Rango errötete wie stets, wenn er Frau Gerwina begegnete. Auf seine jungenhafte Weise schwärmte er für die Schwester seines Herren. Aber er nahm sich zusammen und verbeugte sich:
"Fraue Gerwina, ein Brief für dich ist gekommen. Der Silberhändler Andrippus hat ihn hergebracht", sagte er auf Germanisch, da sie unter sich waren und gab Gabinia Clara den Brief:
Eisu grüßt Clara, so darf ich Dich doch nennen? Ich bin nun wieder in meinen eigenen vier Wänden, auf meinem Land, unter meinem Dach, doch wenn ich die Augen schließe, so sehe ich vor mir die Elfe aus dem fernen Germanien, mit goldblondem Haar und Augen so grün wie das Meer vor den Klippen von Albion. Bald ist August, die Erntezeit steht an, und doch fliegen meine Gedanken zurück. Bin ich denn der Göttin Frija begegnet, die ihre schwarzen Wälder und unbärdigen Ströme verlassen hat, um mit ihrem von Katzen gezogenen Wagen nach Britannien zu kommen? Wo bist du, Göttin, wo deine liebliche Gestalt, deine melodische Stimme? Wärst du hier, wäre alles gut und mein Herz wäre ruhig.
Ich weiß nicht, ob du noch an meine Einladung und an den See Gweder denkst. Oder lässt dich dein strenger Bruder nicht fort? Ich gelobe ihm, dass Du in meinem Haus nur geehrt werden sollst, so wie keine Frau, weder Römerin, Germanin noch Keltin je geehrt worden ist. Wenn ich fehle, so mag er mich töten.
Doch noch schöner wäre es, wenn er dich begleitet, und seine liebe Frau und seine Kinder und auch unsere gute Freundin Fenia. Dann wollen wir alle zusammen fröhlich sein.
Bitte schreibe mir. Oder komme selbst. In Ehrfurcht und mit Liebe Eisu ap Comu
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