>>> Hatte sie sich zu sehr gefreut? Hatte man ihre Freude allzu deutlich auf ihrem Gesicht strahlen sehen? Für Nicander war ihre Freude wohl allzu überdeutlich und so schob er Cassias übersprudelnder Freude sogleich einen Riegel vor, in dem er erklärte, dass sie lediglich die Straße auf und ab gehen würden. Oder waren diese Worte in erster Linie gar nicht für sie bestimmt, sondern für den furischen Ianitor? Außer Sichtweite des Ianitors spürte Cassia, wie Nicander nach ihrer Hand griff und schon schmiegte sie ihre kleinen Finger in die Hand ihres einstigen Herrn. Die ersten Schritte schwieg Cassia, sowie auch Nicander schwieg und blickte an den hohen Gebäuden empor, die streng und still rechts und links von ihnen aufragten.
“Gehen wir wirklich nur die Straße auf und ab?“ Wollte Cassia von dem Älteren wissen. Hielt sie es doch nicht länger aus, einfach nur schweigend neben ihm einherzugehen. Und Nicander konnte bestimmt auch ihren Blick auf sich spüren, denn Cassia drehte ihren Kopf immer wieder in seine Richtung und blickte zu dem Dunkelhaarigen empor.
“Ich vermisse dich Nicander.“ Platzte es dann auf einmal über Cassias Lippen und man konnte Tränen in ihren Augen erkennen.
Schniefend wischte sie sich auch schon über ihre Augen und blinzelte zu dem Dunkelhaarigen empor.
“Es ist so schrecklich, dass ich dich nicht mehr jeden Tag sehen kann.“ Wisperte die gelockte Sklavin mit leiser Stimme und biss sich im nächsten Moment auf ihre Unterlippe, die bedrohlich zu beben begann. Jetzt nur nicht losheulen.
“Ich versuche meinem Dominus keinen Schaden zu bereiten. Aber manchmal gelingt mir das nicht immer.“ Noch immer war Cassias Stimme leise, gar bedrückt. Wobei Nicander spüren konnte, wie die kleine Hand der jungen Sklavin in seiner Hand zu zittern begann.
“Das Hündchen habe ich wirklich behalten dürfen. Meine kleine Domina liebt das Hündchen. Und ich habe meine kleine Domina sehr gerne. Nur einen Namen hat das Hündchen noch nicht. Das wollte ich eigentlich Bran überlassen. Aber seit den Saturnalien habe ich Bran nicht mehr gesehen. Mein Dominus mag Bran nicht. Glaube ich.“ Noch einmal wischte sich Cassia über die Augen und versuchte ein Lächeln auf ihre Lippen zu zaubern.
“Ich habe Bran sehr, sehr gerne.“ Ganz leise sprach Cassia diese Worte und blickte dabei zu Nicander empor. Wie der Ältere wohl auf diese Wahrheit der Sklavin reagierte?
“Ich war noch nie krank Nicander. Mein Körper mag nicht krank sein.“ Wie sich krank-sein anfühlte, wusste Cassia tatsächlich nicht.
“Ich bin Spaßmacherin der kleinen Domina. Furia Saturnina habe ich sehr lieb. Nur wenn meine keine Domina spinnen und weben muss, finde ich das nicht so toll. Dann bin ich immer alleine. Und Furia Saturnina muss eine Dame werden, sagt die Domina.“ Erklärte Cassia mit leiser Stimme.
“Ich würde so gerne mit meinen Feuerbändern jonglieren. Aber das hat mir der Dominus verboten. Feuer ist gefährlich hat er gesagt und Catia hat das auch gesagt. Wir haben nämlich Besuch von Dominus Tiberius Furius Victor bekommen. Das ist der Sohn von meinem Dominus. Und mit Domina Furia Saturnina und Dominus Tiberius Furius Victor habe ich dann mit meinem Hundchen gespielt.“ Erklärte Cassia, wobei ihre Augen hell aufleuchteten.
“Ich wäre aber so gerne bei dir Nicander. Auch wenn ich meine kleine Domina sehr gerne habe.“ Gestand Cassia schließlich leise, wurde immer langsamer und blieb schließlich vor Nicander stehen.