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[Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
03-10-2025, 07:43 PM,
Beitrag #11
RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
Gwen lehnte sich gegen den Stamm eines einsamen Baumes und betrachtete das Chaos, das sie ausgelöst hatte. Der Geldbeutel lag schwer in ihrer Hand. Ein wirklich zufriedenstellendes Gewicht. Der Sklave hatte nichts gemerkt. Er war zu beschäftigt damit, seinem Herren zu folgen und sich von der Menge nicht zu weit abdrängen zu lassen. Römer! So hochnäsig, so sicher in ihrer Welt.
Sie öffnete den Beutel ein Stück. Darin waren genug Sesterzen, um sich ein paar anständige Mahlzeiten zu leisten. Vielleicht sogar einen neuen Umhang. Doch das war nicht der beste Teil an der ganzen Sache. Der beste Teil war, den römischen Schnösel zu beobachten.
Er stand dort mit verkniffenem Gesicht, während sein Sklave ihm die schlechte Nachricht beichtete. Sie sah, wie sich sein Zorn sammelte, wie sich seine Hände zu Fäusten ballten. Oh, sie kannte diesen Ausdruck. Ein Mann, der nicht wusste, wohin mit seiner Wut. Einer, der nach einem Ventil suchte. Sein Sklave konnte einem leidtun. Spätestens zu Hause würde ihn eine Tracht Prügel erwarten.
Neugierig folgte sie ihm aus sicherer Entfernung, als er sich von der Hinrichtungsstätte entfernte. An den Stadttoren gab es einige Tabernae, in die er sich flüchten konnte. Die ersten beiden ließ er links liegen. Er betrat die Dritte… Gwen grinste. Der Geldsack hatte sich für das übelste Dreckloch entschieden,  in der eine Diebin wie Gwen garantiert nicht auffiel. Perfekt.
Sie schlüpfte unauffällig in eine dunkle Ecke und genoss das Schauspiel, das nun folgen sollte. Zunächst die Bestellung, dann das Schankmädchen, das sich ihm anbot. Seine plötzliche Lust. Und dann der Moment, in dem die Wahrheit ans Licht kam: Sein Geld war weg.
Gwen biss sich auf die Lippe, um nicht laut loszulachen. Oh, wie seine Miene entgleiste! Der Sklave duckte sich, stammelte Entschuldigungen, während sein Herr brodelte.
Und dann… der Wirt. Sein feistes Grinsen, sein Knüppel. Die Drohung.
Gwen lehnte sich entspannt zurück und war völlig gefesselt von dem Drama. Sie hatte schon so manche Schlägerei in  einer Taberna gesehen, doch selten eine, die so explosiv begann. Der Schnödel stürzte sich auf den Wirt, als sei er ein wildes Tier. Fäuste flogen, der Knüppel sauste, Tische krachten. Blut spritzte.
Am Ende schleiften ihn seine eigenen Sklaven aus der Kneipe, taumelnd, das Gesicht blutig, die Kleidung zerfetzt. Gwen warf den gestohlenen Geldbeutel spielerisch in die Luft und fing ihn wieder auf.
"Danke für die Unterhaltung, Römer", murmelte sie belustigt. Dann machte sie sich auf den Weg – schließlich wollte sie sich noch ein gutes Abendessen von seinem Geld gönnen.
[Bild: 3_15_08_22_9_39_13.png]
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