(04-07-2024, 04:41 PM)Publius Gabinius Secundus schrieb: Nun hatte Clara gesungen. Sie sang selten vor Gästen, aber sie hatte die samtene Stimme Gerlindas geerbt. Sie musste Eisu ap Comux gerne haben, denn es klang wie ein Lied des Trostes (eine der neun Gesänge, die auch ein Skalde beherrschen musste)
Alle applaudierten, ich am lautesten. Dann nahm ich meine linke Hand und tippte auf die verschiedenen Abschnitte. Jedes einzelne Fingerglied entsprach einer Tonhöhe. Elfried kannte diese Art, die Musik anzugeben, und er hob seine Schalmei, mich zu begleiten.
Ich sang:
"Seid, o Geister des Hains, o seid, ihr Nymphen des Flusses,
Eurer Entfernten gedenk, eueren Nahen zur Lust!
Weihend feierten sie im stillen die ländlichen Feste;
Wir, dem gebahnten Pfad folgend, beschleichen das Glück.
Amor wohne mit uns! es macht der himmlische Knabe
Gegenwärtige lieb und die Entfernten euch nah."*
![[Bild: Wagenlenker-rund-1.png]](https://i.postimg.cc/VLPx54Lh/Wagenlenker-rund-1.png)
Da beugte sich Eisu Ap Comux nun zu Clara und mir und sagte: "Ich danke euch für diese Lieder, Herr Gabinius und Herrin Clara.
Ich will gewiss nicht undankbar gegenüber eurer Gastfreundschaft erscheinen, und daher möchte ich euch beiden erzählen, was mir widerfahren ist",
der Kelte winkte meine Schwester und mich zu sich, und wir steckten die Köpfe zusammen:
"Die Herrin Damona, meine ehemalige Verlobte, hat mir unter Tränen gestanden, dass sie schon seit langem einen Krieger ihres Vaters Deccus liebt. Und er liebt sie. Sie hat nie etwas Unrechtes getan, aber mich kann sie nun einmal nicht lieben.
Was sollte ich da machen? Ich habe sie freigegeben. Ich kann das Herz einer Frau doch nicht zwingen. Im Gegenteil, ich wünsche ihr Liebe und Glück. Die beiden jungen Leute haben nichts anderes getan, als sich ineinander zu verlieben. Mich kannte Damona da noch nicht, es war ihr Vater, der uns verlobt hat.
Es liegt also nicht an euch, werte Gabinier, wenn ich heute keine gute Gesellschaft bin. Im Gegenteil, dass schöne Lied der lieben Herrin hier...", und dabei sah Eisu Ap Comux Clara sehr freundlich an:
"Tröste dich, die Stunden eilen,
und was all dich drücken mag,
auch das Schlimmste kann nicht weilen,
und es kommt ein andrer Tag.
...hat mir schon etwas die Last vom Herzen genommen. Es ist an der Zeit, wieder froh zu werden.
Ich könnte es aber auch verstehen, wenn sich die edle Herrin Clara einen fröhlicheren Tischnachbarn sucht und nicht so einen alten Brummbären wie mich",
jetzt lächelte der Kelte ein klein wenig, und es war wie ein Sonnenstrahl, der zwischen Wolken hindurch brach.
Sim off: *Johann Wolfgang von Goethe: "Ländliches Glück"
Gerwina bekam einen großen Applaus, als sie ihre Weise zu Ende sang, obwohl sie nur für Eisu Ap Comux gesungen hat, aber sie freute sich trotzdem darüber und lächelte ihren Bruder an, der am lautesten applaudierte und sang dann selbst mit voller Begeisterung sein Lied, das auch mit großem Applaus belohnt wurde. Auch Eisu bedankte sich bei Gerwina und Sonnwin für ihre Lieder und wollte nun erzählen, was ihm passiert ist, denn er wollte nicht undankbar für ihre Gastfreundschaft erscheinen. Daraufhin winkte der Kelte die Geschwister zu sich und erzählte seine traurige Geschichte über Liebe und Verrat.
Dann schaute Eisu die junge Frau freundlich an, wiederholte die einigen Verse aus ihrem Lied und sagte, es hat sein Herz etwas erleichtert und es wird Zeit, wieder fröhlich zu sein und fügte noch lächelnd hinzu: " Ich könnte es aber auch verstehen, wenn sich die edle Herrin Clara einen fröhlicheren Tischnachbarn sucht und nicht so einen alten Brummbären wie mich",
Gerwina hat Eisu Geschichte sehr aufmerksam und mitfühlend angehört. Und er wurde ihr immer sympathischer.
Der stolze Kelte litt nun unter Liebeskummer, so hat sie es verstanden, obwohl sie selbst dieses Gefühl nicht kannte.
"Es tut mir leid, was dir passierte, edler Eisu Ap Comux...", sie sah ihn mit ihren großen, smaragdgrünen Augen sanft an,
"Und ich möchte keinen fröhlichen Tischnachbarn suchen, ich möchte beim Brummbären sitzen bleiben, wenn er es möchte...", dabei schenkte Gerwina ihm ein aufmunterndes Lächeln.