RE: Garten I Hortus
"Hmmmmm", ich war nachdenklich geworden. Weil ich nachdenklich war, zupfte ich kleine Blätter vom Baum, obwohl der Baum nichts dafür konnte:
"Mir macht Klauen, das vermute ich einmal, wenig Spaß. Wenn die Kuchenstücke abgezählt waren, bekommen die Küchensklaven nur Ärger. Vielleicht bestraft Linos sie, oder noch schlimmer: Mein Onkel befiehlt, sie zu verkaufen. Dann werden sie weinen und um Gnade flehen. Und dabei sind sie es nicht gewesen, sondern ich wäre es. Das kann ich nicht tun", ich wurde noch nachdenklicher.
Der nächste Vorschlag von Felix, nämlich mich bis zu den Stallungen zu schleichen, um Spaß zu haben, und er versprach mir, dass er mir nicht in Verlegenheit bringen würde, zog mir schier die Sandalen aus:
"Alleine - alleine?", wiederholte ich etwas lahm: "Nicht nur ohne Anaxarete sondern auch ohne Gefolge und Leibwächter meinst du?"
Ich hatte zu Ende nachgedacht. Und ich war zu einem Schluss gekommen. Und wie es meine Art war, hielt ich mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg:
"Weißt du, was ich glaube, Iulius Felix? Du bist einfach nur für dich verantwortlich und für keinen anderen Menschen sonst. Ich dagegen trage schon eine Verantwortung, auch wenn ich nur ein Mädchen bin. Ich bin verantwortlich für die Sklaven, weshalb ich sie nicht in Schwierigkeiten bringen möchte. Und ich bin verantwortlich für meinen Vormund, den Consular, dass er sich keine Sorgen machen muss. Und ich bin verantwortlich für meinen guten Ruf und die Ehre der Familie.
Was du also vorschlägst, ist mir unmöglich. Aber es ist nicht, weil ich Angst hätte. Ich habe keine Angst, und.... ", mir versagten die Worte. Ich pustete mir eine Haarsträhne, die sich gelöst hatte, aus dem Gesicht und schob eine Unterlippe vor. Zu meiner Bestürzung fühlte ich, dass mir die Tränen in die Augen stiegen. Ich hasste Weinen. Meine Nase wurde hinterher rot und geschwollen:
"Du bist gemein!", flüsterte ich.
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