RE: Die Hütte der Gwrach
War die Hochzeit zwischen seinem Dominus und der wunderschönen Claudia Sabina bis dato nur als Gerücht durch die Luft geschwebt, war nun der Zeitpunkt gekommen, an dem sich sein Dominus vermählen würde. Sein Dominus würde Claudia Sabina seinen Namen geben und sie unter seinen Schutz stellen. Dies zumindest stellte sich der dunkelhäutige Sklave vor, während er ein letztes mal über seine hübsche Tunika strich, die ihm von seinem Dominus überreicht worden war. Schließlich sollte Nefertem, als Leibsklave des Tribunus Prolegato einen adretten Eindruck vermitteln und nicht daherkommen wie der letzte Gossensklave. Dankbar hatte Nefertem genickt, als ihm sein Dominus das Paket überreicht hatte. Natürlich ohne eine Gefühlsregung auf seinem Gesicht zu zeigen, eben typisch Iulius Cato. Der Sklave hatte sich dennoch sehr darüber gefreut. Und nun trat er in seiner hübsch geschneiderten Tunika aus dem Wohnbereich seines Dominus in der Castra.
Vor der Castra warteten bereits sechs Legionsreiter, sowie eine Kutsche. Davor waren zwei wunderschön weiße Pferde gespannt, die unruhig mit den Köpfen schlugen und mit den Hufen scharrten. Offensichtlich konnten es die Pferde gar nicht erwarten das sich die Kutsche endlich in Bewegung setzte. Somit wartete alles auf Nefertem. Den Legionssoldaten warf der junge Aegypter einen raschen Blick zu und neigte seinen Kopf. Dann bestieg er den Kutschbock und griff nach den Zügeln. Hoffentlich würden ihm die Pferde auch gehorchen und nicht im gestreckten Galopp durchgehen. Nachdem Nefertem die Zügel aufgenommen hatte und leicht auf die Rücken der beiden Tiere klatschen ließ, setzten sich diese in Bewegung und die Kutsche zog an.
Sanft lächelnd verließ Nefertem, in Begleitung der Legionsreiter die Castra. Sein Ziel war das Dörfchen Cheddar, denn dort würde er eine Frau namens Ceridwen abholen. Wie diese Ceridwen wohl aussehen mochte? Schließlich hatte Nefertem von seinem Dominus lediglich deren Namen in Erfahrung gebracht, sonst nichts. Um sich nicht weiter mit diesen Gedanken beschäftigen zu müssen, konzentrierte sich der Sklave auf die beiden Pferde, welche die Kutsche stoisch zogen, so dass sich Nefertem überhaupt keinerlei Sorgen zu machen brauchte. Die Castra war schon längst hinter dem dunkelhaarigen Sklaven verschwunden und das weite Grün des Waldes tat sich vor Nefertem auf. Tief inhalierte der junge Mann die frische Luft und lauschte dem zwitschern der Vögel. Welch süßen Gesang die Vögel anstimmen konnten.
Schließlich erreichte Nefertem das Dorf Cheddar und ließ seinen Blick über die Hütten gleiten. Meist angstvolle, teils aber auch aggressive Blicke schlugen dem iulischen Sklaven entgegen, so dass sich dieser auf dem Kutschbock leicht duckte und seine Finger fester um die Fahrleinen krallte. Die Blicke der Menschen hier in diesem Dorf waren alles andere als wohl gesinnt. Die Mienen der ihn begleitenden Legionsreiter waren nicht weniger grimmig und so entwich Nefertems Lippen ein leises seufzen. Schließlich deutete einer der Legionsreiter auf eine der Hütten und Nefertem lenkte die Kutsche genau dorthin. An der Hütte angekommen, sprang der Dunkelhaarige vom Bock, trat auf die Hütte zu und pochte vorsichtig dagegen. Hoffentlich wurde ihm geöffnet und hoffentlich würde man ihm nicht derart grimmig entgegen blicken.
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