02-22-2025, 08:44 PM,
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Rhian
» K ö n i g i n der Brigantes
  
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Registriert seit: Sep 2023
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RE: Kleines Gästezimmer im zweiten Stock
Die Schwerter klirrten aufeinander und bei jedem Angriff des römischen Hunds, zuckte Rhian zusammen. Für Rhian war es eine regelrechte Qual dem Kampf als Zuschauerin beizuwohnen. Schließlich musste sie ständig damit rechnen, dass es das Schwert des Römers war, welches ihrem Retter und Beschützer das Lebenslicht raubte. Und damit dies nicht geschah, war es nun an Rhian über ihren Schatten zu springen. Im nächsten Moment hatte die Königin der Brigantes einen silbernen Becher in ihren Händen und schleuderte diesen gen des römischen Eindringlings. Dadurch versuchte sie ihn aus dem Tritt zu bringen, so dass Madoc die Gunst des Augenblicks nutzte, um ihm endgültig den Garaus zu machen. Oder ihn sonst irgendwie bewusstlos zu bekommen. Inständig schickte Rhian ein Stoßgebet an die Göttin, dass sie dem Becher in diesem Moment Flügel verlieh, so dass dieser sein Ziel traf. Die Stirn des Römers. Zu schade, dass der römische Hund ihrem Wurfgeschoss behände auswich. Sich dabei jedoch selbst aus dem Tritt brachte und Madoc somit die Möglichkeit zu einer Gegenattacke bot. Madocs Schwertknauf war es schließlich, der den römischen Widerling an der Schläfe trag, so dass dieser bewusstlos zusammensackte.
Erst jetzt regte sich Rhian, spürte wie ihr Herz bis zum Hals pochte und wie sie ihre Fingernägel in ihre Handinnenflächen gebohrt hatte. Alles ein deutliches Zeichen dafür, dass sie in höchster Alarmbereitschaft auf dem Bett mit den zerwühlten Laken gekauert hatte. Jene Laken kündete davon, was nicht geschehen war. Doch würde man ihr Glauben schenken? Würde man ihren Worten glauben, dass sie immer im Sinne ihres Volkes gehandelt hatte? Mit einem starren Ausdruck in ihren Augen verfolgte Rhian, wie es nun Madoc war, der sich daran machte den reglosen Körper des Römers zu fesseln. Dessen Hände auf seinem Rücken mit Stoffstreifen zusammen zu binden. Bis er schließlich auf sie zutrat. Denn Rhian war mittlerweile vom Bett geklettert und versuchte ihre Körperhaltung zu straffen. Auch wenn es ihr im ersten Moment nicht gelingen mochte und man in ihren Augen ein unruhiges flackern erkennen konnte. “Nein. Ich bin nicht verletzt. Er hat es gar nicht erst so weit.. Er hat mich nicht angerührt.“ Zumindest nicht in dem Maß, wie es sich Madoc wohl vorstellte. Und dennoch spürte Rhian noch immer die Küsse des Römers auf ihrer Haut und erschauerte innerlich. Auch wenn sich ihr Körper daran erinnerte und sie sich selbst eine elende Verräterin schimpfte. Am liebsten hätte sie dem leblosen Körper des Römers einen Tritt verpasst. Doch zügelte sie sich. Denn es gab noch eine weitere Person in diesem Raum, jenen Übersetzer der nun starr vor Angst auf seinem Hocker kauerte. Nur um im nächsten Moment an seinem eigenen Blut zu ersticken, als Madoc ihm das Schwert in den Leib bohrte.
“Was machen wir mit ihm?“ Wandte sich Rhian gen des blonden Kelten und atmete zugleich tief durch. “Am liebsten würde ich seinem windigen Leben ein Ende bereiten.“ Wisperte die junge Frau und starrte Titus Ovidius Decula mit hasserfülltem Blick an.
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02-23-2025, 12:34 AM,
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Anwen
Priesterin der Andraste

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Beiträge: 47
Themen: 3
Registriert seit: Nov 2023
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RE: Kleines Gästezimmer im zweiten Stock
Anwen eilte durch die Flure des Langhauses. Die Nachricht vom Eindringen römischer Soldaten hatte sie sofort alarmiert, und sie hatte keine Zeit verloren, um zur Königin zu gelangen. Als sie das Gästezimmer betrat, glitt ihr scharfer Blick über die Szene, die sich vor ihr ausbreitete.
Madoc stand mit angespannten Schultern über dem bewusstlosen Körper eines Römers, sein Schwert noch fest in der Hand. In den Augen der Königin flackerte die Anspannung des überstandenen Kampfes, ihre Finger zitterten kaum merklich. Die zerwühlten Laken hinter ihr sprachen eine deutliche Sprache! Sie deuteten darauf hin, dass der Römer im Begriff gewesen war, Königin Rhian zu schänden.
Ein älterer Mann, offenbar ein keltischer Begleiter des Römers, lag röchelnd am Boden. Blut sickerte zwischen seinen Fingern hervor. Madoc hatte schnell und entschlossen gehandelt. Anwen wusste, dass es notwendig gewesen war. Denn jeder, der mit dem Feind kooperierte, hatte sein Leben verwirkt.
Doch das eigentliche Problem lag noch vor ihnen : der römische Tribun. Gefesselt, aber am Leben.
Anwen trat näher und musterte ihn. Sie sah den Hass in Rhians Blick, hörte die Kälte in ihrer Stimme, als sie leise erklärte, dass sie ihn am liebsten töten würde. Doch noch zögerte sie.
"Jeder in Isurium würde es verstehen, wenn du es tust, Rhian", sagte Anwen mit ruhiger Bestimmtheit. "Und ich versichere dir, er wird für seine Taten büßen. Doch dieser Mann gehört den Göttern."
Sie trat neben die Königin, ihre Stimme blieb gelassen, doch ihre Worte waren unmissverständlich.
Dann schwieg sie und wartete. Sie war nicht wie Madoc, der im Zorn handelte, und nicht wie Rhian, die noch gegen ihre inneren Dämonen kämpfte. Sie war eine Dienerin der Andraste. Die Göttin verlangte stetig nach Blut. Das Blut eines Feindes würde die Göttin milde stimmen. Anwen würde tun, was getan werden musste.
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02-25-2025, 04:21 PM,
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RE: Kleines Gästezimmer im zweiten Stock
Ich war noch nicht tot. Nach einer kleinen Bewusstlosigkeit erwachte ich wieder. Sie hatten mich bedauernswerterweise gebunden. Sie, das waren Königin Rhian, der blonde Krieger und jetzt trat eine weitere Frau in mein Blickfeld, mit langem rotem Haar und einem langen keltischen Schädel. Sie sprach mit der Diktion wie jemand, der Macht inne hatte, obwohl ich kein Wort verstand.
Ich hob den Kopf. Schräg vor mir auf dem Boden lag der gemeuchelte Danuacus. Dabei bemerkte ich, dass ich ihn undeutlich sah, weil mir das Blut in die Augen lief. Da ich mich seiner Dienste als Dolmetscher also nicht mehr bedienen konnte, sprach ich direkt und etwas heiser zu dem Krieger, der Latein verstand:
" Brigant, wenn du mich befreist, so werde ich dafür sorgen, dass deinem Volk der Rest der Tribute für dieses Jahr gestundet wird. Ich konnte mich mit eigenen Augen überzeugen, dass bei euch nichts mehr zu holen gibt.
Der Dolmetscher wurde bestraft, weil er gegenüber eurer Frauen übergriffig wurde. Ich bleibe bei dieser Version und euch trifft keine Schuld an seinem Ableben.
Ich bin ein ritterlicher Militärtribun Roms. Ich habe die Möglichkeit, ein euch gegebenes Wort auch zu halten!"
Ich ließ den Kopf zurück fallen, weil ein fürchterlicher Schmerz durch meine Schläfen zuckte. Außerdem sah ich den Blonden und die beiden Frauen kurz doppelt und mein Magen schien dicht unterhalb meiner Kehle zu sitzen.
![[Bild: 3_24_08_22_4_37_11.png]](https://adlerchronik.de/gallery/3_24_08_22_4_37_11.png)
versetzt zur Legio IX Hispania
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03-01-2025, 10:54 PM,
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Madoc
entlaufener Sklave
  
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Beiträge: 99
Themen: 4
Registriert seit: Jan 2023
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RE: Kleines Gästezimmer im zweiten Stock
Der Römer kam wieder zu sich. Ein leises Stöhnen drang aus seiner Kehle, seine Finger zuckten, als er sich der Fesseln bewusst wurde. Blut sickerte aus einer Wunde an seiner Stirn und trübte seinen Blick, doch seine Stimme blieb erstaunlich fest, als glaubte er noch immer, er hätte eine Chance, Isurium lebend zu verlassen.
Er spann sich eine Geschichte zusammen, um seine eigene Haut zu retten. Er sprach von einer Stundung der Tribute und von einer Strafe für seinen Dolmetscher, der sich angeblich an den Frauen der Brigantes vergiffen habe. Madoc hörte ihm zu, nicht aus Interesse, sondern um zu sehen, wie lange der Römer an seinen Illusionen festhielt, bevor er begriff, dass Worte ihn nicht retten würden.
"Brigant?" Ein kaltes Lächeln huschte über Madocs Gesicht, als er sich näher an den Gefangenen lehnte. "Da irrst du dich, Römer. Ich bin ein Silurer. Ich habe keine Veranlassung, dich zu befreien. Außerdem, deine Männer sind bereits alle tot." Seine Stimme war ruhig, doch in ihr lag unmissverständliche Verachtung.
Er richtete sich auf und warf einen kurzen Blick zu Rhian. Ihre Schultern waren angespannt und ihr Rücken durchgedrückt, als wollte sie sich nichts anmerken lassen. Doch Madoc sah es, die Spannung in ihren Fingern und das unstete Flackern in ihrem Blick. Sie wollte den Römer tot sehen. Vielleicht hasste sie ihn, vielleicht hasste sie sich auch selbst. Und vielleicht hasste sie auch ihn, Madoc, weil er ihr die Entscheidung nicht abnahm. Doch es lag nicht an ihr, dieses Urteil zu fällen.
Anwen, die Priesterin, die mit ihnen in den Norden gekommen war, trat näher. Ihre Augen waren kalt und unergründlich wie ein stiller See. Sie betrachtete den Römer mit einer Unerschütterlichkeit, die keinen Zweifel ließ – sie wusste, was die Götter verlangten. Ihr Blick glitt zu Rhian, als wolle sie ihr Zeit lassen, als wolle sie sehen, ob sie selbst es aussprechen würde. Doch Madoc erkannte längst, dass Anwen ihre Entscheidung bereits getroffen hatte.
Sein Blick ging zurück zu dem Römer. "Du glaubst wirklich, dass du nach allem, was du heute getan hast, einfach wieder hinausmarschieren kannst? Nachdem du die Königin der Brigantes zu deiner Hure machen wolltest?" Seine Stimme war ruhig, doch in ihr lag eine Kälte, die kein Mitleid zuließ. "Nein, Römer. Du irrst dich. Du bist kein Tribun mehr, der noch irgendein Versprechen einlösen könnte. Du bist nichts weiter als Futter für die Götter – und du gehörst ihr." Mit einer knappen Bewegung seines Kinns deutete er auf die Priesterin. Seine Finger ruhten locker auf dem Griff seines Schwertes – nicht aus Furcht, sondern aus Bereitschaft. Das Urteil war längst gesprochen.
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03-01-2025, 11:16 PM,
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Rhian
» K ö n i g i n der Brigantes
  
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Beiträge: 146
Themen: 3
Registriert seit: Sep 2023
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RE: Kleines Gästezimmer im zweiten Stock
Angespannt ihr schlanker Körper. Ihre Schultern durchgedrückt und ihr Gesicht eine emotionslose Maske. So stand Rhian inmitten des Raumes. Des brutalen Massakers, dass sie hervorgerufen hatte. Denn wenn sie den römischen Soldaten nicht begleitet hätte, dann wäre es erst gar nicht zu diesem Blutvergießen gekommen. Und was wäre dann geschehen? Dann hätte er sie womöglich in der Großen Halle geschändet, vor den Augen seiner Soldaten und hätte diesen auch noch die Gelegenheit gegeben. Alleine bei diesem Gedanken spürte Rhian wie es ihr eisig den Rücken hinab lief und wie sich ein Übelkeit erregendes Gefühl in ihr breit machte. Hastig presste sie ihre Lippen fest aufeinander, was wohl für Außenstehende den Eindruck vermittelte, sie wollte lediglich ihre Unsicherheit kaschieren. Doch dem war überhaupt nicht so. Rhian wollte lediglich nicht den Boden mit ihrer Kotze besudeln. So atmete die junge Königin tief durch und ertappte sich dabei, wie sie ihre Finger viel zu fest in ihren Handballen hinein bohrte. Dabei sprach sie ein tonloses Gebet an ihre Göttin, dass sie auch weiterhin ihre schützende Hand über sie halten würde. Über sie und das ungeborene Leben in ihrem Bauch. Und während der Übersetzer an seinem eigenen Blut erstickte, war es die Priesterin der Andraste die mit wehenden, roten Haaren in das kleine Gästezimmer geeilt kam. Und mit ihrem scharfen Blick die Situation sofort erfasste.
Als Anwen dann jedoch davon sprach, dass dieser Mann, dieser römische Hund den Göttern gehörte und diese ihr Urteil fällen würden, zuckte Rhian unwillkürlich zusammen. Ein Götterurteil also. Und dennoch fühlte sie sich innerlich betrogen. Auf einmal war es ihr, als würde die Welt sich um sie herum drehen. So dass sie ein, zwei Schritte zur Seite taumelte, bevor sie wieder festen Stand fand. Um mit geblähten Nasenflügeln auf den gebundenen Römer hinab zu starren. “Ein Götterurteil.“ Wisperte es im nächsten Moment heiser über Rhians Lippen, deren Blick aus wild funkelnden Augen auf dem Römer ruhte. Jenem Soldaten dem sie am liebsten die Haut bei lebendigem Leib vom Körper gezogen hätte. Die Stimme des verdammten Römers jedoch war es, die Rhian aus ihrer stummen Betrachtung riss. So dass sie diesem am liebsten ins Gesicht geschlagen hätte. Doch behielt sie ihre Finger bei sich, welche sie zu Fäusten geballt hatte und ihre Lippen auf einmal kreideweiß anmuteten.
Schon war es Madoc der seine Stimme erhob und den Römer mit seiner klaren Stimme beschuldigte. Bei jedem seiner Worte straffte Rhian ihre Schultern eine Spur deutlicher, bis ihr Körper wie die Saite einer Bogensehne gespannt war. “Wir bringen ihn in das Verlies. Er wird den morgigen Tag nicht erleben.“ Erhob Rhian, als Königin der Brigantes ihre Stimme, welche erstaunlicherweise ohne zittern oder beben aus ihrer Kehle empor drang. Was mit dem Dolmetscher geschah, dessen Leiche blicklos gen Himmel blickte. Er würde verbrannt werden. Und seine Asche in sämtliche Himmelsrichtungen verstreut werden. So dass er ziellos umherirren würde.
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03-04-2025, 11:39 AM,
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RE: Kleines Gästezimmer im zweiten Stock
Als jetzt der Brigant verriet, dass er Silurer war, sagte ich:
"Dein Volk ist schon lange zermalmt unter Roms Stiefel. Verdingt sich einer wie du nun als Söldner, Cahirs... Weib zu beschützen? In Rom ist das Sklavenarbeit.
Ich habe euch ein vorteilhaftes Angebot gemacht. Nehmt ihr es nicht an, so wird Rom meinen Tod rächen. Und täuscht euch nicht, Rom kommt. Rom siegt. Isurium wird dann fallen, Blut wird fließen und was am Ende des Tages noch auf seinen Beinen steht, wird Beute der Legio IX Hispania. Keine Sorge also, Königin Rhian, dass dein Wunsch sich nicht erfüllen mag. Du wirst noch Ströme von römischem Sperma abbekommen, wenn du der Liebling der Soldaten sein wirst"
Das letzte Mal suchte ich Rhians Blick. Ihr hatten meine Liebkosungen gefallen und deshalb hasste sie mich jetzt besonders. Ich lächelte ihr spöttisch zu: Du und ich wissen Bescheid, nicht wahr?, warum du so erpicht bist, mich sterben zu sehen.
Dann aber sah ich hoch zu der geisterhaften Priesterin. Sie wirkte wie ein Gespenst aus dem Orcus. Du gehörst ihr - sagte der Silurer. Es wehte mich etwas an wie Kälte, und einen Moment sprang mich eine Furcht an, die aus den Eingeweiden der Unterwelt selbst gekommen war. Die Kelten hatten fürchterliche Götter, und auch wenn Mars sie besiegt hatte, herrschten sie noch über das düstere Eiland. Ich wollte nicht durch die Hand der bleichen Rothaarigen sterben, alles, doch nur das nicht.
"Kein Weib sollte das Leben von Ovidius beenden!", zischte ich: " Gut, du hast mich im Zweikampf besiegt, Silurer. So stoße mir das Schwert in die Brust und gewähre mir den Tod eines Soldaten"
Wäre ich nicht gefesselt gewesen, hätte ich meine Brust entblößt.
![[Bild: 3_24_08_22_4_37_11.png]](https://adlerchronik.de/gallery/3_24_08_22_4_37_11.png)
versetzt zur Legio IX Hispania
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03-06-2025, 10:35 PM,
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Madoc
entlaufener Sklave
  
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Beiträge: 99
Themen: 4
Registriert seit: Jan 2023
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RE: Kleines Gästezimmer im zweiten Stock
Madoc betrachtete den Römer mit kalter Ruhe. Die Worte, die er Rhian entgegenschleuderte, perlen an ihr ab wie Regen an einem Schild, doch Madoc sah, wie ihre Finger sich verkrampften, wie ihr Atem schneller ging. Vielleicht hätte sie ihm gern das Messer selbst an die Kehle gesetzt – aber das war nicht ihre Rolle in dieser Geschichte.
Dann traf ihn der Blick des Gefangenen. Der Römer wollte sterben wie ein Mann, mit dem Stahl eines Kriegers in der Brust, nicht mit dem Messer einer Priesterin an der Kehle. Madoc hätte lachen können über diesen letzten Rest römischen Stolzes.
"Ein Soldat, sagst du?" Er sah dem Römer direkt ins Gesicht. "Du sprichst von Ehre, von Rache und von dem Zorn Roms. Aber du bist hier, gefesselt, blutend – und du bettelst. Nicht um dein Leben, nein. Du bettelst darum, deinem Schicksal zu entkommen."
Er neigte den Kopf leicht zur Seite, als würde er den Tribun abschätzen. "Du fürchtest unsere Götter, Römer. Du spürst es, nicht wahr? Dass dein Mars hier machtlos ist. Dass du auf einem Land stehst, dessen Erde mit dem Blut deines Volkes getränkt ist, und doch gehört es nicht euch."
Dann, mit einer knappen Bewegung, wandte er sich von dem Gefangenen ab und blickte zu Anwen. "Er gehört dir."
Ohne ein weiteres Wort trat er zurück, ließ den Römer mit der Priesterin, die er so fürchtete, allein. Sollten die Götter entscheiden, ob sie seinen Wunsch erhörten – oder ihm eine Lektion erteilten, die er mit seinem letzten Atemzug bereuen würde.
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03-06-2025, 11:03 PM,
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Anwen
Priesterin der Andraste

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RE: Kleines Gästezimmer im zweiten Stock
Anwen trat einen Schritt näher. Ihr Blick war fest auf den Römer gerichtet. Ihre blassen Lippen verzogen sich nicht zu einem Lächeln, doch in ihren eisblauen Augen lag etwas Unausweichliches, etwas, das tief aus den Nebeln der Anderwelt zu ihm sprach. Sie wusste, dass er sie fürchtete. Sie sah es an der angespannten Haltung seines Körpers, an dem unruhigen Zucken seiner Finger, an dem kurzen Aufflackern von Panik in seinen Augen, bevor er seinen Stolz wieder wie eine Rüstung um sich legte.
Sie sprach in seiner Sprache, mit einer Stimme so sanft wie fallender Schnee, doch so unerbittlich wie das Schicksal selbst:
"Dein Herz schlägt noch, Römer. Aber es gehört dir nicht mehr. Dein Fleisch, dein Blut – sie sind nicht mehr die deinen. Andraste fordert ihr Opfer. Das Moor wird dich verschlingen, so wie es alle Feinde verschlungen hat, die vor dir kamen. Dein Tod ist kein Ende. Er ist eine Gabe. Dein letzter Atemzug wird ein Hauch sein, der über das Wasser gleitet, dein letzter Tropfen Blut eine Spur auf der Oberfläche, bevor es dich fortreißt."
Sie trat ihm gegenüber und für einen Moment war es, als würde die Luft um sie kälter. Ihre Stimme blieb ruhig, doch jeder ihrer Worte war eine Klinge, die sich in sein Innerstes bohrte.
"Deine Götter können dich nicht retten. Rom kann dich nicht rächen. Dein Name wird verhallen, und dein Leib wird Andraste gehören."
Dann löste sie den Blick von ihm und wandte sich Madoc zu. Ein kaum merkliches Nicken folgte. Ein Zeichen, dass es nun Zeit war. Er würde den Römer begleiten. Sein letzter Weg hatte begonnen.
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