RE: Das Gemach von Ti. Furius Sat. (Cubiculum)
Narcissus schnaubte. Er konnte ein ziemliches Tratschweib sein. Natürlich plauderte er keine Geheimnisse von Kunden aus. Das verstieß gegen sein Berufsethos. Doch alle anderen waren Freiwild und es gab noch andere Arten, Dinge herauszufinden, als sie sich im Bett erzählen zu lassen.
"Ist eine Geschichte aus Rom. Oh, darüber werden sie sich heute noch das Maul zerreißen", kicherte er, den Kopf auf Saturninus' Schoß gebettet und sich mit Konfekt füttern lassend. "Die haben diese Tochter, Octavia. Weit verbreiteter Name, ich weiß. Ist so ein Püppchen. Schrecklich verwöhnt und eigensinnig. Fing hinterm Rücken ihrer Familie etwas mit einem jungen Kerl an, obwohl Papi schon fleißig nach guten Partien sucht. Nun hatte Octavia schon so fünf an jedem Finger und war sicher keine unbefleckte Blüte mehr, aber in den schien sie sich wahrlich verliebt zu haben.
Wir gehen einige Wochen weiter. Octavias Onkel, der Bruder ihres Vaters, kündigt sich an. Alle sind schon sehr aufgeregt, außer dem Mädchen, das sich wieder einmal heimlich mit ihrem Liebhaber trifft. Und genau in dem Moment kommen Vater und Onkel über den Platz, die beiden innig küssend erwischend und was glaubst du, was dann geschah?
Onkel schreit 'CLAVUS! Du nichtsnutziger kleiner Pisser, was treibst du da mit deiner Cousine!?' Nun stellte sich heraus, dass besagter Liebhaber Onkels Sohn war, der auf dessen Kosten in der großen Stadt für sich allein lebte. Der ganze Platz hat's mitbekommen und ich schwöre dir, ich habe beobachtet, wie zwei Menschen innerhalb von Sekunden geschrumpft sind."
Natürlich war es auch des zornigen Onkels Schuld, dachte Narcissus, denn er hätte die Angelegenheit auch diskreter angehen können, als einem ganzen Platz mitten in Rom die Geschichte rauszubrüllen. Aber so waren Väter wohl.
"Aber ich schätze, die Geschichte kennt schon jeder, hm...", überlegte er. "Was könnte ich dir noch erzählen. Valerius Balbus hat eines der großen Wagenrennen gesponsort und ein Team gestellt, das leider spektakulär verloren hat. Vielleicht hast du davon gehört. Er wollte natürlich, dass seine Fahrer gewinnen, also ließ er heimlich den Pferden seines Rivalenteams was ins Futter mischen. Was er nicht bedacht hat war, dass die ein genauso dreckiges Spiel spielen und seine Fahrer am Abend zuvor derart abgefüllt haben, dass die am nächsten Tag noch nicht einsatzbereit waren. Also gewann die dritte Partei, die überhaupt keine Chance gehabt hätte, wenn die Streithähne sich im Griff gehabt hätten. Und jeder fragt sich, wie es dazu kam. Nun verdächtigen sich die beiden Rivalen zwar gegenseitig, aber keiner kann dem anderen was beweisen und alle sind höchst misstrauisch aufeinander. Aber tja, ich hab meine Quellen."
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