(04-23-2024, 02:53 PM)Gabinia Clara schrieb: Gerwina nickte zufrieden, als Sonnwin sagte, dass Eisu hier in der Villa bleibt, da sein Heim fast drei Tagesreisen entfern ist.
"Gut, ich werde mich darum kümmern," sie schaute ihren Gast an, "Wir haben ein schönes und sehr bequemes Gästezimmer, ich werde dich später dorthin begleiten, werter Eisu...". Die Sonne war bereits untergegangen und die ersten Sterne funkelten wie Edelsteine am Firmament. Eisu Ap Comux sagte dann, er würde sich freuen, wenn die Geschwister ihn besuchen kommen, man könnte sogar in den Bergbächen im Sommer baden. Das hörte Gerwina gern, denn sie konnte sehr gut schwimmen und blickte ihren Bruder an. "Es wäre schön, wenn wir kommen könnten, nicht wahr, Bruder?", fragte sie, denn es lag an ihm die Einladung anzunehmen, oder sie abzulehnen.
"Vom See Gweder habe ich noch nichts gehört, aber ich werde den See Gweder, wenn ich da bin, danach fragen...". Gerwina nickte und blickte den Kelten an, "Aber in unserer Heimat gibt es auch eine Quelle, die Heilige Quelle der Frija, die wir verehren und die hier Brigid heißt, darin habe ich auch schon vieles erblickt, was natürlich ein Geheimnis ist, edler Fürst Eisu Ap Comux!" lächelte Gabinia verschmitzt und sang feierlich ihr Lied:
"Frija ist die sprudelnde Quelle,
Immer erneuernd und doch gleich,
Die ständig fließt und nie versiegt.
Sprudelnd ergießt sie sich ins Leben,
Lässt Blumen sprießen und Freude keimen,
Aus ihrem Brunnen zu schöpfen erquickt uns.
Leicht wie ein Blatt treiben wir auf ihrem Wasser,
An allen Hindernissen des Lebens vorbei,
Ihr kostbares Nass stillt unseren Durst.
Sie umfängt uns mit ihrer Gunst,
Das Raunen des Wassers singt uns in den Schlaf,
Frijas Wasser trägt uns im Leben." *
*Michael Schütz
![[Bild: Wagenlenker-rund-1.png]](https://i.postimg.cc/VLPx54Lh/Wagenlenker-rund-1.png)
Eisu ap Comux war müde, aber er konnte noch nicht schlafen. Wenn er ehrlich war, dachte er an meergrüne Augen und goldenes Haar. Er erhob sich.
Vor der Tür hockte der junge Spiros.
"Salve mein Junge", sagte Eisu freundlich. Der Sklave spritzte auf "Dominus? Ist etwas nicht in Ordnung mit dem Zimmer? Brauchst du mehr Decken oder Kissen oder soll ich die Öllampe nachfüllen?"
"Oh nein, es ist alles zu meiner Zufriedenheit. Aber auf dem Weg in mein Zimmer habe ich gesehen, dass ihr hier im Haus eine Bibliothek habt. Meinst du, ich könnte dort ein wenig lesen?"
"Ich führe dich hin, Herr"
Spiros nahm sein Laternchen und ging voran. Er öffnete die Tür zur Bibliothek, die Herr Gabinius Secundus für Domina Stella eingerichtet hatte. Durch das große Fenster drang zwar silberner Mondenschein, aber zum Lesen war es zu dunkel. Der Junge holte noch einen Kerzenständer und zündete drei Kerzen an.
"Weißt du, wie die Bibliothek geordnet ist?"
Spiros schüttelte den Kopf: "Nein, ich weiß es nicht. Aber Domina Clara erteilt mir hier immer Unterricht, und ich glaube, sie haben sehr, sehr viele Bücher hier"
"Domina Clara? So, so" , da war er, ihr Name. Die Gabinia unterrichtete also ihre kleinen Diener:
" Deine Domina hat mir so ein schönes Lied vorgesungen. Von einer Göttin, die sie Fri - ja nennt. Es muss ein Name aus ihrer Heimat sein. Meinst du, dass es hier vielleicht ein Buch über die Chatten gibt?"
"Welche Katzen?", fragte Spiros, der anstatt Chatti Catti hörte. Aber er wusste es wirklich nicht.
"Ist schon gut. Ich werde etwas zu lesen finden. Geh du besser schlafen, Junge, ich brauche in der Nacht keine Bedienung... wie heißt du?"
"Spirus, Herr"
"Ich finde den Weg zurück, Spirus. Gute Nacht" Spiros gehorchte, verabschiedete sich und verschwand. Aber anstatt ein Buch zu suchen, stellte sich Eisu ans Fenster und schaute erst einmal in die herrliche Nacht hinaus. Die Apfelblüten draußen schimmerten, die Luft roch nach frischem Wasser.