RE: Die Hütte der Gwrach
Ganz andächtig lauschte Furius Saturninus meiner Stimme. Die fremdklingenden Namen mussten seltsam in seinen Ohren klingen. Doch die Geschichte an sich schien ihn zu fesseln. Die Tabula für seine Notizen ließ er sinken. Stattdessen schenkte er mir seine volle Aufmerksamkeit, um der Geschichte von Lirs Kindern zu folgen.
Hin und wieder machte er Zwischenbemerkungen oder stellte Fragen, wenn ihm etwas nicht klar war. "Ja, das waren sie! Aoibh, Lir und ihre vier Kinder. Doch manchmal geht das Schicksal seltsame Wege." Auch der Begriff tuatha de danann schien seine Aufmerksamkeit erregt zu haben, denn er fragte danach. "Tuatha de danann bedeutet das ‚Volk der Göttin Danu‘. Sie sind die Kinder der großen Mutter und leben in der Anderswelt. Sie besitzen magische Kräfte und sind Barden, Heiler, Krieger und Schmiede."
Ich erzählte weiter und kam schließlich zum Ende der Geschichte. Die Schwäne hatten wieder ihre menschliche Gestalt erhalten, weil der Fluch gebrochen war. Doch sie starben sofort. Zu diesem Aspekt schien er noch einige Fragen zu haben.
"Sie sind gealtert, weil der Fluch gebrochen wurde. Wären sie Schwäne geblieben, hätten sie wohl noch länger leben können. Doch Lairgnen nahm Deoch zur Frau. Du musst wissen, in Hibernia gibt es vier Königreiche. Im Norden, im Osten im Süden und im Westen eines. Alle konkurrieren miteinander. Es war also eine Besonderheit, dass der Prinz des Nordens die Prinzessin des Südens zur Frau nahm. Und nein, sie waren keine Nachfahren der Schwäne, denn sie waren einfach nur Menschen."
Der Römer konnte in der Geschichte allerdings kaum einen Sinn sehen, denn das Paar, welches am Ende den Fluch brach, war kein römisch-keltisches. Dabei war diese Geschichte doch viel älter. Aber natürlich hätte man die Geschichte auch der aktuellen Geschehnissen unserer Zeit anpassen können, denn das Kelten und Römer aus freien Stücken zueinander fanden, kam immer noch sehr selten vor.
Letztendlich fand der Furius, die Geschichte tauge allerhöchstens als Theaterstück, aber nicht für seine Zwecke. Er suchte nach etwas blutrünstigerem. "Eine Geschichte, in der möglichst viele einen gewaltsamen Tod sterben?" Ich sah ihn ein wenig überrascht an. "Wie kommst du darauf, dass unsere Geschichten so blutrünstig sein sollten?" Vielleicht wäre der Aufstand der Boudicca ein weitaus passenderes Thema für seine Arena, dachte ich verächtlich.
|