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[August 834 A.U.C.] Wilder Fuchs und Adlerfluch
Vor 5 Stunden,
Beitrag #1
[August 834 A.U.C.] Wilder Fuchs und Adlerfluch
[Bild: Prinz-Inam.png]

Es waren drei Monde vergangen, seit Inam den Comuxhof verlassen hatte und von Lady Gerwina verflucht worden war. *

Die ungewöhnliche Sommerhitze drückte schwer auf die Hügel um Isurium, doch es lag kein Glanz in dieser Jahreszeit. Der Himmel hatte die Farbe von schmutzigem Zinn angenommen. Hoch oben am Firmament kreisten Krähen, deren heisere Rufe wie ein ständiges Spottlied wirkten. Es waren viele Vögel für einen gewöhnlichen Nachmittag. Ein plötzlicher Windstoß wirbelte roten Staub auf, der sich wie frisches Blut über den ausgetrockneten Pfad legte – ein untrügliches Zeichen für diejenigen, die die Sprache der Götter verstanden.

Durch diesen Staub schleppte sich ein kleiner Zug von fünfzig Männern auf die Tore der brigantischen Hauptstadt zu. An ihrer Spitze ritt Inam. Von der Pracht, die ihn einst als Prinzen der Dobunni ausgezeichnet hatte, war äußerlich nichts geblieben. Seine Tunika war zerschlissen, verkrustet mit dem Schmutz einer langen, entbehrungsreichen Flucht, und der Mantel hing ihm in Fetzen von den Schultern. Seine Waffen hielt er sorgfältig unter dem Stoff verborgen; es war kein Moment für offenen Stolz, sondern für bittere Notwendigkeit. Doch wer ihm in die Augen blickte, sah sofort, dass dieser Mann ungebrochen war. Seine Haltung im Sattel blieb königlich, der Blick scharf und voller unnachgiebigem Mut.

Während sein Hengst den Hügel hinauf schritt, kreisten Inams Gedanken um die Frau, vor deren Mut seine Bitte um ein Bündnis abhängen würde. An den Feuern der Geächteten sprach man von Königin Rhian. Sie sollte eine Frau von atemberaubender Schönheit sein. Einst war sie dafür bestimmt gewesen, ihr Leben als Priesterin den Göttern zu weihen. Das Schicksal hatte sie aber mit König Cahir vermählt. Jedoch war der König von einer Fahrt in den Norden nicht zurück gekehrt. Aber Rhian wählte sich keinen neuen Gefährten unter den Verwandten ihres Mannes, was bedeutete, dass sie erwartete, dass er eines Tages zu ihr zurückkehren würde.

Inam hoffte, dass der Funke der Götter noch immer in der Königin der Briganten brannte. Er brauchte diese Verbindung zu den höheren Mächten ebenso sehr wie ihre Krieger. Noch aber lebte Rhian nicht in offener Feindschaft mit Rom. Die abtrünnigen und rebellischen Dobunni mussten daher äußerst vorsichtig sein. 

Inams Blick schweifte über die kargen Felder vor den Toren Isuriums. Überall sah er das Werk der Besatzer. Rom nutzte das Territorium der Briganten schamlos als Aufmarschgebiet und logistische Basis für eine geplante Großoffensive in den ungezähmten Norden. Um die Legionen zu füttern, beuteten die Tribune das Land bis aufs Blut aus, und der Statthalter im fernen Londinium erlaubte es natürlich.

Prinz Inam lachte schnaubend: So sieht Roms Gerechtigkeit aus! Jede Familie hier oben hatte einen Grund, zornig zu sein. 

Hinter dem Prinzen folgten seine verbliebenen Leute wie eine Schar von Geistern. Sie waren ausgezehrt, die Gesichter von Hunger und Erschöpfung gezeichnet. Einige von ihnen gingen barfuß, die Füße blutig von steinigen Pfaden . Andere hielten die Arme eng am Körper, um zu verbergen, dass sie nicht einmal mehr ein einfaches Messer besaßen. Sie glichen eher Flüchtlingen als einer Kriegerschar, und doch lag in ihrem dumpfen Schweigen Entschlossenheit.

Als der Zug die Befestigungen von Isurium erreichte, unterbrachen die Bewohner ihre Beschäftigungen. Das Elend, das die römischen Tribute über ihr Land gebracht hatten, spiegelte sich in den Gesichtern der Einheimischen wider. 

Über den Köpfen der Torwachen stieß eine gewaltige Krähe einen gellenden Schrei aus und landete schwerfällig auf dem hölzernen Torbalken.
Cenmonoc, der Bluthund des Druidenrates , zog eine Augenbraue hoch. Er war ein dunkelhaariger Mann mit dunklen Augen, groß, breitschultrig und mehr Krieger als Priester. Schon lange Zeit war er Druidenschüler, und man munkelte, dass er die schwierigen Prüfungen auch gar nicht bestehen würde. Aber in diesen Zeiten war er dem Rat nützlich. Auch wenn es  Cenmonoc an Gelehrsamkeit fehlte; er verstand sich darauf, Männern Ideen einzugeben, von denen sie später glaubten, dass es ihre eigenen gewesen wären und seine Ziele zu verfolgen, ohne sich jemals abschütteln zu lassen.

" Dieses Land  und seine Götter sind voller Zorn, aber wir sind es nicht, die ihren Zorn erregen",  sprach der Druidenschüler leise zum Prinzen:
" Ich rieche Blut. Ein Opfer wurde gebracht, doch nicht einmal das hat die Erde besänftigt"
Imam konnte ein Schaudern nicht unterdrücken . Es hatte also ein Menschenopfer gegeben. Solch eine wertvolle Gabe an die Götter wurde niemals grundlos geleistet. Aber das Land würde erst wirklich Frieden finden, wenn sie von seinen heiligen Hainen und Hügeln vertrieben worden waren....
Cenmonoc nickte kaum unmerklich, als hätte er Inams Gedanken gehört....

Am Tor verkündete der Älteste der Krieger mit rauer Stimme: 
"Prinz Inam von den Dobunni entbietet Königin Rhian seinen Gruß und bittet um eine Audienz" 
Cenmonoc erwähnte er auf dessen "Bitte"  nicht. 

Inams Kriegerschar war nun am Ende ihres langen  Weges angekommen, um die einstige Priesterin aufzusuchen und mit ihr  gemeinsam das Feuer des Widerstands zu entfachen.


* Die damit verbundenen Ereignisse kann man hier nachlesen.
[Bild: 3_15_08_22_9_38_19.png]
Volk der Dobunni
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Vor 43 Minuten,
Beitrag #2
RE: [August 834 A.U.C.] Wilder Fuchs und Adlerfluch
Rhian hielt sich in diesem Moment in den Stallungen auf und beaufsichtigte ihre beiden Töchter. Die ihre Ponys striegelten und bürsteten. Fröhliches Kinderlachen schallte durch dies Stallgebäude. Lediglich durchbrochen durch das zufriedene schnauben der beiden Ponys. Vor ihren Töchtern und den Söhnen ihres Gemahls gab sich Rhian zuversichtlich und als die starke Königin, als die sie auch von ihrem Volk gesehen wurde. In den Nächten, in denen sie alleine in ihrem viel zu großen Bett lag und grübelnd an die Decke starrte, überkam sie Heimweh und auch eine ziemlich starke Verlustangst. Am nächsten Morgen war von diesem düsteren Gefühl allerdings nichts mehr zu spüren. Dieses Gefühl ließ sie niemals nach außen dringen. Damit sich ihr Volk keine Sorgen um seine Königin machen musste. Denn seitdem ihr Gemahl von einer Fahrt in den Norden nicht zurückgekehrt war, war Rhian faktisch zur Alleinherrscherin der Brigantes bestimmt worden. Auf die Nachfragen ihrer beiden Stiefsöhne hatte Rhian irgendwann keine Antwort mehr gehabt. Auch wenn sie ihre Göttin befragte und stundenlang vor der silbernen Schale saß und in das Wasser hineinblickte, so hatte sie ihre Göttin lediglich zweifelhafte Bildfragmente sehen lassen. Bildfragmente die Rhian bang ums Herz werden ließ. Nach jedem Blick in die Silberschale musste sich Rhian erst wieder sammeln. Ihre Gedanken sortieren, um sich ihrem Volk als starke Königin zu präsentieren. Ihr Volk durfte unter keinen Umständen auf den Gedanken kommen, dass Rhian schwach wäre und nicht fähig alleine die Krone der Brigantes zu tragen. Erst das lautstarke scheppern eines umfallenden Eimers ließ Rhian wieder in die Wirklichkeit zurückkehren. Doch es war nicht der Wassereimer der sie zusammenzucken ließ. Es war etwas anderes und dieses e t w a s anderes ließ ihr einen Schauer über den Rücken rieseln. Auch ihre beiden Töchter bemerkten die Veränderung ihrer Mutter und hielten augenblicklich mit dem bürsten ihrer Ponys inne. Fragendes blinzeln in Richtung ihrer Mutter. Rhian schüttelte kaum merklich ihren Kopf. So ging das putzen und striegeln der Ponys weiter. Bis zu dem Moment als eine der Wachen in den Stall kam, sich verneigte und verkündete, dass eine Entourage vor dem Tor erschienen war. Eine Entourage? Etwa ..Cahir? Das leuchten ihrer Augen blieb der Wache nicht verborgen, als dieser seinen Kopf schüttelte und Rhian somit zu verstehen gab, dass es nicht Cahir war, der sich vor dem Tor eingefunden hatte. Nur, wenn es nicht Cahir war, wer mochte es dann sein? Mit ihren beiden Töchtern an der Hand und der Wache an ihrer Seite verließ Rhian hoch erhobenen Hauptes die Stallungen und begab sich zum Tor. Dort standen nicht wenige Männer, bewaffnete Männer wie sie erkennen konnte. Augenblicklich spannte sich Rhian an, was ihren beiden Töchtern nicht verborgen blieb und diese ein leises wimmern über ihre Lippen entweichen ließ. Ein scharfer Blick ihrer Mutter brachte ihre beiden Töchter dazu augenblicklich zu verstummen. Während Rhian sich dem Tor Schritt für Schritt näherte. Um schließlich in einiger Entfernung hoch erhobenen Hauptes und mit stolzer Miene stehen blieb. “Königin Rhian ist gekommen. Was wünscht ihr?“ Drang die Stimme eines der Wachsoldaten an das Gehör der Königin. Diese Worte waren einzig und alleine für den ehrbaren Mann gerichtet, der nach ihrer Königin verlangte.
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