(04-02-2024, 02:47 PM)Niamh schrieb: Gabinus Secundus indes fragte mich, ob ich denn auch reiten könne. Ich musste grinsen, als ich diese Frage hörte, denn in meiner Heimat wuchsen die Kinder zusammen mit den Pferden auf. Meine Leute waren ganz vernarrt auf Pferde uns selbstverständlich konnte so ziemlich jeder in Eíre reiten, der auch laufen konnte. "Oh ja, ich kann reiten! In Eíre ich habe Pferd." gab ich zur Antwort. Es war ein Jammer dass die römischen Frauen hierzulande nicht reiten durften oder wollten. Das konnte ich gar nicht verstehen!
"Die neuen Pferde müssen sich erst eingewöhnen, bevor ich da einen Reiter aufsteigen lassen, werte Niamh", sagte ich zu der jungen Frau, doch ich sagte Rango Bescheid, er solle
Kubbo holen. Der rundliche Wallach war so lammfromm, er würde die junge Frau gewiss nicht abwerfen, selbst wenn ihre Reitkünste nicht so gut waren wie sie sagte:
"Doch das ist Kubbo, das bedeutet in meiner Muttersprache "Dicker" ", sagte ich:
"Wenn du gerne magst, darfst du ihn hier auf dem Gelände reiten"
Kubbo war nicht allzu groß und hatte dafür einen etwas großen Kopf und eine borstige Mähne, aber er hatte liebe, gute Pferdeaugen. Ihm hätte ich jeden anvertraut. Nun kam er mit seinem weichen Maul und prustete Niamh ein wenig an, bestimmt suchte er bereits nach Leckerbissen.
(04-02-2024, 01:36 PM)Furia Stella schrieb: "Friudel, wo ist Quiwon? Ich sah ihn zuletzt auf deinen Schultern sitzen?" Ich schaute mich beunruhigt um, "Wo ist er?
Ich wollte ihn auch dabei haben", fragte ich meinen Gemahl, als wir zum zu Ehren der Göttin Anna Perenna errichteten Schrein gingen, den Sonnwin am Ufer unseres Baches aufstellte.
Um Anna Perenna zu ehren, brachte ich ein Töpfchen Honig und meinen Kranz aus getrockneten Blumen, den ich in den Marschen von Sabrina getragen hatte, wo ich so glücklich war, mit einer bunten Schleife geschmückt und bat sie in Gedanken, meine Familie zu beschützen.
Danach begaben wir uns wieder in den Garten, und setzten uns auf unsere Plätze. Clara saß neben Eisu Ap Comux, der etwas betrübt auf mich wirkte und hatte nur Augen für ihn.
"Auf viele Jahre, werte Gäste, leert die Becher!", rief mein Friedel und blickte mich sanft an, dabei trafen sich unsere Blicke und sagten mehr als Tausend Worte...
"Quiwon ist bei Durs. Er ist ja noch zu klein, um mit Spiros und den Jungen zu spielen, aber auf Durs Schultern kann er den Altar und alles genau sehen"
Für das Opfer an die Göttin hatte ich Quiwon ja nicht auf meinen eigenen Schultern mitnehmen können.
Auch meine Fridila ehrte nun Anna Perenna und betete zu ihr. Dann führte ich Fridila zu Tisch:
" Eisu ap Comux wirkt nicht sehr glücklich, auch wenn er wie immer höflich und freundlich ist", sagte ich zu meiner Frau:
"Und das keltische Mädchen, das dein Cousin mitgebracht hat, ist ängstlich, als hätte sie Schlimmes durchgemacht",
ich wusste nicht, ob Saturninus der Richtige dafür war, der jungen Frau die Angst zu nehmen, denn wenn ich darüber nachdachte, so hatte er selten etwas aus purer Freundlichkeit getan. Meist verfolgte er seine eigenen Pläne.
Dann plauderte Claudia Sabina mit Stella. Auch ich war gespannt, welches Geschenk meine Frau für sie geplant hatte. Ich hatte nämlich keine Ahnung.
Da wir bei Tisch waren, brachte uns Durs unser Söhnchen wieder zurück. Der Kleine war aufgeregt, hielt seinen Hasen und murmelte glücklich etwas von "Wassefrau".
"Welche Frau, Quiwon?", fragte ich.
"Im Wasser", antwortete er, und sah mich mit dem gleichen rätselhaften Blick an, den er gehabt hatte, als er auf die Welt kam. Als würde er mehr sehen als andere Leute.
(04-02-2024, 07:37 PM)Gabinia Clara schrieb: Eisu Ap Comus und Gerwina nahmen ihre Plätze und der Fürst lobte das Haus und fragte noch einmal, ob sie Clara hieß, "Danke, werter Eisu, ja wir haben es hier schön und ich mag besonders unseren Garten ..." sie lächelte ihn an, "Und ja, ich heiße Clara", dann gab sie Eisu einen Becher mit dem Apfelwein und selbst wollte sie den verdünnten Honigwein trinken. Cerwina spürte innerlich, dass den Kelten etwas sehr bedrückte, er wirkte auf sie melancholisch und sah sie traurig an, und obwohl seine Worte nett und freundlich waren, stellte Gerwina keine Fragen, denn sie haben sich ja erst jetzt kennengelernt.
Dann auf einmal rollte ein Ball Eisu vor die Füße, den er zurück zu den Kindern warf, die nicht weit den Ball spielten.
Das hat ihn anscheinend etwas aufgeheitert und er lächelte Gabinia an und fragte, ob eines diesen Kindern ihr Sohn wäre... Gerwina fühlte, wie sie rosige Wangen bekam, "Nein, ich habe keine Kinder, ... ich bin nicht verheiratet, werter Eisu Ap Comus". Gerade in diesem Moment fragte Sonnwin, ob Eisu ein britonnisches Lied vortragen möchte, was der Kelte verneinte und sagte, es wäre ihm lieber, wenn andere singen würden.
Gerwina seufzte, der junge Comux hat ihr Herz berührt und sie sang mit ihrer feinen und sanften Stimme ein Lied, nur für ihn:
"Tröste dich, die Stunden eilen,
und was all dich drücken mag,
auch das Schlimmste kann nicht weilen,
und es kommt ein andrer Tag.
In dem ew'gen Kommen, Schwinden,
wie der Schmerz liegt auch das Glück,
und auch heitre Bilder finden
ihren Weg zu dir zurück." *
*Theodor Fontane
Nun hatte Clara gesungen. Sie sang selten vor Gästen, aber sie hatte die samtene Stimme Gerlindas geerbt. Sie musste Eisu ap Comux gerne haben, denn es klang wie ein
Lied des Trostes (eine der neun Gesänge, die auch ein Skalde beherrschen musste)
Alle applaudierten, ich am lautesten. Dann nahm ich meine linke Hand und tippte auf die verschiedenen Abschnitte. Jedes einzelne Fingerglied entsprach einer Tonhöhe. Elfried kannte diese Art, die Musik anzugeben, und er hob seine Schalmei, mich zu begleiten.
Ich sang:
"Seid, o Geister des Hains, o seid, ihr Nymphen des Flusses,
Eurer Entfernten gedenk, eueren Nahen zur Lust!
Weihend feierten sie im stillen die ländlichen Feste;
Wir, dem gebahnten Pfad folgend, beschleichen das Glück.
Amor wohne mit uns! es macht der himmlische Knabe
Gegenwärtige lieb und die Entfernten euch nah."*
Da beugte sich Eisu Ap Comux nun zu Clara und mir und sagte: "Ich danke euch für diese Lieder, Herr Gabinius und Herrin Clara.
Ich will gewiss nicht undankbar gegenüber eurer Gastfreundschaft erscheinen, und daher möchte ich euch beiden erzählen, was mir widerfahren ist",
der Kelte winkte meine Schwester und mich zu sich, und wir steckten die Köpfe zusammen:
"Die Herrin Damona, meine ehemalige Verlobte, hat mir unter Tränen gestanden, dass sie schon seit langem einen Krieger ihres Vaters Deccus liebt. Und er liebt sie. Sie hat nie etwas Unrechtes getan, aber mich kann sie nun einmal nicht lieben.
Was sollte ich da machen? Ich habe sie freigegeben. Ich kann das Herz einer Frau doch nicht zwingen. Im Gegenteil, ich wünsche ihr Liebe und Glück. Die beiden jungen Leute haben nichts anderes getan, als sich ineinander zu verlieben. Mich kannte Damona da noch nicht, es war ihr Vater, der uns verlobt hat.
Es liegt also nicht an euch, werte Gabinier, wenn ich heute keine gute Gesellschaft bin. Im Gegenteil, dass schöne Lied der lieben Herrin hier...", und dabei sah Eisu Ap Comux Clara sehr freundlich an:
"Tröste dich, die Stunden eilen,
und was all dich drücken mag,
auch das Schlimmste kann nicht weilen,
und es kommt ein andrer Tag.
...hat mir schon etwas die Last vom Herzen genommen. Es ist an der Zeit, wieder froh zu werden.
Ich könnte es aber auch verstehen, wenn sich die edle Herrin Clara einen fröhlicheren Tischnachbarn sucht und nicht so einen alten Brummbären wie mich",
jetzt lächelte der Kelte ein klein wenig, und es war wie ein Sonnenstrahl, der zwischen Wolken hindurch brach.
Sim off: *Johann Wolfgang von Goethe: "Ländliches Glück"