11-29-2023, 03:33 PM,
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RE: Die Reichen und die Schönen - Cena zu Ehren des Statthalters Petilius Rufus
(11-27-2023, 05:59 PM)Tiberius Furius Saturninus schrieb:
"Ach, Künstler! Immer mit dem Kopf in den Wolken! Das hier ist Licinianus Owen, der begnadete Kunstschmied", bemerkte er und nahm Owen am Arm, wie ihn zu begrüßen, aber sein Griff war fester als üblich:
" Dieser Britannier hier lebte einst in einem Dorf weit fort von hier in den Schwarzen Bergen. Sein ganzes Leben konnte man nur karg und trist nennen. Doch dann kam er in das Haus der Liciniana Aglaia", jetzt machte Saturninus eine Geste in ihre Richtung, und damit hatte auch jeder den Namen der schönen Hetäre erfahren:
"Und sein Talent, gespeist aus dem alten Handwerk seiner keltischen Ahnen und neu befruchtet vom Kontakt mit unserer hochstehenden, einmaligen Kunst brach sich Bahn, und er wagte sich direkt an dieses Bronzebild eines jugendlichen Mars - zu Ehren Roms und unserer Legion.
Sieht der junge Speerwerfer nicht aus, als wolle er direkt vom Sockel steigen?
Ich darf mir den Verdienst anrechnen, diesen Kunstschmied in Cheddar entdeckt und gefördert zu haben. Auch die Iulier haben bereits ein Werk von Owen in ihrer Villa stehen.
Ich bin mir sicher, dass Licinianus Owens Weg nicht hier endet. So viel steht noch in den Sternen - vielleicht Londinium, vielleicht sogar Rom, wenn man klug genug ist, seine Chancen zu nutzen und sie sich nicht zu verbauen"
Letztere Worte waren an Owen als Mahnung gerichtet: Tust du das, was du sollst, wirst du aufsteigen. Tust du es nicht, dann wirst du sehen, was du davon hast:
Saturninus behielt sein Lächeln bei:
" Owen, du stehst vor dem Statthalter, dem edlen Legat Augusti Lucius Petilius Rufus, selbst", fügte er noch an, bevor es dem einfiel, den hochgestellten Römer einfach mit "Salve Petilius" zu grüßen.
Da gab es aber auch schon zwei Honoratioren, die fragten, ob Owen sich auch auf die Darstellung des schönen Geschlechtes verstände. Sie hätten gerne eine liebliche Göttin, Flora oder Venus, in Auftrag gegeben....
(11-29-2023, 10:37 AM)Licinianus Owain schrieb:
Heute war mir nicht nach 'Freundlich sein'! Das hatte Furius sofort begriffen. Dass er sich deswegen ärgerte, war offensichtlich, denn er war kein guter Schauspieler. Er schob es auf meine Künstlerallüren, die ich allerdings nicht besaß. Mit festem Griff nahm er mich an meinem Arm und stellte mich irgendwelchen Leuten vor, die ich nicht kannte – alles Römer, versteht sich!
Der britische Barbar, dem nichts Besseres hätte passieren können, als die Gnade der Sklaverei. Der Römer hatte überhaupt keine Ahnung, wie erfüllt unser Leben ohne ihn und seinesgleichen gewesen war! Nun, mit einem hatte er Recht, in Aglaias Obhut zu gelangen war wirklich ein großes Glück gewesen. Er wies auf sie, als er ihren Namen erwähnte, so dass alle einen Blick auf sie werfen konnten. Ich entzog mich diesem Blick, denn es würde mich nicht froh machen, was ich sehen würde.
Dann lobte er mein Talent und meine Kunstfertigkeit, die aber ganz gewiss nichts mit dem Kontakt seiner hochstehenden römischen Kunst zu tun hatte. Jeder, der ein geschultes Auge, einen Blick fürs Detail und geschickte Hände hatte, hätte das Gleiche schaffen können. Furius aber rechnete es sich selbst an, mich entdeckt und gefördert zu haben. In den Worten, die dann folgten, lag etwas Hintergründiges, Verborgenes. Eine Warnung, die an mich gerichtet war. Mein Ziel war es, Aglaia und unser Kind mit meiner Arbeit und nur mit meiner Arbeit zu versorgen. Daran hatte sich nichts geändert und daran hielt ich auch fest. Furius aber schien zu glauben, dass ich es ohne sein Zutun nicht schaffen würde.
Schließlich stellte er mich dem Statthalter vor, der die ganze Zeit neben ihm gestanden hatte und Furius‘ Selbstbeweihräucherung mitanhören musste. Wegen ihm wurde dieser ganze Zirkus hier überhaupt veranstaltet. Ich rechnete nicht damit, dass er sich in seinem Wesen groß von Furius unterscheiden würde. Dennoch hatte ich mit ihm keinen Streit, da ich annehmen konnte, dass er noch nicht mit meiner Frau geschlafen hatte. Daher gab es für mich auch keinen Grund, ihm nicht freundlich zu begegnen.
"Salve Statthalter Petilius Rufus! Ich freue mich, dich kennenzulernen!" Mit einer leicht angedeuteten Verbeugung hatte ich den Mann begrüßt. Vielleicht hatten Furius' Worte ihn ja beeindruckt. Einige andere, die um uns herumgestanden hatten, zeigten sich beeindruckt und fragten danach, ob ich auch in der Lage sei, rundliche weibliche Formen darzustellen, etwa die von diversen Göttinnen, deren Namen mir nicht viel sagten.
"Ja natürlich," entgegnete ich freundlich. "Gerade habe ich die drei Grazien fertiggestellt. Diese drei Skulpturen sollen einen Brunnen zieren, den meine Frau der Stadt stiften möchte", entgegnete ich den Anfragen und würdigte dabei Furius keines Blickes mehr.
Lucius Petilius Rufus unterhielt sich.
Das tat er eigentlich die meiste Zeit bei solchen Festen. Gerade hatte er mit einem der Duumvirn gesprochen und war dabei für ein paar Augenblicke der Obhut seines Gastgebers entkommen, als dieser auch schon zurückkehrte und diesmal einen blonden Kelten dabei hatte, den er ihm wortreich und blumig anpries. Rufus vermutete einen persönlichen gefallen, der eingefordert und gewährt worden war. Wobei Rufus vermutete, dass der Gefallen eher der schwangeren Dame im Hintergrund galt, denn er konnte sich nicht vorstellen, in welcher Konstellation ein Patrizier einem Kelten einen Gefallen schulden könnte. Nungut, dann unterhielt er sich mit einem weiteren Kelten.
“Ah, die Statue ist von deiner Hand? Eine wirklich schöne Arbeit. Ich gebe zu, für so etwas habe ich kein geschultes Auge, das ist eher das Steckenpferd meiner Frau. Aber die ist in Londinium. Wäre sie hier, würde sie sicherlich wortreich deine Kunst loben und vermutlich einige Petitionen zur Verschönerung der Hauptstadt an mich richten“, meinte Rufus freundschaftlich jovial und lachte leicht.
“Wenn du auch verheiratet bist, weißt du sicher, wovon ich rede. Ich fürchte, da sind alle Frauen sich recht ähnlich, wenn es um Dinge geht, die sie haben wollen.“ Da Rufus nicht vorhatte, länger in Iscalis zu verweilen, würde sich ein Auftrag von ihm wohl kaum lohnen. Londinium war doch recht weit weg, als dass ein kleiner Schmied von hier da noch eine Lieferung tätigen könnte, ohne dass es exorbitant teuer würde. Und für solch teuren Dinge hatte Rufus dann doch nicht unbedingt das Geld, solange nicht klar war, wie lange Vespasianus ihn hier in Britannien würde arbeiten lassen.
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