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Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
03-22-2025, 08:00 AM,
Beitrag #19
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Jedes ihrer Worte war eine Klinge, scharf und präzise geführt, und das Schlimmste war – ich konnte nichts dagegen sagen. Nichts, was nicht schwach klingen oder noch mehr zerstören würde. Aber dann kam ihre Drohung, meine Freilassung wieder rückgängig machen zu wollen.
Meine Hände ballten sich unwillkürlich zu Fäusten. Ich konnte es kaum fassen. Sie drohte mir ernsthaft damit, mich wieder in Ketten zu legen? Mich zu bestrafen, weil ich mein Kind sehen wollte?
Es wäre so leicht gewesen, in den Zorn hineinzufallen, ihr ins Gesicht zu schleudern, dass sie es doch versuchen solle. Dass sie ruhig sehen solle, was passiert, wenn sie einen freien Mann zurück in die Sklaverei werfen will. Aber dann sah ich sie an – wirklich an.
Sie stand mit geradem Rücken da, als müsste sie sich gegen einen Feind behaupten. Sie wollte unerschütterlich wirken, unantastbar. Doch hinter ihrer Wut lag etwas anderes. Angst. Nicht vor mir. Sondern vor dem, was war, und dem, was sein könnte. Vielleicht fürchtete sie sich sogar vor der Möglichkeit, dass ich bleiben könnte. Dass ich wirklich ein Teil im Leben unserer Tochter werden könnte.
Ich atmete tief durch, zwang mich zur Ruhe, doch das Gift in meiner Brust ließ sich nicht mehr zurückhalten.
Ein bitteres Lachen entkam mir, trocken, ohne jedes Gefühl von Humor. "Weißt du, Aglaia, ich hätte mich lieber in den Bleiminen zu Tode geschuftet, als dich jemals zu treffen." Meine Stimme war leise, kalt. "Du bist so niederträchtig. So herzlos. Und du redest von Liebe und Sicherheit, während du mich mit Füßen trittst, als wäre ich nichts. Als wäre ich nie etwas gewesen."
Ich schüttelte den Kopf, verbittert, wütend, doch vor allem verletzt. "Ich habe geglaubt, ich hätte dich einmal gekannt. Was für eine dumme, naive Vorstellung. Du warst immer nur auf dich selbst bedacht." Mein Blick glitt über sie, suchte nach einem Funken von dem Menschen, den ich einmal geliebt hatte – vergeblich. Ich trat einen Schritt zurück, nicht weil sie es mir befahl, sondern weil ich es nicht mehr ertragen konnte, sie anzusehen.
"Ich hoffe, du bist stolz auf dich, Aglaia. Wirklich." Meine Stimme war nur noch ein leises Grollen, durchtränkt von Bitterkeit. "Aber weißt du was? Du bist nicht fähig zu lieben. Das hast du mir selbst einmal gesagt und ich Idiot habe es damals nicht für möglich gehalten. Aber dein Herz ist kalt wie Stein. Vielleicht glaubst du, dass du deiner Tochter Liebe gibst, aber du weißt doch gar nicht, was das bedeutet."
Ich schüttelte den Kopf und musterte sie mit einem Blick, in dem kaum mehr als Ernüchterung lag. "Eines Tages wirst du allein dastehen. So, wie du es verdienst. Denn irgendwann wird auch dein neuer Ehemann erkennen, was für ein Mensch du wirklich bist. Und wenn du auch ihn in die Flucht geschlagen hast, dann bin ich gespannt, ob dir deine Härte dann noch bleibt, wenn du nachts aufwachst und merkst, dass du alles um dich herum zerstört hast."
Ich drehte mich um und ging, ohne ein weiteres Wort.

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RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise - von Licinianus Owain - 03-22-2025, 08:00 AM

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