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RE: Pforte / Vorzimmer / Bürgerbüro
“Vor neun Tagen, hier in Iscalis, richtig.“ Ich sah genau zu, was er auf seine Tafel kritzelte. Die war der eigentlich unwichtigere Teil, denn kaum jemand prüfte jemals genau, was in den Archiven einer Stadt wirklich stand. So etwas war in den meisten Fällen schlicht zu unwichtig. Ich war ja kein Politiker. Niemand interessierte sich für eine Latinerin. Bei der Beantragung des Bürgerrechtes könnte es gegebenenfalls noch einmal schwierig werden, aber wenn alles nach Plan lief, war ich bis dahin ohnehin mit einem reichen Witwer verheiratet und mein Kind unter seine Obhut androgiert. Ich hatte sogar schon zwei Männer, die ich auf dem Empfang des Statthalters gesehen hatte, auf meiner persönlichen Liste.
Das wichtigere war das Diptichon. Ich zog einmal kurz die Augenbraue hoch, als er meinte, ich solle für das Ding auch noch zahlen. Aber die Beamten von hier waren wohl alle gierig. Meinetwegen. Ich kramte in den versteckten Falten meines Tragetuches und förderte fünf Silberdenare hervor. “Ich nehme die bessere Variante. Ich warte solange.“
Und das tat ich dann, leicht und langsam auf und abgehend, damit das Kind schön brav weiterschlief, während der Schreiber hoffentlich zu meiner Zufriedenheit arbeitete.