeit einer Jägerin passte sie sich seinem Tempo an und lauerte auf den perfekten Moment.
Plötzlich blieb der Mann stehen, lehnte sich gegen eine Hauswand und schloß seine Augen. Gwen verlangsamte ihren Schritt, beobachtete ihn weiter. Dann setzte er sich wieder in Bewegung. Jetzt!
Mit einem scheinbar unbeabsichtigten Stolpern prallte sie gegen ihn.
"Pass doch auf!" fauchte sie gespielt verärgert, während ihre geschickten Finger unbemerkt unter seinen Mantel huschten.
Der Geldbeutel glitt wie von selbst in ihre Hand. Der Blonde bemerkte nichts. Kein misstrauischer Blick, kein Zögern – er lief einfach weiter, ohne ein Wort der Entschuldigung. Und ohne zu ahnen, dass er gerade erleichtert worden war.

Gwen unterdrückte ein Grinsen, ließ den Beutel in den Falten ihres löchrigen Umhangs verschwinden und bog in die nächste Gasse ab. Wenn das kein erfolgreicher Tag! Doch wer wusste – vielleicht bot sich noch eine weitere Gelegenheit.
[Bild: 3_15_08_22_9_39_13.png]
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RE: Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium - von Gwen - 03-23-2025, 06:26 PM

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