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Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
01-10-2025, 06:34 PM,
Beitrag #11
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Selbst wenn Leander diese Geschichte so glauben würde, hieß das noch lange nicht, dass die beiden deshalb das einfach so machen konnten, wenn es ihnen beliebte. Genau deshalb mochte Leander Gesetze meistens mehr als Menschen, denn sie waren verlässlich und neigten nicht zu übereilten Entscheidungen aufgrund von Gefühlslagen.
“Nun Atreus Caelinus, du kannst dich natürlich erst einmal nennen, wie du willst, allerdings ist eine Namensänderung ohne entsprechende Eintragung nicht wirklich von Belang. Und in diesem Fall könnte man voreilige Schlüsse ziehen, wie beispielsweise, dass ihr einen Rechtsakt vollzogen habt, ohne den dafür notwendigen Rechtsweg zu bestreiten, was dann Rechtsbeugung wäre.“
Leander ließ sich weder von dem jungen Mann, noch von Plautius Montanus einschüchtern. Die beiden wollten immerhin etwas von ihm und nicht umgekehrt.
Deshalb wandte er sich danach auch an Montanus mit gleicher Ruhe. “Natürlich steht es dir frei, mit deinem Vermögen zu verfahren, wie du willst. Und deinen Verwandten steht es frei, dich wegen Verschwendungssucht unter Vormundschaft stellen zu lassen, um das Vermögen zu bewahren und dich vor voreiligen Entscheidungen zu beschützen.“ Leander machte eine bedeutungsschwere Pause, damit Montanus Zeit hatte, sich darüber klar zu werden, dass er eben doch nicht ganz allein entscheiden konnte, was er wollte, und das alles mit Leanders Unterstützung wesentlich besser laufen würde als gegen ihn.
“Und das Problem ist nicht, ob ich euch das glaube oder nicht, sondern ob die Volksversammlung das glauben würde. Und ehrlich, Montanus, wenn dir irgendjemand erzählen würde, er möchte irgendeinen jungen Mann von der Straße adoptieren anstelle eines eigenen Verwandten oder den Sohn eines alten Freundes oder dergleichen, du würdest auch an seinem Geisteszustand zweifeln und das Ganze ablehnen.“

So viel Realität mussten die beiden ertragen können, denn Leander sagte das noch nicht einmal in böser Absicht, sondern war sich wirklich sicher, dass die allermeisten Römer Plautius Montanus hierfür schlichtweg für verrückt erklären würden.
“Es wäre also schon einmal hilfreich, wenn deine Verwandtschaft auf deiner Seite hierbei stünde und dich unterstützt. Beispielsweise, indem du auch ihnen gegenüber deine Großzügigkeit beim Erbe zeigst, was auch den Vorteil hätte, dem Vorwurf der Erbschleicherei zuvorzukommen.“
Ja, Leander war allgemein sehr integer und gewissenhaft, aber er war nicht dumm. Montanus war sehr reich, und auf so viel Geld zugunsten eines Niemands verzichtete wohl niemand, der auch nur ein bisschen verstand hatte. Aber Leander war nicht gierig. Wenn das hier Montanus Wille war, dann konnte er ihm schon sagen, wie er diesen am wahrscheinlichsten auch durchsetzen konnte. Aber wie jeder gute Anwalt war sein Honorar dabei nicht billig.
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01-10-2025, 07:56 PM,
Beitrag #12
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Calum war völlig neu in der verschlungenen Welt der Rechtsnormen. Natürlich gab es auch unter ihrem Volk Gesetzmäßigkeiten und Traditionen, doch ihm war nicht bekannt, dass eine solche Bürokratie unter den Kelten verbreitet wäre.
Hier jedoch war er völlig außerhalb seines Elements. Für diese Leute musste er dumm wirken und den Gedanken hasste er. Er errötete vor Scham, als ihm Plautius Leander klarmachte, dass er im Grunde nicht einmal seinen Namen einfach so ändern durfte.
"Das... wusste ich nicht", murmelte er verlegen und fühlte sich noch mehr wie ein Trottel. Wie es sein Gegenüber ja sicher auch beabsichtigt hatte.
Natürlich hatte aber Leander trotz seiner versteckten Absicht - diese hatte Calum durchaus erkannt - Recht. Niemand würde ihnen das glauben. Obwohl sie wussten, dass es stimmte, dass er wirklich von Montanus' Bruder abstammte, mochte dies öffentlich ohne Weiteres bezweifelt werden.
Dass sich Leander von dem Erbe etwas in die eigene Tasche wirtschaften wollte, hätte Calum vielleicht empören müssen. Doch es war nicht sein Geld. Und es war verdammt viel. Er hatte das hier zwar für Geld gemacht, aber nur, um Pytheas halten und sich schützen zu können. Nicht, um es zu horten.
"Onkel? Ich... halte das für eine nachvollziehbare Forderung. Ich habe keine Verwendung für all dieses Geld und... sie sind schließlich auch Familie." Mehr wollte er doch im Grunde nicht. Nun. Seine alte Familie bei sich zu haben, das wäre natürlich noch schöner gewesen. Aber dieses Schiff war wohl abgefahren. Einzig Fintan sprach noch mit ihm.
An Leander gerichtet, sagte er:
"Wärst du in dem Fall bereit, uns zu helfen? Und... noch eine Bitte. Wenn... Falls das funktioniert, wärst du bereit, mich im Umgang mit dem Recht zu schulen? Ich wüsste gern mehr, denn im Augenblick weiß ich eher... gar nichts. Und ich will lernen."
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Falke
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01-11-2025, 10:26 AM,
Beitrag #13
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Ach daher wehte der Wind also...es ging natürlich wie immer nur um das liebe Geld. Nun denn. Auch wenn dem Ritter dieses ganze Gerede von Vormundschaft und Anklagen gegen den Strich ging, so ließ sich die Verwandtschaft also mit Geld abspeisen. Dann sollte es eben so sein. "Leander, falls der Eindruck entstanden ist, dass ich dich in dieser Angelegenheit um einen familiären Freundschaftsdienst gebeten habe, so lass mich dir versichern, dass dem nicht so ist. Deine Hilfe in dieser Angelegenheit werde ich großzügig nach deinen Wünschen honorieren. Ich bin mir sicher, dass unsere Familie da zu einer guten Übereinkunft kommt. Wie du weißt verfüge ich nicht nur über Minen und Betriebe sondern auch Rennpferde und eine Pferdezucht und unser junger Atreus hier kann dies unmöglich alles einmal verwalten in der Zukunft. Falls dich die Tiere interessieren, so kannst du gerne einmal die Factio Albata am Marsfeld besuchen und ein Mitglied werden, Leander."

Das sollte Leander ein wenig zu denken geben, hoffentlich. Tatsächlich hatte sein Onkel sehr großzügige Kauf- und Pachtrechte hier in Britannia erhalten vom Kaiser im Zuge der Eroberung Britannias und sein Vater hatte dies alles in Geld umgesetzt und Wohnhäuser, Manufakturen gegründet und Bergbau betrieben, was zu dem immensen Reichtum geführt hatte, mit dem der Ritter Montanus nun sauteure Rennpferde erwarb und eine Zucht begann. "Und was seinen Namen angeht, so haben wir bisher nur überlegt, wie sein Name später lauten sollte wenn es dann so weit ist."

Interessant war allerdings unser junger Atreus Caelinus hier, der sofort zum Mediator wurde und vermitteln wollte und lernen wollte er auch noch von Leander. Diese Seite hatte der dickliche Römer bisher noch nicht gesehen und er schätzte, dass Leander seine Hilfe bestimmt nicht billig anbieten würde. "Nun, wenn unser junger Atreus hier gerne den Reichtum mit dem Rest der Familie teilen will, so soll mir das recht sein. Und falls du Zeit und Muse hast, den Jungen zu unterrichten, so will ich es dir natürlich auch vergüten, Leander. Oder vielleicht kennst du einen guten Lehrer, der Zeit hat?" Der alte Seneca war wahrscheinlich schon zu krank und senil, hatte man ihn doch schon seit Ewigkeiten nicht mehr auf der Straße gesehen.
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Honoratior von Iscalis
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01-11-2025, 07:01 PM,
Beitrag #14
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Leander zog leicht die Augenbrauen nach oben, als Montanus von Honorar zu sprechen anfing. Und noch so sehr betonte, dass es nicht um einen Dienst innerhalb der Familie ging. “Man könnte den Eindruck gewinnen, Montanus, dass du die Verwandtschaft zu mir nicht besonders schätzt“, meinte Leander reichlich trocken. Nun, er war ja auch ein ehemaliger Sklave, allerdings hatte er sein ganzes Leben bei Seneca verbracht und es war recht wahrscheinlich, dass entweder Seneca oder aber dessen Vater tatsächlich auch Leanders Vater war. Nicht, dass es einen großen Unterschied gemacht hätte, für keinen von ihnen. Nur hätte Leander Montanus nicht ganz so dünkelhaft vermutet. Aber sei es drum.
“Dein Angebot, Teil deiner Rennfactio zu werden, ist großzügig, allerdings kann ich mit Pferden nichts anfangen. Seien wir ehrlich, ich bin nicht nur Anwalt, ich habe auch das Gemüt eines Anwalts und Buchhalters. Mietshäuser, Minen oder Betriebe liegen mir da mehr.“
Leander lehnte sich leicht zurück. Wenn sie jetzt schon von Preisen sprachen, dann sollten sie auch von Preisen sprechen. Glücklicherweise war der junge Erbschaftsanwärter da weit aufgeschlossener, seinen Reichtum zu teilen. Leander hatte nicht damit gerechnet, aber er fand es durchaus erfreulich. “Ich möchte vermeiden, dass unser Familienverhältnis von dem Vorwurf von Gier überschattet wird. Lediglich einen gerechten Anteil sollte die restliche Familie erhalten. Der Haupterbe bekommt natürlich den größten Anteil. Aber ein Fünftel ist denke ich nicht unbotmäßig. Und ein Drittel hiervon als Zuwendung schon zu Lebzeiten würde die Pflege von Seneca sehr erleichtern. Immerhin wünschen wir alle dir ein sehr langes und weiterhin gesundes Leben.“ Oder um das Haus um ein Stockwerk zu erweitern, damit mehr Platz für seine Frau und ihre Sklaven vorhanden wäre. Sie würde aber dennoch erst einmal einen kleinen Hund bekommen.

Dann überraschte Atreus Caelinus Leander allerdings mit seiner Frage nach Unterricht in Rechtslehre. Natürlich nahm jeder junge Mann, der eine politische Karriere anstrebte, auch Unterricht in Rechtslehre für ein oder zwei Jahre, einfach um mitreden zu können. Aber Leander war noch nie danach gefragt worden, solchen Unterricht zu geben – und Seneca hatte alle Lernwilligen immer frühzeitig verscheucht. Und Leander kannte nur sehr wenige junge Männer, die daran tatsächlich Freude entwickelt hatten. Für die meisten war es eine eintönige, sehr langweilige Pflicht.
“Du möchtest römisches Recht studieren?“ fragte er noch einmal etwas skeptisch nach. “Und du bist dir im Klaren darüber, dass das hauptsächlich aus dem Lesen von verstaubten Gesetzestexten der letzten achthundert Jahre römischer Geschichte besteht?“ Leander wollte in diesem Punkt nur Klarheit auf allen Seiten, denn er hatte wenig Nerven für einen jammernden Verwandten und eine jammernde Ehefrau. Am Ende schlossen sich beide noch womöglich zusammen. Und wollten beide Katzen haben oder etwas ähnlich abstruses.

“Wenn wir uns über alles einig sind, wird es mir eine Ehre sein, zu helfen, sowohl bei dem einen, als auch bei dem anderen. Es sollten sich nur alle Parteien darüber im klaren sein.“
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01-12-2025, 04:00 PM,
Beitrag #15
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Montanus hatte das Gefühl, dass Leander wirklich alles in den falschen Hals bekam bzw. es bekommen wollte. Da war er seinem Vater Seneca schrecklich ähnlich. "Du verstehst mich falsch, Leander. Ich wollte dir nur zu verstehen geben, dass ich deine Hilfe honoriere und nicht als selbstverständlich oder pro bono erwarte." Senecas Zweig lebte nicht von Pachteinkünften und dergleichen wie der dicke Ritter und musste Geld aktiv erwirtschaften. Das fand Montanus traurig und betrübend, da es einem so wenig Zeit für die Muße ließ. Aber da kam ihm auch gleich eine Idee...

"Natürlich kann ich dich in Zukunft bedenken, aber als direkte Zuwendung könnte ich dir die familiären Besitzungen in Londinium überlassen. Ich vermeide es ohnehin nach Londinium zu reisen, wenn ich nur kann. Mein Vater hat dort drei große Insulae sowie eine Großtöpferei, die seit bereits dreißig Jahren etabliert ist, gegründet. Diese werfen gute Gewinne ab, die bestimmt für Senecas Unterhalt reichen." Genau genommen war der Betrieb massiv und stabil und stellte von Amphoren über Geschirr und allerlei anderer Sachen alles mögliche her. Ich wusste keine genauen Zahlen so ad hoc, aber der Gewinn des Betriebs musste in den Tausenden liegen. 

"Und meines Onkels alte Villa kannst du natürlich auch als Familiensitz nutzen, wenn du in Londinium weilst. Ich war schon seit einigen Jahren nicht mehr dort, aber das Gebäude hat mehr als ausreichend Zimmer und Empfangsräume." Die Ausstattung war nicht ganz so prächtig wie Montanus' eigene Villa (der eine Vorliebe für Marmor und Gold hatte), aber wesentlich größer, da es einst als Sitz des Gouverneurs der Provinz gedient hatte. "Ich muss dich allerdings warnen, dass die Insulae und die Töpferei mit viel Papierkram, Klienten und Verwaltern einhergeht." 

Weniger Papierkram und unnötige Briefe, die dem Dicken nun erspart blieben. Ob er dem kauzigen Leander auch noch das Geklüngel in Camulodunum überschreiben sollte? Naja vielleicht konnte Atreus das in der Zukunft übernehmen. Montanus jubilierte im Geiste bereits über all die Zeit, die er nun mehr seinen Pferden und dem Reitstall widmen konnte. "Und wegen der Factio musst du dir keine Gedanken machen...vielleicht findet unser Atreus hier ja Gefallen an der Arbeit mit rassigen Rennpferden" setzte der Ritter noch jovial nach. "Ich hoffe aber trotzdem, dass du zu einem Rennen in der Zukunft erscheinen wirst, Leander."
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Honoratior von Iscalis
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01-12-2025, 05:03 PM,
Beitrag #16
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Calum hielt sich während der Gespräche brav zurück. Leander kam zunächst als überaus unsympathisch daher, wie er den Dicken um Geld bedrängte. Doch vielleicht war es hier normal, dass die Familie untereinander solche Kriege führte. Das wollte er jedenfalls nicht, weshalb es ihm durchaus recht war, dass Montanus dem Cousin entgegenkam, wie er es vorgeschlagen hatte. Andererseits... Es war schon ziemlich einfach, wenn man sich Loyalität einfach erkaufen konnte...
"Bitte entschuldige, aber du verstehst mich falsch", sagte Calum höflich, als die beiden eine kurze Atempause einlegten. "Ich bin nur äußerst unbewandert und möchte lernen, mich auch rechtlich hinreichend behaupten zu können. Keiner soll von mir denken, ich sei einfältig oder unfähig. Ich bin klug. Mir fehlt aber das Wissen. Doch wenn ich Talent und Verstand für deine Tätigkeit mitbringe, will ich gern versuchen, mehr darüber zu lernen und zu studieren. Wäre das für die angebotene Bezahlung akzeptabel? Selbstverständlich freue ich mich auch über die Gelegenheit, mehr Zeit mit dir zu verbringen und die Familie kennenzulernen."
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Falke
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01-12-2025, 08:17 PM,
Beitrag #17
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Jetzt sprachen sie dieselbe Sprache, und Leander musste wirklich angestrengt seine Gesichtszüge unter Kontrolle halten, als er hörte, was Montanus ihm da alles mal eben so überschreiben wollte, nur um seine Ruhe zu haben vor weiteren Forderungen. “In der Tat, das wäre sehr großzügig. Ich danke dir. Mit Klienten und Verwaltern werde ich denke ich wenig Probleme haben“, sagte Leander, der so schnell zu einem reichen Mann und einer verdammt guten Partie geworden war. Sollte Orestilla ihm gegenüber doch weiter verschlossen bleiben und sie beide nicht zu einer fruchtbaren Koexistenz finden, sollte es hiernach kein Problem sein, eine sehr willige Braut zu finden, die diesen Reichtum mit ihm teilen wollte. Zumal Leander wohl gleich einige Klienten mitübernehmen würde, die auch seinen Einfluss auf einmal beträchtlich steigern würden. Und alles nur, weil Montanus einen fremden Jungen adoptieren wollte.

Nachdem das also geklärt war, erklärte auch Atreius Caelinus sich noch einmal und sein Interesse an der Juristerei. “Die wenigsten Leute können sich selbst rechtlich vertreten. Deshalb gibt es ja Anwälte. Den meisten Leuten ist die Arbeit mit den Gesetzen zu langweilig. Daher wird niemand von dir denken, du seiest einfältig, wenn du nicht in die Tiefen der Juristerei hinabsteigst. Ich kann dir natürlich die Grundlagen beibringen, allerdings dauert das Studium, wenn es ernst gemeint ist, mehrere Jahre. Ich will dich nicht abhalten, ich denke nur nicht, dass du weißt, worauf du dich einlässt.“ Da Leander soeben drei große Insulae und eine Töpferei auf Ehrenwort erhalten hatte, war er gewillt, von weiterer Bezahlung abzusehen. Das wäre sonst wirklich gierig gewesen.

Nachdem dann alles geklärt war, konnten sie auch zum eigentlichen fall kommen.
“Was den Wunsch nach Adoption angeht: Da Atreius Caelinus Vater verstorben ist und somit nicht nur ein Rechtsübergang von einem vater auf den anderen erfolgt, ist die Sache etwas komplizierter. Im Moment ist er ein Mann seines eigenen Rechtes, danach stünde er unter deiner väterlichen Gewalt. Für so einen Akt braucht es einen Gerichtsbeschluss, und hier in der Provinz wäre die Volksversammlung in Londinium zuständig, die nur an einigen Tagen im Jahr tagt. Du wirst also nicht umhin können, dafür nach Londinium reisen zu müssen, Montanus.

Allerdings, und verzeih mir, so offen zu sprechen, werden die Geschworenen dort dich bestenfalls auslachen, wenn du ihnen erzählst, dass Atreius der verlorengegangene Sohn deines Bruders ist. Sie würden dich für geistig verwirrt und schwach halten und schlichtweg Nein sagen zu deinem Vorhaben.
Daher wirst du sagen, dass Atreius hier seit langer Zeit dein Vertrauter und Freund ist und du ihn deshalb androgieren möchtest. Dann werden sie denken, er sei dein Liebhaber, insbesondere da du nicht verheiratet bist und keine Kinder hast. Da ist es dann zwar gefühlsduselig, ihn absichern zu wollen, aber die meisten werden das als Grund dann einleuchtender finden als die Geschichte vom verlorenen Sohn. Dennoch besteht so die Möglichkeit.
Wenn du noch Gefallen hast, die du einfordern kannst, solltest du das tun. Ansonsten musst du einige der Meinungsträger schlicht und ergreifend bestechen für den gewollten Ausgang deines Anliegens. Natürlich diskret. Aber der schwule Liebhaber dürfte auch hier günstiger sein als die Herzensangelegenheit deiner Mutter, du verstehst? Ich kann für dich herausfinden, wen du bestechen musst, sofern ihr einige Monate Zeit habt mit der Sache. Wenn es schnell gehen muss, musst du deine eigenen Informanten bemühen, ich habe in Londinium keine.
Da nur ich als dein Verwandter dir Verschwendungssucht unterstellen und das alles so durch Klage verhindern könnte, wärst du auf dieser Ebene erst einmal sicher. Insbesondere, sollte ich mit dir gemeinsam auftreten und dein Anliegen unterstützen.

Dann bräuchtet ihr nur die entsprechenden Abschriften über Atreius bisheriges Leben, soweit protokolliert. Also seine Bürgerschaft, der Name seiner Mutter, Geburtsort… der bürokratische Papierkram eben.“
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01-14-2025, 01:50 PM,
Beitrag #18
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Zur Besiegelung der Übergabe der londinischen Besitzungen bot der dicke Ritter seinem Verwandten Leander den symbolischen Handschlag um den Handel zu besiegeln. "Ich schicke dir morgen oder übermorgen meine Sklavin mit den langweiligen Listen voll Daten und Zahlen, sobald sie alles rausgesucht hat. Ich hoffe nur, dass du es dir nicht doch noch anders überlegst, wenn die Zahlenflut erst einmal da ist. Ständig diese Listen mit 'Sklavin soundso hat sich vermehrt' und 'Sklave Dingsbums hat sich das Bein gebrochen' sind elend langweilig. Ich hoffe, dass ich dir mit der Überschreibung keinen Bärendienst erweise, Leander." Die Worte waren gutmütig, aber Montanus war ehrlich froh darüber, dass er das nicht mehr an der Backe hatte. 

Endlich kamen sie zu dem interessanten Teil. Die Aussicht Atreus als seinen Lover auszugeben schmeckte Montanus nicht unbedingt, da er ja absolut davon überzeugt war, dass er sein Blutsverwandter war. Aber andererseits sollten die alten Säcke in Londinium von ihm denken, was sie wollten. Einem Junggesellen in seinem Alter konnte man leicht vorwerfen, dass er sich aus Frauen nichts machte, wenn kein Eheweib und kein Erbe weit und breit in Sicht waren - auch wenn dies keine homoerotischen Gründe bei Montanus hatte. "Ich kann noch einige Gefallen einfordern, da mein Vater und Onkel gute Beziehungen in Londinium hatten. Der Rest lässt sich mit Geld in Wohlgefallen auflösen." 

Leanders Worte aber enthielten viel Wahrheit. Die Volksversammlung hatte ihre Vorstellungen und Sentimentalität war wirklich nicht Teil davon. Für mich war Atreus ein einfacher Weg das Gekeife und Gezetere meiner Mutter zu unterbinden ohne mich selbst um einen Erben kümmern zu müssen und die Pflicht der Erbenzeugung und Heirat auf Atreus abwälzen zu können. Für die alten Säcke war das aber wenig nachvollziehbar, wie ich auch zugeben musste. 

"Ich will gern deinem Rat folgen. Sollen sie mich ruhig für einen Liebhaber schöner Jünglinge halten, wenn wir dadurch diese Adoption auf den Weg bringen können. Angenehm anzusehen ist unser guter Atreus ja." Jovial lachte der Plautier, ehe er fortfuhr. "Wir müssen ja nur eine Weile so tun um die alten Säcke zu besänftigen. Was denkst du, wie lange wird der Prozess vor Ort dauern, sobald alle Bestechungen und Papiere beisammen sind, Leander? Ich möchte so wenig Zeit wie möglich in Londinium verbringen um ehrlich zu sein."
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Honoratior von Iscalis
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01-16-2025, 09:09 PM,
Beitrag #19
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Calum nickte lächelnd.
"Lass es uns versuchen", sagte er und war fest entschlossen, seinen Wert irgendwie zu beweisen, denn er wusste, dass ihn alle für einen Emporkömmling halten würden. Unter anderen Umständen wäre es ihm auch egal gewesen. Er konnte für sich selbst sorgen. Doch in einem zunehmend feindlichem Umland brauchte er den Schutz, den ihm diese Familie bieten konnte. "Sollte ich mich als unfähig erweisen, akzeptiere ich das voll und ganz und werde versuchen, mich anderweitig nützlich zu machen."
Er hörte sich mit Unmut den 'besten Weg' an, auf dem ihn sein Onkel adoptieren konnte. Als... Liebhaber? Nicht als Verwandten würde man ihn akzeptieren, sondern als zugelaufenen Liebhaber?
"Gibt es... keine andere Möglichkeit?", fragte er unangenehm berührt. "Ich... Ich bin nicht hier, um mich ungerechtfertigt zu bereichern und wäre nicht gekommen, wäre nicht auch ich überzeugt, dass Montanus Recht hat."
Er atmete tief durch. Der Gedanke, vor all diesen alten Kerlen so tun zu müssen, als wäre er Montanus' Liebhaber, war abstoßend. Selbst wäre er nicht sein Verwandter, so war ihm doch sein Pytheas tausendmal lieber."
Er fragte sich ernsthaft, wie ihn jemand vertreten sollte, der selbst nicht glaubte, was er erzählte. Doch Leander war wohl seine beste Option. Außerdem... wenn sie verwandt waren, wollte er sich gut mit ihm stellen. Derzeit war seine Familie sehr arg zusammengeschrumpft...
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Falke
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01-17-2025, 03:00 PM,
Beitrag #20
RE: Tablinum | Termin für die rundliche Verwandtschaft
Leander war sich nach den Reaktionen der beiden nicht sicher, ob er sich klar ausgedrückt hatte. Offenbar nicht, denn Montanus überlegte, wie er so tun könnte, als wäre Atreius sein Geliebter, und der junge Mann gab sich leicht angewidert.
“Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Ihr sollt überhaupt gar nichts tun, außer zu sagen, dass er schon seit langen Jahren in deinem Haus für dich arbeitet, und wenn man dich nach Einzelheiten fragt, etwas von vertrauensvoller Stellung sagst, ohne es genau zu spezifizieren. Sollte irgendjemand euch ernsthaft direkt darauf ansprechen oder euch dumm angrinsen und zuzwinkern, ignoriert es, kommentiert es nicht oder streitet es ab. Kein Römer würde je zugeben, der Geliebte eines anderen Römers zu sein oder einen Geliebten zu haben. Wir sind keine Athener.“ Natürlich leugnete niemand im römischen Reich, dass es Männer gab, die andere Männer bevorzugten, und an und für sich war es nicht einmal ein großes Problem, solange man der aktive Part dabei war. Aber ein guter Römer erfüllte als erstes immer seine Pflicht, und die sah vor, Kinder zu zeugen, wozu nunmal eine Frau vonnöten war. Und der untergeordnete Teil beim Sex zu sein, wurde als weiblich und unmännlich betrachtet, weshalb kein Römer das je zugegeben hätte.

“Und die Volksversammlung tagt ja immer nur wenige Tage im Quartal. Wenn wir einen der ersten Termine bekommen, was mit etwas Geld und bei deiner Stellung als Ritter auch kein Problem sein sollte, dürfte sich dein Aufenthalt in Londinium auf wenige Tage beschränken, sofern du das willst. Du könntest innerhalb von zwei Wochen wieder zurück in Iscalis sein, wenn du die Annehmlichkeiten Londiniums nicht genießen möchtest.. Das langwierigste wird wohl die Vorbereitung sein, um die Unterlagen zusammen zu bekommen. Eine Abschrift aus dem Stadtregister von Atreius Geburtsstadt, vielleicht auch eine seiner Mutter… sowas dauert meistens.“
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