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Gemach Tiberius Furius Victor Aidanus
03-15-2026, 06:05 PM,
Beitrag #11
RE: Gemach Tiberius Furius Victor Aidanus
"Es heißt Manu -faktur, von manus, die Hand und facere, herstellen, werken", erklärte Saturninus. Er wusste nicht, warum, aber immer wenn er mit Victor sprach, schlich sich nach kürzester Zeit ein Unbehagen in sein Gemüt. Es war für ihn so, als wolle Victor etwas, was der Furius nicht so recht verstand, und was er ihm nicht geben konnte, nicht weil er nicht wollte, sondern weil er nicht wusste, um was es ging. Für Saturninus war jemanden zu mögen oder gar zu lieben, in erster Linie für ihn zu sorgen. Das waren die zwei Arten von Liebe, die er kannte: Sexuell oder fürsorglich. Er sorgte für seine Begriffe gut für Victor. Söhne gehörten dem Vater.  Er hatte auch für Deirdre gesorgt, sie freigelassen, ihr ein Häuschen und eine Kuh gekauft.
Was bei allen Göttern der Unterwelt wollte Tiberius Victor denn noch?
Nun warf ihm Victor vor, dass er seine Mama nicht gern hatte! 
"Ich habe sie gern. Doch sie hat Licianus Owen geheiratet und mir gesagt, dass nun in ihrem Schlafzimmer kein Platz mehr für mich ist! Diesen Wunsch habe ich respektiert!", antwortete Saturninus und dachte: Warum verteidige ich mich eigentlich? 
"Gut, dann keine Manufaktur. Ich zwinge dich zu nichts, ich eröffne dir Chancen und Wege. Aber du schaust mich an, als würde ich dich hier gefangen halten! Was willst du, Victor? Andere Jungen wären dankbar für die Möglichkeit, mein Sohn zu sein"
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Honoratior von Iscalis
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03-15-2026, 06:42 PM,
Beitrag #12
RE: Gemach Tiberius Furius Victor Aidanus
Manu-faktur. Hatte er doch gesagt. Aber sein Vater schimpfte schon wieder. So wie er es immer tat. Manchmal glaubte Aidan, dass sie beide eine völlig unterschiedliche Sprache sprechen. Der Papa wollte stets nur über Arbeit reden. Und er schien nie zufrieden. Schließlich schien er auch böse zu werden. Sprach von Dankbarkeit.
"... Bin ich doch...", murmelte Aidan leise, ohne aufzusehen. Er war totunglücklich. Gelacht hatte Saturninus' Sohn schon lange nicht mehr. Nur für Carus, niemanden sonst. "Aber... du lächelst gar nicht mehr... U-Und wir spielen gar nicht mehr miteinander. Du hast mich hierher geholt und jetzt bin ich immer allein."
Mit den Sklavenkindern spielte sein Vater. Mit ihm nicht. Und mit Carus auch nicht... Wieso nahm er ihn nicht mehr in den Arm wie früher? Unsicher, wie es weitergehen würde, fuhr sich Aidan über den feuchten Augenwinkel.
"Schaust du später nach Carus? Ob es ihm auch gutgeht?"
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03-18-2026, 04:12 PM,
Beitrag #13
RE: Gemach Tiberius Furius Victor Aidanus
Ob er das von Deirdre geerbt hat?, überlegte Saturninus wieder. Nicht Sklave sein, natürlich, aber dieses Gefühlige, Keltische? Es musste was Keltisches sein. Etwas das zu Vogelrufen und grauen Nebeln passte und zu sanftem Regen, der in manchen Monaten schier unaufhörlich sattgrüne Wiesen benetzte. Er und Serena waren jedenfalls nicht so. Wie denn? Ja, wie denn. Saturninus hätte es nicht zu beschreiben gewusst. Aber er war nur fünf Jahre älter gewesen als Victor, als er vor seine Familia getreten war und dort vor den Totenbüsten seiner beiden Eltern seine erste Rede gehalten hatte. Er hatte nicht geweint dabei, keine Träne, und er hatte eine Toga angelegt und seine Stimme hatte den ganzen Raum erfüllt....
Er war ein einsamer Junge gewesen. Und vor ihm, vor ihm stand nun auch ein einsamer Junge. Sein Sohn. Und wenn er ehrlich war: Der Sohn, der ihn am meisten Hoffnung gab. Carus war zu langsam und Antias noch ein Kleinkind. Saturnina war nur ein Mädchen. Ausgerechnet der Deirdresohn hatte sämtliche Tugenden geerbt, die Saturninus an Söhnen schätzte: Schneid und Intelligenz und gutes Aussehen. Er gab ihm ein Leben in Samt und Seide, und alles, was sich Victor wünschte, war, dass er, Saturninus, mit ihm lachte und spielte. Es wäre rührend gewesen, aber Saturninus wollte nicht gerührt sein. Sein Kopf arbeitete. Wenn Victor einen heiteren Vater wollte, dann würde Saturninus das auch noch auf seine Agenda setzen. 
 
"Möchtest du mich das nächste Mal zum Landgut begleiten, Victor?",fragte er schließlich: "Du hättest Freude an den Pferden, denke ich. Und nur wir zwei reiten dorthin, die Jüngeren lassen wir zuhause. Vielleicht ist mein Wagenlenker auch dort. Er heisst Frowin und weiß alles, was es über Pferde zu wissen gibt, er ist nicht viel älter als du"

Frowin war nun oft im Vereinshaus der Veneta zu finden und nicht immer auf dem Furiergut. Kaum hatte Saturninus das ausgesprochen, fiel ihm ein, dass ja, wenn Victor dabei war, mit Frowin nichts laufen würde. Dabei hatte er ihn lange nicht gesehen. Mist, dachte Saturninus, aber da muss ich durch, wenn ich Victor eine Freude machen möchte.
"Ich schaue noch nach Carus", beruhigte er Victor: "Gute Nacht, mein Sohn"
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Honoratior von Iscalis
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03-20-2026, 11:04 PM,
Beitrag #14
RE: Gemach Tiberius Furius Victor Aidanus
Es machte Aidan traurig, dass er seinen Vater erst daran erinnern musste, auch Carus zu besuchen, der sich immerhin verletzt hatte. Er wusste, dass sein Vater Carus viel lieber haben wollte als ihn, denn er war der 'Erbsohn'. Aber er konnte nicht so viel. Und das fand Papa nicht gut. Und dann wurde er wütend. Der junge Furius Victor fragte sich insgeheim, ob Carus überhaupt verstand, warum er seinem Vater niemals reichen würde... Er würde nicht einmal verstehen, warum er nicht mitgehen dürfte auf das Landgut. Aber insgeheim freute sich Victor dann doch, einmal etwas Zeit mit Saturninus zu verbringen. Wie früher, als er ihn noch besucht hatte.
"Aufs Landgut? Ja wirklich?", fragte er leise, fast ungläubig. Den Frowin kannte er natürlich, den berühmten Wagenlenker. Aber war der nicht schon über zwanzig und damit ALT? Er war ihm schon einmal begegnet, hier im Haus seines Vaters. Der Rothaarige war witzig gewesen und auch sehr nett, sogar zu Carus. "Das wäre schön! Ja, sehr gern!"
Er war vielleicht nicht gleich froh und strahlend. Aber es war ein Anfang. Hoffnungsvoll hob er den Blick. Sah seinem Vater zum ersten Mal in die Augen, die den seinen so sehr ähnelten. Und dann, er wusste gar nicht, ob sein Vater das überhaupt wollte, umarmte er den Mann vorsichtig.
"Gute Nacht, Papa."
Er ließ rasch los. Er wollte ihn nicht zu sehr reizen. Zum Ausgleich machte er keine Szene, sondern legte sich rasch in sein Bett. Er besaß die Höflichkeit, abzuwarten bis sein Vater gegangen war, bevor er heimlich noch ein wenig in einer der Schriftrollen las.
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03-24-2026, 02:22 PM,
Beitrag #15
RE: Gemach Tiberius Furius Victor Aidanus
Draußen atmete Furius auf. Das war noch einmal gut gegangen. Eigentlich war es einfach, Victor zufrieden zu stellen. Er nahm sich vor, das öfter zu tun. Oder zumindest daran zu denken. Dieses Gefühlsmäßige mochte er nach wie vor nicht, so wie es ein Mann nicht mochte, der vielleicht selbst heimlich dazu neigte. Es war so unpatrizisch. Es war so unrömisch. Victor müsste es sich wirklich abgewöhnen, dachte Saturninus. Er muss härter werden. Vielleicht sollte ich ihm die Aufgabe geben, einen nachlässigen Sklaven zu bestrafen. Mal sehen,ob mein Verwalter auf dem Landgut da etwas für uns hat. 
Saturninus unterbrach seinen Gedankengang, als er seinen hübschen Maiordomus erblickte. 
Der Anblick des goldenen ägyptischen Jünglings, den er so erfolgreich der Claudia Sabina weggeschnappt hatte, stimmte ihn gnädig: 
" Gibt es etwas, Nefertem?", forderte er den Sklaven auf, zu sprechen.
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Honoratior von Iscalis
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03-25-2026, 06:28 PM,
Beitrag #16
RE: Gemach Tiberius Furius Victor Aidanus
Sein Dominus war heute nicht gerade bei bester Laune. Dies hatte Nefertem bereits beim ankleiden am frühen Morgen bemerkt. Natürlich hatte er seinen Herrn nicht darauf angesprochen. In solchen Moment wusste Nefertem, wussten die übrigen Sklaven, dass sie ihren Herrn nicht mit Belanglosigkeiten belästigen sollten. Gerade eben hatte der aegyptische Sklave das Cubiculum der jungen Domina verlassen. Zeitgleich begann er sich bereits in seinem Kopf eine Entschuldigung für das Verhalten der jungen Domina zurecht zu legen. Denn das Furia Saturnina, ohne die Einwilligung ihres Vaters, des Familienoberhauptes, den Medicus in die furische Villa gerufen hatte, würde seinem Dominus ganz und gar nicht schmecken. Und noch während sich Nefertems Stirn in tiefe Runzeln gelegt hatte. War es sein Dominus, der ihm in diesem Moment über den Weg lief. Offenbar kam der Schwarzhaarige gerade aus dem Privatgemach seines ältesten Sohnes. Tiberius Furius Victor. Der Sohn den er mit einer Keltin gezeugt hatte. Damals, bei der Einweihung des Brunnens, hatte er die hübsche Keltin zu Gesicht bekommen. Und wusste warum sich sein Herr auf eine Liebelei mit ihr eingelassen hatte. Doch zurück in das Hier und Jetzt, in die Gegenwart. Und volle Konzentration auf seinen Dominus, der ihm eine Frage gestellt hatte. Wobei die Worte des Römers mehr wie eine Aufforderung, denn wie eine simple Frage klangen. “Dominus? Es geht um eure Tochter. Die junge Domina hat ohne dein Wissen den Medicus kontaktiert. Sie hat dafür die kleine Gauklersklavin Cassia nach dem Medicus schicken lassen. Es geht dabei um euren Erben. Offenbar hat sich Aulus Furius Carus beim spielen verletzt. So verletzt, dass er blutete. Und da sah es die kleine Domina für nötig den Medicus zu kontaktieren.“ Erklärte der Lockenkopf und blickte dabei seinem Herrn entgegen.
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03-28-2026, 05:10 PM,
Beitrag #17
RE: Gemach Tiberius Furius Victor Aidanus
"Ich weiß, dass Carus beim Spielen einen kleinen Unfall hatte. Aber weshalb gleich ein Medicus? Und weshalb hat Saturnina ihn holen lassen? Sie hat gar niemanden ins Haus zu holen ohne mich vorher  zu fragen", sagte Saturninus, und jetzt schaute er  Nefertem unfreundlicher an als zuvor:
"Du hättest sie davon abbringen müssen, junger Maiordomus"
Jeder schien in diesem Haushalt zu machen, was er wollte.
" Pytheas ist doch in Rom; bestimmt hat meine ungehorsame Tochter auch noch  mein Geld an irgendeinen Quacksalber verschwendet!", bemerkte Saturninus:
"Bleib hier, Nefertem, ich sehe selber nach dem Rechten" In Saturninus Augen verdiente Saturnina eine Strafe. Cassia nicht, die hatte nur einen Befehl ihrer Domina ausgeführt.
Die Strafe hatte Saturninus gleich im Sinn. Er würde mit Victor aufs Land reiten. Und Saturnina musste zuhause bleiben und den ganzen Tag Wolle spinnen. Sie würde es hassen. 
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Honoratior von Iscalis
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