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[In der Nähe der Casa Liciniana] Die Lieblinge der Götter sterben früh.
02-05-2025, 06:48 PM,
Beitrag #21
RE: [In der Nähe der Casa Liciniana] Die Lieblinge der Götter sterben früh.
Offensichtlich hatte Louarn ihre leisen gesprochenen Worte tatsächlich nicht verstanden. Denn er antwortete nicht darauf. Und so linste Síofra vorsichtig an dem Rothaarigen vorüber und musterte die übrigen Gestalten in dieser Schänke. Hoffentlich würde sich ihr Vater irgendwie bemerkbar machen, weil e r sie als erstes entdeckte. Doch dem ward nicht so. Denn nun musste Louarn erneut seine Stimme erheben und nach ihrem Vater fragen. Doch seine Stimme schien im allgemeinen Trubel der Schänke unterzugehen und so atmete Síofra tief durch. Unterdrückte den Versuch an Louarns Ärmel zu zupfen, um ihm zu verstehen zu geben, dass es ein hoffnungsloses Unterfangen war hier an diesem Ort nach ihrem Vater zu suchen. Selbst als Louarn eine Münze aus seinem Beutelchen zog und mit dieser auf den Tisch klopfte, an dem der Bewusstlose zusammengesackt war, reagierte noch immer niemand. Oder? Doch. Tatsächlich. Ein dunkler Haarschopf mit tiefen, blutunterlaufenen Augenringen hob seinen Kopf an und blickte in Louarns Richtung. Streckte seine Hand aus und winkte den Rotschopf und seine Begleiterin einfach näher. Selbst aufzustehen, daran dachte jener Geselle nicht. Wieso auch? Der Rotfuchs wollte schließlich etwas von besagtem Eòghan und nicht umgekehrt. “Wer will das wisschen?“ Nuschelte Eòghan und schielte aus blutunterlaufenen Augen gen des Rothaarigen. Bevor er seine Tochter, Síofra erkannte und er versuchte aufzustehen. Taumelte und sich gerade noch an der Tischkante festhalten konnte. Denn sonst wäre er wohl geradewegs zu Boden gestürzt. “Dasch isch meine hüpsche Toschter.“ Nuschelte Eòghan weiter und stierte starr gen Síofra. Als sähe er die junge Keltin zum ersten mal.
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02-06-2025, 01:32 PM,
Beitrag #22
RE: [In der Nähe der Casa Liciniana] Die Lieblinge der Götter sterben früh.
Keine Ahnung, ob das wirklich Eoghan war. Ich kannte den Kerl ja nicht. Auf jeden Fall war es ein schmieriger Arsch und wenn er es war, konnte ich Siofra noch viel weniger verstehen, warum sie ihn nicht davonjagen ließ. Es war ja schon ein Wunder, dass das Dorf da nicht schon von sich aus auf diese Idee gekommen war.
Ich trat also einen Schritt beiseite, damit Siofra ihm sagen konnte, was immer sie ihm zu sagen hatte. Ich war hier nur der Zaungast, der dafür sorgte, dass die anderen nicht übergriffig wurden. Aber nach dem ersten Typen hatten die anderen das auch verstanden und hielten respektvoll Abstand hinter ihren Bechern.
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Falke
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02-06-2025, 10:36 PM,
Beitrag #23
RE: [In der Nähe der Casa Liciniana] Die Lieblinge der Götter sterben früh.
Etwas nervös wirkte Síofra nun doch, als sie den zitternden Blick ihres Vaters auf sich spürte. Wie dieser sie anstierte und doch irgendwie an ihr vorüber blickte. Als würde er sie überhaupt nicht richtig wahrnehmen. Und diese Tatsache ließ Síofra vernehmlich schlucken. Den Kloß aus ihrer Kehle verbannend, der sich hartnäckig darin eingenistet hatte. Wie konnte aus dem einst stolzen Kelten nun eine derart erbärmliche Gestalt werden? Wann nur hatte es bei Eòghan angefangen, dass er ständig in die Schänken und in die Hurenhäuser lief? Ab dem Moment als es ihrer Mutter immer schlechter ging. Oder vielleicht sogar schon davor? Nun ja. Damals hatte sie ihren Vater zumindest noch relativ häufig zu Hause gesehen. Rasch flog ihr Blick in Louarns Richtung. Doch dieser hatte sich in den Hintergrund zurück gezogen. Offensichtlich wollte er sie bei dem Gespräch mit ihrem Vater nicht stören. Worüber Síofra ihrem Retter irgendwie dankbar war. Aber irgendwie auch nicht. Denn sie hätte nun seine Unterstützung in Form seiner Anwesenheit zu schätzen gewusst. So jedoch stand Síofra mit weichen Knien vor ihrem Vater und wäre am liebsten davon gelaufen. Abermals musste Síofra durchatmen, und den Kloß in ihrer Kehle vertreiben, der sich erneut dort eingenistet hatte. “Meine Mutter ist gestorben.“ Schonungslos und offen ihre Worte. Wobei sie nicht wusste, ob ihr Vater ihre Worte überhaupt verstand. Denn Eòghan stierte noch immer in ihre Richtung und jetzt zeichnete sich sogar ein dümmliches Lächeln auf seinen Lippen ab. Schwankend griff er abermals nach einem der Krüge und schüttete sich das Bier durstig in die Kehle. “Hast du gehört was ich gesagt habe?“ Wollte Síofra mit nun mehr leicht verzweifelter Stimme von ihrem Vater wissen und versuchte ihm den Krug aus den Händen zu nehmen. Doch da hatte sie nicht mit der Kraft ihres Vaters, wenngleich dieser betrunken war, gerechnet. Krampfhaft hielt Eòghan den Krug in seinen Händen und funkelte seine Tochter erbost an. “Dasch ischt mein Krug. Nimm deine Hände da wech.“ Versuchte Eòghan zu zischen, wenngleich seine Worte äußerst verwaschen klangen und Síofra traurig dreinblickte. Schon ließ sie ihm den Krug und trat einen Schritt zurück. Weg von ihm. “Louarn? Lass uns bitte gehen. Es hat keinen Sinn. Nicht wenn er sich in diesem Zustand befindet.“ Noch einmal blickte Síofra traurig in Richtung des Mannes, den sie Vater genannt hatte. Und der nur noch ein Schatten seiner selbst war. So empfand und fühlte es zumindest die junge Keltin.
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02-10-2025, 01:34 PM,
Beitrag #24
RE: [In der Nähe der Casa Liciniana] Die Lieblinge der Götter sterben früh.
Der Typ war so besoffen, dass er glaube ich nicht einmal mitbekam, was Siofra sagte. Oder er war einfach so ein Arsch, dass es ihm vollkommen egal war. So oder so, Siofra sah jetzt auch, dass das hier eigentlich eine ziemlich blöde Idee war und wollte gehen. Ich nickte ihr zu und wartete, dass sie sich zum Gehen wandte, den Korb mit Nimue wie einen Schutzschild umklammernd. Erst dann trat ich einmal vor und beugte mich zu Eoghan leicht hinab, damit er mich auch hörte. “Du bist erbärmlich und ekelerregend. Deine Vorfahren schämen sich für dich. Ein echter Krieger hätte sich schon selbst ein Ende bereitet oder wäre zumindest gegangen, anstatt seiner Tochter auf der Tasche zu liegen.“
Und natürlich bekam er die Sesterze nicht von mir. Soweit kam es grad noch. Hätte ein anderer Säufer ihn verpfiffen, gerne, aber der Typ selber? Nein. Damit aber niemand sagen konnte, ich würde nicht zu meinem Wort stehen, drückte ich die Münze draußen Siofra in die Hand. Sie hatte das weit mehr verdient als dieser… Arsch.

Nachdem meine Wut auf den Kerl jetzt aber verrauchte, hatte ich auch Gelegenheit, sie mir nochmal anzusehen. Und sie sah unglücklich aus. Ich hoffte, sie würde nicht weinen. Weinen war unfair. Es gab nicht, was man dagegen tun konnte. Und ich hasste es, wenn ich nichts dagegen unternehmen konnte, wenn jemand litt.
Aber vielleicht half Ablenkung? “Wenn du magst, kannst du mich zum Stall begleiten? Dann siehst du, wo Nimue lebt.“ Wenn sie nicht im Suppentopf landete. “Ich kann dich dann auf dem Pferd nach Cheddar bringen, dann musst du nicht laufen.“ Die Strecke war nicht übermäßig weit, aber eine gute Stunde ordentlichen Fußmarsches sicher. Eher etwas mehr, vor allen Dingen im Winter.
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Falke
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02-10-2025, 06:28 PM,
Beitrag #25
RE: [In der Nähe der Casa Liciniana] Die Lieblinge der Götter sterben früh.
Was hatte sich Síofra eigentlich vorgestellt was bei diesem Gespräch herauskommen sollte? Vielleicht einfach nur die leise Hoffnung, dass ihr Vater einmal zuhörte. Doch dies war tatsächlich vergebene Liebesmüh, denn auch jetzt stierte Eòghan lediglich auf seinen Bierkrug und nahm die Worte seiner Tochter überhaupt nicht wahr. Schon gar nicht die Tatsache, dass Síofra soeben vom Verlust ihrer Mutter, seiner Frau gesprochen hatte. Hart das schlucken der jungen Keltin, die den Korb mit dem Huhn im Inneren unwillkürlich fester umklammerte. Und ihr Blick sogleich gen Louarn wanderte. Ein stummes Zeichen, dass sie diesem Ort und somit auch ihrem Vater so schnell wie möglich den Rücken zukehren wollte. Ohne ein weiteres Wort wandte sich Síofra auch schon zum Gehen. Doch Louarn hatte offensichtlich andere Pläne, denn der Rothaarige blieb bei Eòghan stehen und beugte sich zu dem betrunkenen Kelten hernieder. Trotzdem, dass Eòghan bereits einige alkoholische Getränke intus hatte, saß er noch relativ aufrecht. Lediglich seiner Stimme hörte man das verwaschene deutlich an. “Schíofra ist ein gutess Mädschn. Sie kümmert sich um mich. So wie es ihre Mutter getan hat.“ Nuschelte der dunkelhaarige Kelte und blickte aus glasigen Augen zu dem rothaarigen Kelten empor. Pha! Von diesem dahergelaufenen Kerl würde er sich garantiert nichts sagen lassen. Und seiner Tochter würde er schon zeigen, dass sie ihm zu gehorchen hatte.

Dies alles bekam Sìofra schon nicht mehr mit. Denn sie hatte sich mit dem Huhn im Korb schleunigst außer Reichweite begeben und wartete vor der Schänke auf Louarn. Hoffentlich müsste sie nicht allzu lange auf den Rothaarigen warten. Tatsächlich war dem nicht so und Louarn trat relativ schnell aus der Schänke und direkt auf sie zu. Ohne ein Wort zu sagen, hatte die Keltin dann auch schon die Münze in der Hand, mit der Louarn in der Schänke die Aufmerksamkeit der Männer auf sich gezogen hatte. Verwundert Síofras Blick, als sie von der Münze in ihrer Hand zu dem Rothaarigen empor blickte. “Danke.“ Murmelte die Braunhaarige mit leiser Stimme und biss auf die Münze, wie um sich zu vergewissern, dass sie hier keinem Scharlatan aufgesessen war. Auch wenn sie Louarn niemals als Scharlatan bezeichnen würde. Denn immerhin hatte er ihren Vater rüde in seine Schranken gewiesen. Für wie lange würde sich noch zeigen.

“Ich glaube Nimue hat mich lieb gewonnen.“ Murmelte die braunhaarige Keltin. Denn tatsächlich war das Huhn merklich ruhiger geworden und saß ganz still in dem Korb. Ohne aufgeregt mit ihren Flügeln zu schlagen und krakelnde Geräusche von sich zu geben. “Ich würde gerne sehen wie Nimue lebt.“ Erklärte Síofra mit einem zögerlichen Lächeln auf ihren Lippen. Bevor sie hastig blinzelte und die Tränen aus ihren Augenwinkeln zu verbannen versuchte. Nein. Sie wollte nicht weinen. Dazu hätte sie später noch genügend Zeit, wenn sie sich auf ihrer Strohmatratze in ihrem Elternhaus zu einer kleinen Kugel zusammen rollte. Vor dem Tod ihrer Mutter hatten Mutter und Tochter immer zusammen und eng aneinander geschmiegt auf der Strohmatratze gelegen. Doch jetzt? “Wirklich? Oh danke Louarn.“ Freute sich das Mädchen und strahlte für einen kurzen Augenblick zu dem Krieger empor. Zustimmung bekam Louarn auch schon von Nimue, die nun aufgeregt in ihrem Korb mit ihren Flügeln flatterte.
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02-12-2025, 06:27 PM,
Beitrag #26
RE: [In der Nähe der Casa Liciniana] Die Lieblinge der Götter sterben früh.
Dass der Säufer dachte, er könnte irgendwie bedrohlich wirken, war albern. Würde ich sowas wie ihn nicht mit zwei auf den Rücken gebundenen Händen immer noch besiegen können, wäre Idris so schwer enttäuscht von mir, dass er aus der Anderswelt zurückkehren und mich verhauen würde. Ich hielt mich damit gar nicht erst auf oder mit irgendwelchen Drohungen. Sollte ich einmal in Cheddar sein und mitkriegen, wie dieser Kerl wieder Siofra zum Weinen brachte und das ganze Dorf sich nicht zuständig fühlte, ihn rauszuwerfen, würde ich ihn zur nächsten Pferdetränke schleppen und darin ersäufen. (Und nein, nach keltischen Regeln war das kein Mord. Aber es konnte gerne jeder ein Ehrenduell deshalb mit mir fordern, wenn er meinte. Ich bezweifelte aber, dass Eoghan bei irgendwem im Dorf so einen hohen Stellenwert hatte. Verdammt, am besten sollte ich es gleich machen. Aber die Römer mit ihrem kruden Verständnis von Recht und Gerechtigkeit sahen es nicht gerne, wenn irgendjemand außer ihnen Recht sprach. Und ganz vielleicht hatte Siofra was dagegen. Warum auch immer.)

Draußen hatte sie sich ein wenig gefangen und war wohl ganz glücklich, Nimue umklammern zu können. Ich hätte ihr den Korb abgenommen, auch wenn er jetzt nicht so schwer war. So ein Huhn wog ja nichts. Trotzdem ließ man nicht die Mädchen Sachen schleppen, solange man noch zwei Hände frei hatte und jetzt nicht gerade unmittelbar ein Kampf bevorstand. Aber Siofra schien das gerade zu brauchen, also ließ ich ihn ihr.
“Nimue ist halt ein kluges Tier. Wusste ich gleich, als ich sie auf dem Markt gesehen habe, dass sie das intelligenteste Huhn aus dem ganzen Haufen war.“ Ich lächelte ein bisschen schief und aufmunternd, und führte uns dann los. “Wenn der Korb zu schwer wird, sag aber bescheid, dann nehm ich ihn wieder“, musste ich dann aber trotzdem sagen, weil ich nicht ganz aus meiner Haut konnte.

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Falke
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02-12-2025, 06:42 PM,
Beitrag #27
RE: [In der Nähe der Casa Liciniana] Die Lieblinge der Götter sterben früh.
Kaum hatte Síofra die Schänke verlassen, atmete die junge Keltin tief durch. Nicht nur, um den beißenden Geruch der Schänke aus ihrer Lunge vertreiben zu können. Auch weil sie dieses soeben Erlebte von sich schütteln wollte. Den Korb in dem Nimue saß, hielt die Keltin besonders fest in ihren Händen. So als könnte sie sich an diesem Korb festklammern und das Huhn würde sie auf andere Gedanken bringen. Denn tatsächlich betrachtete Síofra das flatternde Huhn durch das Geflecht des Korbs. Und man konnte ein leichtes Lächeln ihre Lippen umspielen sehen. “Du bist ein lustiges Huhn.“ Murmelte Síofra leise an das Huhn gewandt, welches nun nur noch aufgeregter mit den Flügeln schlug. Schon trat Louarn aus der Schänke und Síofras Blick glitt augenblicklich über den Körper des Kelten. Wie um zu überprüfen ob er irgendwelche Verletzungen oder Abschürfungen aufwies. Doch nichts dergleichen konnte sie sehen. Und dies bedeutete, dass er ihren Vater körperlich unbeschadet gelassen hatte. “Ich wollte dich da eigentlich überhaupt nicht mit hinein ziehen Louarn.“ Meinte Síofra, nachdem sie einige Atemzüge lang geschwiegen hatte. Nein. Denn schließlich sollte sich der Kelte nicht für sie verantwortlich fühlen. Unter keinen Umständen. Und so atmete Síofra tief durch und betrachtete Nimue, die leise gackernd in ihrem Korb saß. “Hm. Aber wenn sie doch ein so schlaues Huhn ist, wie du sagst. Dann lass sie doch bitte am Leben. Es gibt genügend andere Hühner die man schlachten kann.“ Erklärte Síofra und folgte Louarn, der sich in Bewegung gesetzt hatte. Dieser Schänke somit den Rücken kehrte. “Nein, nein. Nimue wiegt nicht viel.“ Sprach Síofra und schüttelte dabei ihren Kopf. Wenn sie bei den Schafen aufpasste und die Klauen der Tiere pflegte, dann war sie definitiv härteres gewöhnt. Und Nimue wog nun wahrlich nicht viel.
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