(12-21-2023, 02:49 PM)Flavianus Pytheas schrieb: " Ich war nur einer unter den Auszubildenden des Leibarztes und habe während meiner Zeit auf dem Palatin vor allen Dingen die kaiserlichen Palastsklaven betreut, werte Didia Corona", antwortete Pytheas:
"Dein Lob ehrt mich sehr, auch wenn es zu viel der Ehre ist. Mein Auftrag ist kein Geheimnis: Mein Patron, der allergnädigste Caesar Augustus, ist aus wirtschaftlichen Gründen daran interessiert, die Bleikrankheit, die so viele Opfer unter den Minenarbeitern fordert, einzudämmen. Ich habe daher eine Versuchsreihe in den hiesigen Bleiminen begonnen. Das dieser Ort hier ausgewählt wurde, ist tatsächlich dem Zufall geschuldet. Ich habe eine Mine von eher kleinen Dimensionen gesucht....Entschuldigt, ich möchte die Damen keinesfalls mit Details langweilen und schon gar nicht auf einem Fest. Das passiert, wenn man einen Medicus nach seiner Arbeit fragt"
Pytheas lächelte höflich.
Er hatte für seine Versuche eine Mine so weit weg von Rom wie möglich ausgesucht. Dort in der Hauptstadt klebte die Vergangenheit wie Pech unter seinen Sohlen. Es war Ironie der Götter, an deren Existenz er nicht glaubte, dass ihm nun hier in Iscalis seine Vergangenheit in Coronas Gestalt direkt gegenüber stand.
Indirekt gab Pytheas ihr Auskunft: Er sagte Didia Corona, dass er von Vespasian geschickt worden war. Sein Auftrag beinhaltete in regelmäßigen Abständen Berichte an die kaiserliche Kanzlei zu schicken. Der Kaiser würde keinen Sesterz ausgeben, ohne einen genauen Bericht über dessen Verwendung zu verlangen.
Inhalte von Pytheas Berichten waren der Fortgang seiner Forschungen und andere Gesundheitsfragen - doch vielleicht auch alles, was besonders und was auffällig war. (Zumindest Tribun Ovidius Decula hatte geglaubt, dass Pytheas auch Berichte über einzelne Persönlichkeiten nach Rom sendete)
Pytheas betonte daher, dass er arbeitssüchtig und womöglich auch ein Fachidiot war. Mochte Didia Corona ihn langweilig finden, das war besser als verdächtig!
Sie hatte sich also nicht getäuscht, er war einer der kaiserlichen Freigelassenen und sogar in seinem Auftrag hier am Ende der Welt. Auch wenn sein Auftrag war sich um irgendwelche Arbeiter und Sklaven zu kümmern, wer konnte ihr garantieren das wirklich nur diese Informationen nach Rom gemeldet wurden. Ihre Angst war nicht das Vespasian erfuhr, wo sie war, sondern dass irgendeiner der karieregeilen Speichellecker an der falschen Stelle etwas ausratschte.
„Das ist ja hoch interessant, ich wusste gar nicht das unser allwissender Caesar Augustus sich sogar selbst um so kleine Dinge wie die Rentabilität einer weit entfernten Miene kümmert. Ich war immer der Meinung das er viel wichtigere Dinge zu tun hat.“
Corona war sich sicher das nicht der Kaiser höchstpersönlich sich die Berichte von Pytheas durchlas und dass er auch nur das erfuhr, was wirklich wichtig war. Wenn also Pytheas, was über sie berichten würde, war die Frage ob ihr Onkel das auch erfahre würde.
Corona sah sich etwas im Raum um. Bo stand zwar in der Nähe aber doch eher im Hintergrund. Wenn er so ruhig war und nichts unternahm war ihre Panik vielleicht sogar unbegründet. Der Stadthalter war in Gespräche verwickelt und auch sonst waren eher Menschen anwesend, die nach ihrem Wissen wenig Kontakt nach Rom hatten.
Sie wendete sich wieder an Pytheas.
„Hast du den schon mit unserem ehrenwerten Legatus Augusti darüber gesprochen, sicher will er doch auch darüber Bescheid wissen?“
Corona wollte wissen ob er vielleicht auch nach Londinum berichtete, wahrscheinlich war das sogar noch gefährlicher als wenn in Rom etwas durchsickerte.