Willkommen im Forum, Bitte Anmelden oder Registrieren

Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
02-04-2025, 12:51 AM,
Beitrag #1
Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Die Reise nach Londinium zog sich über mehrere Tage, verlief aber besser, als ich erwartet hatte. Das Wetter war gnädig, und die Wege waren trotz der Jahreszeit in passablem Zustand. Ich hatte befürchtet, dass Narcissus die Strapazen des Ritts nicht gut verkraften würde – schließlich war er es gewohnt, bequem in einem Reisewagen zu reisen. Doch zu meiner Überraschung hielt er sich gut. Natürlich ließ er hin und wieder eine Bemerkung über die Härte des Sattels oder die Eintönigkeit der Landschaft fallen, aber es war weit weniger Gejammer, als ich angenommen hatte. Tatsächlich schien er die Reise sogar gelegentlich zu genießen. Vielleicht lag es daran, dass er nach langer Zeit wieder unterwegs war – oder einfach daran, dass er eine angenehme Gesellschaft abgab.
Wir übernachteten in kleinen Herbergen oder, wenn sich keine fand, unter freiem Himmel. Narcissus nahm das mit einer Gelassenheit hin, die mich überraschte. Seine lockeren Bemerkungen halfen mir jedenfalls, meine eigenen Gedanken im Zaum zu halten.

Dennoch, die Tage auf der Straße gaben mir viel zu viel Zeit zum Nachdenken. Ich ritt mit lockeren Zügeln, ließ mein Pferd seinen eigenen Rhythmus finden, während meine Gedanken immer wieder um dasselbe kreisten. Würden wir Aglaia überhaupt finden? Londinium war groß. Vielleicht irrten wir tagelang durch die Stadt, fragten uns durch und fanden am Ende nichts als vage Hinweise und ausweichende Antworten.
Und selbst wenn wir sie fanden – was dann? Ich hatte keine Vorstellung davon, wie sie auf mich reagieren würde. War sie noch wütend auf mich? Würde sie mich überhaupt sehen wollen? Unser letztes Aufeinandertreffen war voller Vorwürfe gewesen, voller Worte, die wir beide nicht mehr zurücknehmen konnten. Vielleicht war ich für sie längst vergessen, ein abgeschlossenes Kapitel, mit dem sie nie wieder etwas zu tun haben wollte.
Doch egal, was sie empfand – ich musste ihr mitteilen, was ich zu sagen hatte. Und ich musste meine Tochter sehen. Ich wusste nicht einmal, welchen Namen Aglaia ihr gegeben hatte oder ob sie ihr je von mir erzählt hatte. War ich für das Kind ein Unbekannter? Ein Schatten aus der Vergangenheit, über den man schwieg?

Ich merkte, wie sich meine Finger unbewusst um die Zügel verkrampften, und zwang mich, sie zu lockern. Es hatte keinen Sinn, sich jetzt in Gedanken zu verlieren. Bald würde ich meine Antworten bekommen – ob sie mir gefielen oder nicht.
Als schließlich Londinium in Sicht kam, wuchs die Unruhe in mir. Hier kannte ich mich nicht aus, hier war Narcissus in seinem Element. Ich würde mich auf ihn verlassen müssen – auf seine Kontakte, auf sein Wissen über die Stadt.
Zitieren
 
02-08-2025, 09:16 PM,
Beitrag #2
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Narcissus war derlei Strapazen gar nicht mehr gewöhnt. Sein Leben vor Aglaia war hart gewesen, doch durch die Wildnis war er nie gestreift. Dazu noch das kalte Wetter und die Aussicht, dass in Londinium weder Feiern noch schöne Kleider warteten. Dieser Trip diente wirklich einzig und allein Owains Bedürfnis, sich von seiner Frau loszusagen. Ein Trip der, da war sich Narcissus sicher - völlig überflüssig war, denn Aglaia wollte keinen von ihnen beiden je wiedersehen.
Aber... er brauchte diesen Abschluss wohl. Und dass er seine Tochter wollte, das konnte Narcissus schon verstehen. Er selbst würde die Kleine vermissen. Doch ob Owain dort der Abschluss erwartete, den er sich herbeisehnte? Viel wahrscheinlicher war es, dass Aglaia ihn gleich zum Teufel jagte.
Nichts davon hatte Narcissus laut gesagt. Es wäre ihm lediglich als Jammern über den Ritt ausgelegt worden. Außerdem war er überzeugt, dass Owain die Wahrheit tief in seinem Herzen schon kannte.
Er hatte jedoch beschlossen, diese Reise für sie beide so angenehm wie möglich zu gestalten, einfach indem er über seine Befindlichkeiten schwieg. Er war nicht so ein Weichei wie es Owain vermutlich dachte, und das wollte er auch beweisen.

Nun jedoch waren sie angekommen, in der großen Stadt. Die Möglichkeiten, ach... Vielleicht konnte er sich doch etwas amüsieren. Geld hatte er ja dabei. Und er hatte schon beschlossen, Aglaias Bitte zu respektieren und nicht auf ihrer Türschwelle aufzukreuzen.
"Zunächst sollten wir einen Platz zum Schlafen suchen", bestimmte er. "Und einen Platz für die Pferde. Londinium ist groß. Wir können hier Tage herumsuchen und immer noch an der Oberfläche kratzen."
Er sagte das, da er meinte, Owain würde direkt mit der Suche beginnen wollen. Doch ohne guten Ausgangspunkt würden sie sich heute Abend fragen, wo sie nächtigen sollten. "Komm, ich kenne da ein Gasthaus, das nicht übel ist."
[Bild: 1_26_01_24_4_36_43.jpeg]
Zitieren
 
02-14-2025, 11:25 PM,
Beitrag #3
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Jetzt, da wir Londinium erreicht hatten, wirkte Narcissus fast schon etwas gelöster. Ich konnte mir denken, warum. Er war zurück in einer Stadt, qn einem Ort, an dem er sich auskannte. In einer Umgebung, die mehr seiner Natur entsprach als die offene Straße.
Ich sah mich um, während wir die Straßen Londiniums entlangritten. Die Stadt war größer als alles, was ich gewohnt war, und voller Menschen, die geschäftig hin und her eilten. Der Lärm, die Gerüche, die Enge – all das war ein scharfer Kontrast zu dem keltischen Dorf und der römischen Kleinstadt, die wir hinter uns gelassen hatten.

Narcissus hatte recht. Wir brauchten zuerst einen Ort zum Schlafen und einen Platz für die Pferde. So ungeduldig ich auch war, Aglaia zu finden, planlos durch die Stadt zu irren, würde uns nicht weiterbringen. Dennoch gefiel mir die Vorstellung nicht sonderlich, in einem Gasthaus unterzukommen. Dort war es meist laut, stickig und oft vollgestopft mit dem übelsten römischen Abschaum – Leuten, die man besser nicht aus den Augen ließ. Doch Narcissus zuliebe sprach ich meine Gedanken nicht laut aus. Wir mussten ja irgendwo übernachten, und Narcissus schien sich hier besser auszukennen.
Ich seufzte leise und nickte schließlich. "Gut, führen wir die Pferde dorthin. Wenn du das Gasthaus kennst, erspart uns das zumindest eine Suche."
Zitieren
 
02-18-2025, 08:17 PM,
Beitrag #4
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Narcissus zeigte Owain einen Stall, dem man vertrauensvoll die Tiere anvertrauen konnte. Auch die Herberge, die er für sie beide auftat, war schon eine Stufe über jenen RÄumen voller Pritschen, denn es gab ein Zimmer für sie beide, das man abschließen konnte. Er schätzte seine Privatsphäre und hatte keine Lust, mit einem Haufen stinkender und verlauster Reisender ein Zimmer zu teilen.
"Schön, wir sollten uns umsehen", sagte er, als die gängigen Angelegenheiten besprochen waren. Je eher er Owain zu Aglaia schaffte, desto eher konnte er sehen, was er nun anstellen mochte. Er würde vielleicht einmal Kiki aufsuchen, die schon ewig fort war und deren Fehlen langsam wirklich auffiel. Es war nicht dasselbe ohne sie und Aglaia. Es machte keinen Spaß mehr.
"Ich kenne da ein paar Leute", erklärte er, "Händler, Boten, ein paar Legionäre, die vielleicht etwas wissen oder uns sagen können, wohin wir uns wenden müssen. Es sollte nicht allzu schwer sein. Wenn Aglaia sich nicht bewusst verbirgt, sollte man sicher irgendwo ihre neue Adresse auffinden können. Was meinst du?"
[Bild: 1_26_01_24_4_36_43.jpeg]
Zitieren
 
02-19-2025, 06:38 PM,
Beitrag #5
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Wir führten unserem Pferd in den Stall, den Narcissus mir gezeigt hatte. Ich sah mich aufmerksam um. Der Mietstall machte einen ordentlichen Eindruck. Die Boxen waren sauber, das Heu frisch, und die Stallburschen wirkten, als wüssten sie, was sie taten. Ich tätschelte meinem Kubbo den Hals und nickte zufrieden. "Hier sind sie gut aufgehoben."

Nachdem wir den Stallburschen bezahlt hatten, machten wir uns auf den Weg zur Herberge. Ich war darauf gefasst, mich mit dem üblichen Lärm, Gestank und Gedränge eines römischen Gasthauses abfinden zu müssen, doch zu meiner Überraschung war das Haus, das Narcissus gewählt hatte, eine angenehme Ausnahme. Es war sauber und roch nicht nach Pisse oder abgestandenem Schweiß. Für römische Verhältnisse war diese Herberge geradezu luxuriös.
"Das ist wirklich besser, als ich erwartet habe. Ich muss sagen, du hast wirklich Geschmack," sagte ich anerkennend und grinste dabei.
Narcissus schien nicht viel darauf einzubilden, sondern kam gleich zum Wesentlichen. Er kannte ein paar Leute, die uns vielleicht weiterhelfen konnten. Ich nickte zustimmend, den Narcissus‘ Vorschlag schien mir vernünftig zu sein. Er kannte Londinium und seine Leute besser als ich. Blinder Aktionismus würde mich nicht weiterbringen.
"Klingt nach einem Plan", sagte ich schließlich. "Fragen wir herum. Ich will nicht länger suchen als nötig." Ich wollte nur wissen, wo Aglaia steckte. Nicht, um alte Wunden aufzureißen – sondern um endlich abzuschließen.
Zitieren
 
02-28-2025, 11:27 PM,
Beitrag #6
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Narcissus war froh, dass Owain seine Wahl billigte, gab sich aber nicht weiter mit seinem ansonsten flamboyanten Gehabe ab. Es war künstlich, das wussten sie nach dieser Reise beide, und unter ihnen völlig unnötig.
Was nun aber nötig wurde, war ein Trip ins Badehaus und ordentliche KLeidung, denn in Londinium wollte er aussehen, wie er auszusehen hatte, um die Dinge zu erfahren, die zu erfahren sie hergekommen waren.
Anschließend machten sie sich endlich auf die Suche nach Owains Verflossener. Immer noch war Narcissus entschlossen, Aglaia zu meiden. Ihrem Wunsch entsprechend und seiner eigenen Gekränktheit. Sie hatte sich entschieden, kein Teil seines Lebens mehr zu sein. Nach der Trauer war er nun auch zornig und enttäuscht deswegen, denn niemanden auf der Welt hatte er lieber gehabt.
Sie suchten ein paar der Freunde auf, die Narcissus sich bei der Reise durch Londinium hier gemacht hatte. Derer gab es nicht so viele wie womöglich in Rom, doch nicht wenige hatten Mittel und Wege, Dinge in Erfahrung zu bringen. Und dennoch dauerte es, denn nicht jeder war anzutreffen, fähig oder willens, ihm zu helfen.
Sie sprachen auch darüber, dass Narcissus sich zurückziehen würde, wenn sie Aglaia gefunden hatten. Owain konnte dann seine Angelegenheiten regeln und er selbst würde schon Mittel und Wege finden, sich hier die Zeit zu vertreiben. Unter anderem, diese faule Kiki aufsuchen, die immer noch nicht heimgekehrt war...

(Hier kann Owain nun entscheiden, wie sie Aglaia finden. Smile )
[Bild: 1_26_01_24_4_36_43.jpeg]
Zitieren
 
03-09-2025, 11:37 PM,
Beitrag #7
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Mit jedem Tag, den ich in Londinium verbrachte, wuchs meine Frustration.

Ich wollte mich nicht nur allein auf Narcissus’ Kontakte verlassen, sondern suchte selbst – in Tavernen, an den Häfen, in den Gassen, in denen sich die weniger ehrenhaften Gestalten der Stadt herumtrieben. Ich sprach mit Wirten, mit Händlerinnen, mit Frauen, die man für den richtigen Preis für eine Nacht Gesellschaft leisten konnte. Aber niemand hatte von Aglaia gehört. Oder wollte es mir nicht sagen.

Ich war mir nicht sicher, was mich mehr zermürbte – die ergebnislose Suche oder die wachsende Erkenntnis, dass ich mich vielleicht in etwas verbissen hatte, das von Anfang an hoffnungslos gewesen war.
Narcissus machte sich kaum noch die Mühe, mich von der Sinnlosigkeit dieser Jagd zu überzeugen. Ich wusste, dass er es für Zeitverschwendung hielt, doch er ließ mich gewähren. Und ich wusste es langsam selbst.
Londinium war riesig, ein Moloch aus Straßen, in denen sich Menschen verloren. Vielleicht wollte sie einfach nicht gefunden werden. Vielleicht hatte sie mich bereits vergessen.

Doch ich wusste längst selbst, dass sie mich vergessen hatte. Sie war nicht die Frau, die an der Vergangenheit festhielt – sie hatte sich entschieden, ohne mich weiterzuleben. Und ich hatte dasselbe getan. Ich liebte sie nicht mehr, nicht auf die Weise, wie ich es einst getan hatte. Zumindest redete ich mir das immer wieder ein.
Meine Liebe gehörte jetzt einer anderen Frau. Einer Frau, die mich gewählt hatte, so wie ich sie gewählt hatte. Deirdre war mein Zuhause, meine Zukunft.

Ich war nicht nach Londinium gekommen, um eine alte Liebe neu zu entfachen. Aglaia sollte wissen, dass ich wieder geheiratet hatte und dass ich mit Deirdre glücklich war. Dass einzige, was ich von ihr wollte, war meine Tochter wieder zu sehen. Ich kannte nicht einmal ihren Namen. Ich wusste nichts über sie, wie sie nun aussah, welche Farbe ihr Haar hatte und die Farbe ihrer Augen. Meine Erinnerung an das kleine Bündel, das ich kurz nach seiner Geburt gesehen hatte, verblasste langsam. Mir blieb nur die brennende Gewissheit, dass sie irgendwo in dieser Stadt lebte.
Vielleicht war es zu spät. Vielleicht hatte sie längst einen anderen Vater, einen, der an meiner Stelle getreten war. Doch das änderte nichts daran, dass ich sie finden musste.
Ich konnte nicht einfach gehen, ohne ihr einmal in die Augen gesehen zu haben.

Nun saß ich in einer dunklen Taverne, den Becher zwischen den Händen, und starrte auf das schmutzige Holz der Theke. Ich hatte jedes denkbare Viertel Londiniums durchkämmt. Ich hatte mit jenen gesprochen, die es wissen mussten. Es war sinnlos.
Ich würde nach Cheddar zurückkehren. Zurück zu meiner Frau. Dorthin, wo ich hingehörte.

Ich leerte meinen Becher mit Bier und erhob mich. Danach wollte ich zur Herberge zurückkehren, und Narcissus erklären, dass ich am nächsten Tag wieder nach Hause reiten würde.
Zitieren
 
03-12-2025, 11:24 AM,
Beitrag #8
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
“Und du bist sicher, dass du keine große Hochzeit willst?“ fragte mich Marcus zum wahrscheinlich zehnten Mal mit einem Blick, der seinem kantigen Gesicht etwas weiches gab. Er war in mich verliebt, da war ich mir sicher, und ich, nun, ich hatte ihn zumindest sehr gern. Er war gut zu mir, brachte mich mitunter zum Lachen. Und mein Primelchen liebte ihn abgöttisch und strahlte immer übers ganze Gesicht, wenn sie ihn sah und kam dann auf ihren noch wackeligen Beinchen herbeigetappst. Er war gut für uns. Gut für mich. Marcus Pompeius Flavus war unsere neue Familie.
Ich lächelte ihn offen an, auch wenn öffentliche Zuneigungsbekundungen als unschicklich galten und verpönt waren. Ein Grund, warum Hetären und Prostituierte ein leichtes Spiel mit den Männern allgemein hatten, da die es nicht gewohnt waren, auf der Straße einmal angelächelt zu werden. Aber natürlich schraubte ich es gleich auf ein züchtiges Maß zurück. “Am liebsten wäre mir, wir könnten es nur zu zweit mit uns ausmachen. Am besten auf dem Land, wo all die feine Gesellschaft nicht weiß, wie sie hinkommen soll“, antwortete ich ihm also, und auch er musste sich beherrschen, nicht zu grinsen.
“Und ich würde am liebsten ganz Londinium einladen, um der ganzen Welt zu zeigen, dass ich die schönste Frau auf ihr zu meiner Frau mache“, antwortete er und erhielt dafür von mir einen unauffälligen Knuff in die harte Seite. “Aber gut, ich werde mich bemühen, es nicht zu laut hinauszuschreien, wenn dich das glücklich macht. Und in drei Tagen fahren wir dann auch aufs Land, versprochen.“
In seinem Blick war so viel Zärtlichkeit, dass es mich rührte. Ich wusste, dass ich ihn nicht wirklich verdient hatte und ihn genau genommen sogar betrog. Aber ich würde den Rest meines – oder seines, er war ja doch zwanzig Jahre älter als ich – Lebens damit verbringen, es wieder gut zu machen. Er würde sich nicht beschweren brauchen.
“Dann werde ich versuchen, morgen und übermorgen mich nur zu sehr darauf zu freuen, wenn ich dich dann endlich für mich allein habe“, neckte ich ihn ein wenig, während er mich den restlichen Weg bis zu meiner Wohnung brachte. Morgen würden wir dann endlich heiraten, und dann wäre ich endlich in Sicherheit. Meine Tochter wäre in Sicherheit. Alles würde gut werden.

Ich verabschiedete mich von ihm mit einem unauffälligen Drücken seiner Hand und sah ihm hinterher, wie er ging, wie er sich wie jedes mal an der Ecke noch einmal umdrehte und zu mir zurückblickte, kurz leicht grinste, und dann schließlich um die Ecke und aus meinem Gesichtsfeld heraustrat. Ich atmete einmal tief durch, um mich wieder ganz zu sammeln, ehe ich mich umwandte, um die letzten paar Schritte zu meiner Wohnung zu gehen.
[Bild: 15_14_01_23_5_20_11.png]
Zitieren
 
03-17-2025, 10:31 PM,
Beitrag #9
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Ich hatte die Taberna mit ihrem Dämmerlicht verlassen und trat hinaus ins Tageslicht. Die Wintersonne stand hoch am Himmel, und für einen Moment musste ich blinzeln, um mich an die plötzliche Helligkeit zu gewöhnen. Ich atmete tief durch. Die Suche nach einem Hirngespinst war vorbei. Es gab nichts mehr, was mich hier hielt. Ich würde nach Hause zurückkehren.

Meine Schritte hallten auf dem Pflaster wider, als ich den Weg zur Unterkunft einschlug. Alles fühlte sich sinnlos an. Ich hatte genug Zeit vergeudet, mich einer Illusion hingegeben, einem Schatten nachgejagt. Deirdre wartete auf mich zu Hause in Cheddar. Ich hatte dort eine Zukunft. Ich musste nur endlich aufhören, in der Vergangenheit zu graben.

Doch dann sah ich sie.

Ein römisches Paar ging an mir vorbei, vertieft in ein Gespräch. Ich hätte sie nicht beachtet, wäre es nicht ihre Stimme gewesen, die mich mitten im Schritt erstarren ließ.
"Und du bist sicher, dass du keine große Hochzeit willst?" fragte der Mann. Ihre Antwort darauf war ein leises Lachen. Ein Klang, der mich wie eine Klinge durchbohrte. Ich kannte dieses Lachen.
Mein Blick folgte ihnen. Sie lächelte ihn an, doch ihre Zuneigung zeigte sich nur in Nuancen.Sie legte eine feine Zurückhaltung an den Tag, die mir fremd war.

Mein Herz schlug schneller, meine Gedanken überschlugen sich. Was fühlte ich? Erleichterung? Wut? Oder einfach nur die brennende Gewissheit, dass sie hier war, zum Greifen nah, nachdem ich so lange nach ihr gesucht hatte?

Ich folgte ihnen mit ein paar Schritten Abstand, hörte, wie sie mit dem Mann sprach, wie sie über ihre Hochzeit redeten. Meine Hände ballten sich zu Fäusten.
Sie war also glücklich. Sie hatte jemand anderen gefunden. Ein weiteres Opfer, das sie irgendwann genauso fallen lassen würde wie mich? Ich sollte  besser weitergehen. Sollte mich umdrehen, sie für immer vergessen und nach Hause reiten.

Doch ich konnte nicht.

Als der Mann sich von ihr verabschiedete und um die Ecke verschwand, war sie allein.
Jetzt oder nie, flüsterte eine Stimme in meinem Inneren. Ich trat näher, zwang mich, ruhig zu bleiben, obwohl meine Kehle trocken war.

"Aglaia," sagte ich mit rauer Stimme.
Zitieren
 
03-18-2025, 12:41 PM,
Beitrag #10
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Ich wollte gerade zur Tür der Wohnung gehen und anklopfen – bei der Kälte war sie natürlich geschlossen – als ich eine vertraute Stimme hörte, die mich erschreckte. Schnell drehte ich mich herum, in der vagen Hoffnung, mich geirrt zu haben, aber nein, da stand er wirklich. Und sah immer noch so aus, wie ich ihn in meiner Erinnerung hatte. Groß, die blonden Haare nach hinten zurückgekämmt, dieses sture Kinn leicht erhoben und diesen blauen Augen, die irgendwo zwischen Trotz und Hundeblick schwankten.

Panik stieg in mir auf und ich schaute mich schnell um, wer sonst noch auf der Straße war. Nachbarn waren immer neugierig, selbst die anständigen, und wenn Marcus doch noch einmal zurückkommen würde? Was sollte ich ihm sagen? Aber ich sah niemanden, nur die ganz normalen Passanten, was mich aber dennoch nicht wirklich beruhigte.
Am liebsten wollte ich schreien! Aber das konnte ich nicht. Dann würden garantiert Nachbarn kommen und sich ansehen, wer da gerade eine Szene machte. Aber ich wollte keine Szene, keine Aufmerksamkeit. Ich wollte nur meine Ruhe und endlich ein wenig Glück für meine Tochter und mich finden.
“Was machst du hier? Du hast hier nichts zu suchen. Geh weg!“ zischte ich möglichst leise und sah mich immer wieder leicht um, ob nicht doch irgendwo jemand war, den ich kannte.
Aber was wollte Owen hier? Er hatte hier wirklich nichts verloren. Kiki hatte mir erzählt, dass er sich sofort eine neue Frau gesucht hatte, nachdem ich gegangen war. Und das war jetzt fast ein ganzes Jahr her. Wahrscheinlich war seine Frau in der Zwischenzeit schon hochschwanger oder besser schon wieder und er hatte schon ein anderes Kind.
Aber das sollte mir sowieso egal sein. So leicht, wie er mich und unser Kind verlassen hatte, nur wegen seiner Eifersucht und dem Gift, das Furius Saturninus in sein Ohr geträufelt hatte, wie er seine Frau davor ebenfalls verlassen hatte, um Krieg zu spielen, sollte ich nur froh sein, jetzt ein anderes Leben zu haben. Also ignorierte ich jedes bisschen Sentimentalität, das aufzusteigen drohte, und hoffte, ihn einfach nur schnell zu verscheuchen.
[Bild: 15_14_01_23_5_20_11.png]
Zitieren
 


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 3 Gast/Gäste