03-31-2025, 11:14 PM,
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Licinianus Owain
Begnadeter Kunstschmied
   
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Registriert seit: Mar 2023
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RE: Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium
Ich spürte, wie sich meine Schultern unbewusst anspannten, als Saturninus von seiner Begegnung mit Aglaia sprach. Einen Moment lang ließ ich seine Worte auf mich wirken, bevor ich schließlich langsam nickte.
"Ich habe sie gefunden", sagte ich leise. "Zusammen mit irgendeinem römischen Schnösel, den sie heiraten will."
Es sollte eigentlich nicht mehr wehtun, diese Worte auszusprechen. Aber es war nicht nur die Tatsache ihrer Verlobung. Es war alles andere, was Aglaia mir an den Kopf geworfen hatte. Ich ließ mir nichts anmerken, doch in mir brodelte es.
Ich riss mich aus meinen Gedanken und musterte Furius Saturninus. Er ließ Tegwen gehen, doch die Art, wie er über sie sprach, missfiel mir. Für ihn war sie nicht mehr als ein streunender Hund – ein "Geschöpf". Doch ich wusste es besser.
Als sein Sklave widerwillig die Hände von ihr nahm, blieb Tegwen stehen. Einen Moment lang wirkte sie, als könnte sie jederzeit fliehen – oder zuschlagen. Doch dann willigte sie ein, mich später zu treffen. Erleichterung mischte sich mit einer seltsamen Unruhe. Ich hätte nie gedacht, sie jemals wiederzusehen – und schon gar nicht so. Voller Wut und voller Schmerz.
Ich wusste nicht, was mich erwartete, wenn wir uns später trafen. Aber eines war sicher: Ich konnte sie nicht einfach wieder gehen lassen, als wäre nichts gewesen. Nicht, nachdem ich gesehen hatte, was aus ihr geworden war. Nicht, nachdem ich wusste, dass sie noch am Leben war.
Doch dann drehte sie sich um und verschwand.
Der Furius überlegte kurz, dann lud er mich ein, ihn zu einer Mahlzeit in einer Garküche zu begleiten. Natürlich wollte er Neuigkeiten erfahren. Ich war mir nicht sicher, ob ich darauf Lust hatte – aber ich wusste auch, dass ich mich sammeln musste. Und dass es nicht schaden konnte, seine Gastfreundschaft anzunehmen.
"Na gut", sagte ich schließlich und zwang mich zu einem kleinen Lächeln. "Eine Mahlzeit klingt gut."
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Gestern, 02:02 PM,
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RE: Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium
Umweit der Gasse lag ein Thermopolium, das nicht so aussah, als würde man sich sofort in Krämpfen winden, wenn man dort etwas aß. Der Wirt trug einen gallischen Namen.
Saturninus nahm den Inhalt seiner Geldbörse, drückte dem Gallier alles in die Hand und befahl ihm, das Thermopolium zu räumen. Die wenigen Gäste verzogen sich widerwillig. Die vier Sklaven von Saturninus blieben stehen und achteten darauf, dass niemand mehr eintrat.
Nun hatten Saturninus und Owain freie Wahl der Tische.
Zwei Schankmädchen, eine Keltin, eine aus einem östlichen Land, brachten Wein, Käse, Brot, einen Bohneneintopf und gekochte Eier, und setzten sich gleich dazu, falls die Herren nicht nur essen und trinken, sondern auch an Ort und Stelle andere Gelüste stillen wollten.
Saturninus trank einen Schluck vom Wein und verzog das Gesicht: "Essig!", bemerkte er und deutete dann auf die Frauen:
"Willst du eine von ihnen?", fragte er, denn er bemerkte, dass Owain bedrückt war, und vielleicht würde es ihm gut tun, überschüssige Frustration abzuarbeiten:
"Du hast freie Wahl, ich will gerade nicht" Nach einem Blick auf die Frauen wartete der Furius lieber, bis er zu seiner Gastfreundin Fabia Tertia heim kehrte...nein, nicht mit ihr; ihre Sittenstrenge war nicht gespielt, aber sie hatte annehmbare und vor allen Dingen pieksaubere Dienerinnen im Haus.
"Aglaia kann den Habitus einer braven Matrona sehr gut fingieren", stimmte Saturninus zu und griff damit den Faden des Gespräches von vorhin wieder auf:
"Sogar einen Römer hat sie getäuscht ?! Bedauernswerter Kerl! Ich nehme an, dass er deine Tochter unter seinem Dach akzeptiert? Wie geht es der Kleinen?" Letzteres war Höflichkeit; Furius interessierte es wenig, wie es dem Balg eines Libertus und einer Hetäre ging, aber die Erwähnung des Kindes würde Licinianus Owain gewiss zum Reden bringen. Er hatte sich damals sehr gefreut, Vater zu werden.
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